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Grimma Tafel Grimma versorgt 400 Bedürftige und braucht selbst Hilfe
Region Grimma Tafel Grimma versorgt 400 Bedürftige und braucht selbst Hilfe
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10:50 10.07.2016
Zur Grimmaer Tafel kommen auch Asylbewerber, um Lebensmittelspenden zu erhalten. Valentina Metzner (li.) und Olga Netskunajew (2. v. li.) arbeiten ehrenamtlich für die Tafel und helfen bei der Ausgabe der Lebensmittebeutel.   Quelle: Foto: Thomas Kube
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Grimma

 Das habe ich mir nie vorstellen können, dass ich eines Tages mal hierher komme und mein Essen hole.“ Das hat Heidrun Henze-Fleihs, Leiterin der Grimmaer Tafel, schon manches Mal gehört. „Es kann jedem passieren, dass er einen guten Job hatte und plötzlich arbeitslos wird sowie durch familiäre oder gesundheitliche Probleme ganz unten ist“, sagt sie . Etwa 400 Menschen aus Grimma und dem Muldental kommen mindestens einmal wöchentlich ins Hochhaus nach Grimma-Süd, um sich bei der Grimmaer Tafel, die sich in Trägerschaft des Awo-Kreisverbandes Mulde-Colm befindet, Lebensmittel abzuholen. „Aufgrund des Flüchtlingsstroms kommen auch Familien aus Krisengebieten zu uns“, erzählt sie. Doch das hielte sich in Grenzen, da die gespendeten Lebensmittel nicht in jedem Falle deren Essgewohnheiten entsprechen.

Für Bedürftige sammelt die Tafel Grimma täglich Waren ein, die zum Teil abgelaufen oder für das tägliche Angebot nicht mehr geeignet sind. „Wir packen derzeit 40 bis 45 Beutel täglich“, sagt Heidrun Henze-Fleihs. Dabei stehen ihr manchmal die Haare zu Berge, da sie nicht weiß, wo sie genügend Lebensmittel herbekommen soll. „Heute wird vieles verkauft, was früher die Tafel bekommen hat“, so Henze-Fleih. So komfortabel wie die Tafeln im Westen funktioniere die Einrichtungen hier nicht. Denn fast alle großen Lebensmittelhersteller sind in den alten Bundesländern ansässig.

Bei der hiesigen Tafelchefin verfinstert sich das Gesicht, wenn sie hört, dass eine Tafel angeblich wie ein Supermarkt funktioniere. In die Beutel könne nur das hinein, was für die Tafel übrig bleibe. So gebe es weniger Gemüse, weil viele Märkte die Ware kurz vor Schließung zu Cent-Preisen verkaufen. „Auch Wurst müssen wir so zuteilen, dass viele etwas bekommen. Fleisch ist schon längst ein Fremdwort“, sagt Henze-Fleihs. Neuerdings würden die Märkte viele vegane Produkte abgeben. Brot und Gemüse würden immer in den Tüten stecken, die zu einem geringen Unkostenbeitrag an Menschen verkauft werden, deren Einkommen unter dem Mindestbehalt liegt. „Das Geld benötigen wir, um anfallenden Betriebskosten wie Miete, Strom, Autos und anderes bezahlen zu können, da wir keine finanzielle Unterstützung von Bund, Land beziehungsweise Landkreis erhalten und das Spendenaufkommen in den letzten Jahren ständig rückläufig ist “, erklärte die Tafel-Chefin.

Seit 1999 leitet Henze-Fleihs die Grimmaer Tafel. Froh ist sie, dass sie seit diesem Jahr eine Sorge weniger hat. „Aus dem Ertrag von Lidl-Pfandspenden konnten wir uns ein neues Kühlaggregat für unsere Kühlzellen kaufen. Ich habe ständig damit gerechnet, dass es ausfällt“, meinte sie. Zehn ehrenamtliche Helfer und ein Bundesfreiwilligendienst-Leistender unterstützen derzeit die Arbeit der Grimmaer Tafel. Im Juli verlässt der Bundesfreiwilligendienst-Leistende die Tafel. „Wir brauchen dringend ehrenamtliche Helfer“, wirbt die 58-Jährige.

„Interessenten bekommen eine kleine Aufwandsentschädigung“, sagt sie. „Weil das Angebot in der Region immer dürftiger wird, fahren wir selbst nach Dresden, um Lebensmittel vom Landesverband Sächsischer Tafeln zu beziehen“, sagt die couragierte Frau. Deshalb werden auch Kraftfahrer gesucht.

Kontaktdaten: Grimmaer Tafel des AWO Kreisverbands Mulde-Collm e.V., Gabelsberger Str. 5, 04668 Grimma, Tel.: 03437-913506, E-Mail: grimmaer-tafel@awo-mulde-collm.de

Von Cornelia Braun

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