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Grimma Tempo 30 für alle vor Altenhainer Kita
Region Grimma Tempo 30 für alle vor Altenhainer Kita
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20:03 05.12.2018
Neue Schilder: Vor der Altenhainer Kita gilt jetzt Tempo 30 für alle. Der städtische Smiley-Kasten (links) zeigt an, wer zu schnell unterwegs ist. Quelle: Frank Schmidt
Trebsen/Altenhain

Der Kampf hat sich aus Sicht der Altenhainer Akteure und ihrer Unterstützer gelohnt. Auf der Kreisstraße vor der Kindertagesstätte „Dorfspatzen“ gilt seit dieser Woche ein Tempolimit für alle Fahrzeuge. Das Landratsamt, das sich lange gegen eine solche Begrenzung ausgesprochen hatte, lenkte ein.

Auf einer Strecke von 300 Metern dürfen von 6 bis 18 Uhr nur noch 30 Kilometer pro Stunde gefahren werden – bisher galt eine Beschränkung nur für Lastwagen. „Jetzt sind wir rundum glücklich“, sagt Kita-Leiterin Susanne Mund. „Unsere Eltern und wir finden es gut, dass wir Gehör gefunden haben.“

Stadtverwaltung steht hinter dem Anliegen

Seit Jahren kocht das Thema. Die Stadtverwaltung nahm das Anliegen der Betreuungseinrichtung immer wieder aufs Neue auf und leitete es an das Landratsamt weiter, 2013 mit dem Erfolg, dass ein rotes Warndreieck aufgestellt wurde.

Das reichte Eltern und Erziehern nicht. Gemeinsam mit den Kindern gingen sie im Herbst vergangenen Jahres erstmals mit ihrer Forderung an die Öffentlichkeit. Ihr Ziel: Tempo 30 soll für alle gelten. Die Stadtverwaltung reagierte zügig und stellte noch im Oktober einen elektronischen Smiley-Kasten auf, der Kraftfahrern mit traurigen oder lächelnden Gesichtern anzeigte, ob sie zu schnell beziehungsweise angemessen unterwegs sind. Das Landratsamt, das für die Straße verantwortlich ist, zögerte, zog dann aber diesen Sommer nach und ließ Piktogramme mit der Warnung vor Kindern auf der Fahrbahn aufmalen.

Zu weiteren Zugeständnissen ließ sich die Kreisbehörde nicht bewegen. Zur Begründung hieß es, dass die existierenden Hinweise höherwertiger als ein genereller Tempo-30-Abschnitt seien. Ein Schilderwald führe an dieser Stelle nicht zu mehr Sicherheit, sondern eher zu weniger.

Politischer Druck von Ute Kniesche

Mit dem Smiley-Apparat ließen sich die Verstöße gegen die Geschwindigkeitsbegrenzung zählen. Ende September und Anfang Oktober fuhren laut dem Trebsener Sachbearbeiter Frank Erfurth im Durchschnitt täglich drei Fahrzeuge mit mehr als 80 Sachen innerorts an der Kita vorbei, am 4. Oktober war dort sogar jemand mit 111 Kilometern pro Stunde unterwegs. Der Protest der Kita ging weiter, auf politischer Seite schloss sich nun auch Kreisrätin Ute Kniesche von der Unabhängigen Wählervereinigung an, die einen Brief an den Landrat schrieb.

Nun also die Wende. Die Verkehrssituation in Altenhain sei beobachtet worden, teilte Landratsamtssprecherin Brigitte Laux mit. „Im Ergebnis wurde die bisherig angeordnete zulässige Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde nur für Lastwagen nach Überprüfung und Auswertung der Verkehrssituation auf alle Fahrzeuge ausgeweitet. Dabei waren Verkehrszeichen zu ergänzen.“

Kommentar: Beharrlichkeit hat sich gelohnt

Von Frank Pfeifer

Na bitte, es geht doch. Endlich erfüllte das Landratsamt der Altenhainer Kindertagesstätte „Dorfspatzen“ den Wunsch, vor ihren Türen eine Geschwindigkeitsbegrenzung einzuführen, an die sich alle Motorisierten halten müssen. Für Eltern, Erzieher und Kinder eine wahrhaft gute Nachricht in der Adventszeit.

Hier und da lässt sich zwar die Frage vernehmen, warum der Kampf so lange dauern und erst massiv in die Öffentlichkeit getragen werden musste, bis die Kreisbehörde einlenkt. Doch das hat seinen guten Grund. Natürlich sollte ein Amt sorgfältig prüfen, welche Forderungen berechtigt sind. Und natürlich muss es auch verhindern, dass links und rechts der Fahrbahnen unüberschaubare Schilderwälder entstehen.

Paragrafen jedoch mit Scheuklappen zu betrachten, bringt das vernünftige Zusammenleben nicht weiter. Keine Regel kann für alle Lebenslagen gelten, stets sollte der gegebene Spielraum ausgelotet werden, der es ermöglicht, verschiedene Positionen auf einen Nenner zu bringen – zumal wenn es um die Sicherheit von Kindern geht. Nur so lässt sich Politik machen, die auf ein Miteinander in der Gesellschaft abzielt. Gesetze sind für den Menschen da und nicht umgekehrt.

Landrat Henry Graichen (CDU) hat diesen Grundsatz vorgelebt. Hoffentlich bewegt sich nun auch in anderen Fällen etwas, in denen Menschen seit Jahren ihre Wünsche ans Landratsamt herantragen und bisher scheiterten. Zumindest wissen Betroffene jetzt, dass sich Beharrlichkeit lohnen kann.

f.pfeifer@lvz.de

Landrat genehmigt Tempo 30 für alle

Maßgeblich zurückzuführen ist der Sinneswandel wohl auf Landrat Henry Graichen (CDU). „Es gab einen Termin bei ihm, und wir als Stadt sollten noch einmal eine Stellungnahme abgeben“, schildert die Trebsener Hauptamtsleiterin, Romy Sperling. „Natürlich stellten wir uns hinter das Anliegen der Altenhainer, woraufhin er uns anrief und mitteilte, dass das Tempo 30 für alle Fahrzeuge kommt.“

Der Landrat sei sehr entgegenkommend gewesen, bestätigt Kita-Leiterin Mund. „Man merkt, dass er selbst Vater ist“, sagt sie. „Für die Kinder bringe die Beschilderung mehr Sicherheit. Außerdem wird ihre Selbstständigkeit gefördert, denn die Eltern können sie jetzt im letzten Jahr vorm Schuleintritt auch mal den Weg alleine gehen lassen. Auch für die Hortkinder, die wir betreuen, ist es an der Bushaltestelle ungefährlicher geworden.“

Stadt bittet um Kontrollen vor Altenhainer Kita

Kniesche begrüßt die Nachricht aus dem Landratsamt ebenso. „Dann hat sich alles gelohnt“, sagt sie und verweist auf Kitas in anderen Orten, vor deren Tür längst auch ein Tempolimit gilt. Für Hauptamtsleiterin Sperling ist nun wichtig, dass die Einhaltung der Vorgaben in Altenhain kontrolliert werden. „Das Landratsamt muss blitzen. Wir als Kleinstadt dürfen das nicht.“

Von Frank Pfeifer

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