Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Threnaer Nachbarschaftsstreit mit der Kettensäge
Region Grimma Threnaer Nachbarschaftsstreit mit der Kettensäge
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:20 14.10.2017
Steffen Böhm an einer der Säuleneiben, die auf seinem Grundstück stehen und deren Stämme in zwei Metern Höhe abgesägt worden sind, während er im Urlaub war. Quelle: Frank Pfeifer
Belgershain/Threna

Schmucke Häuschen, dazwischen viel Grün. Jeder könnte zufrieden sein, in dieser Idylle ein Fleckchen Erde für sich gefunden zu haben. Der Volksmund nennt das Gebiet zwar Schuldenberg, weil die, die dort wohnen, zumeist Kredite abbezahlen müssen. Doch mit den finanziellen Risiken wissen jene in der Regel umzugehen. Ungemach droht ihnen von ungeahnter Seite.

Wir stehen in Threna, der Auslöser des Problems ließe sich aber genauso andernorts finden. In den 1990er-Jahren entstand am Rande des Dorfes ein Neubaugebiet. Wer sein Einfamilienhaus fertig hatte, kümmerte sich um die Außengestaltung. Gepflanzt wurde, was dem Nachbarn die Sicht aufs eigene Grundstück irgendwann verwehren sollte. Doch schleichend wurden die Gewächse größer. Dann war’s vorbei mit dem Frieden am Gartenzaun.

„Gut sind wir bisher mit denen da drüben ausgekommen“, sagt Jürgen Köllner, der 1994 sein Haus bezogen hat. Damals setzte er eine Thuja-Reihe an die Grundstücksgrenze, offenbar juckte das niemanden. Inzwischen aber ragen die immergrünen Lebensbäume vier bis sechs Meter in den Himmel. Und da ist Schluss mit lustig. „Seit drei Monaten liegen wir mit unseren Nachbarn im Clinch“, klagt der 68-Jährige. „Sie meinen, die Thujas würden ihre Licht- und Luftverhältnisse einschränken, und wollen, dass wir sie auf zwei Meter herunterschneiden. Mittlerweile nahmen sie sich einen Anwalt.“ Der Forderung nachzukommen lehnt Köllner ab, der argumentiert: „Die Tanne der Nachbarn steht nur 60 Zentimeter von der Grundstücksgrenze weg und überragt unsere Thujas weit. Außerdem gibt’s dort noch zwei höhere Kirschbäume.“

Die Nachbarn wollen ihren Namen nicht in der Zeitung lesen und auch keine öffentliche Stellungnahme abgeben. Mit ihnen hat aber auch Steffen Böhm ein faustdickes Problem, der östlich von ihnen wohnt. „Ich war mit meiner Frau in Holland im Urlaub. Als wir zurückkamen, waren zwei von unseren drei Säuleneiben auf zwei Meter heruntergeschnitten“, berichtet der 52-Jährige.

Gepflanzt hatte die Bäume der Vorbesitzer des Grundstücks, das Böhm 2009 kaufte, und zwar 75 Zentimeter vom Zaun entfernt. Sechs Meter hoch wurden sie. „Die Nachbarn müssen mit der Säge zu uns herüber gelangt haben“, mutmaßt Böhm, der die Polizei verständigte und Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung stellte.

Geschehen ist das alles im August und September. Weil seitdem nichts passierte, bat Böhm diese Woche die LVZ zu sich. „Ich lasse ein Gutachten von einem Gärtner machen“, kündigt er an. An selber Stelle will er gleichhohe Eiben pflanzen lassen, was seiner Meinung nach mehrere Tausend Euro kostet. Die Summe sollen die Nachbarn bezahlen. Weigern sie sich, will er einen Zivilprozess anstreben.

Wer hat in diesem Fall nun Recht? Und welche Regeln gelten? Beim Gedanken eines der Beteiligten, dazu sei ein Passus im konkreten Bebauungsplan zu finden, winkt der zuständige Naunhofer Bauamtsleiter Thomas Hertel ab. „Dort steht nichts zu den Grenzabständen der Begrünung“, sagt er und rät: „In solchen Fällen sollte immer der Friedensrichter eingeschaltet werden, der zwischen beiden Seiten vermittelt."

Das sächsische Nachbarschaftsgesetz nennt genaue Maße. Bäume, Sträucher und Hecken müssen mindestens 50 Zentimeter vom Zaun entfernt stehen, wenn sie bis zu zwei Meter hoch sind. Für höhere ist ein minimaler Abstand von zwei Metern einzuhalten. Ist dieser nicht gegeben, darf der Nachbar fordern, die Bäume zu stutzen oder zu entfernen. Allerdings können – im beiderseitigen Einvernehmen – Pflanzen auch als Grundstückseinfriedung direkt an die Grenze gesetzt werden.

Wir stehen in Threna, die Fronten sind verhärtet, und Gesetze bieten Spielraum, weil die Bäume offensichtlich lange mit Zustimmung beider Seiten wuchsen. In einem Punkt aber herrscht Klarheit. „Laut Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, Gehölze in der Zeit vom 1. März bis 30. September abzuschneiden“, heißt es aus dem Landratsamt. Es prüft den Fall unabhängig von der Frage, ob es sich beim Absägen um Selbstjustiz handelte.

Von Frank Pfeifer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Kurz vor der potenziellen Grippesaison impfen Mediziner verstärkt gegen die Infektion. Zwei Impfstoffe stehen zur Auswahl. Dabei gehen die Empfehlungen der Sächsischen Impfkommission und der Krankenkassen auseinander. Das sorgt für Irritationen bei Patienten im Landkreis Leipzig. Ärzte raten dennoch dringend zur Impfung.

14.10.2017

Bisher erinnert in Colditz noch nichts an den im Ort geborenen Jürgen Schumann: kein Ehrenbürgertitel, kein Straßenname. Das soll sich ändern. Am Montag enthüllt Bürgermeister Matthias Schmiedel am Markt eine Gedenktafel zu Ehren des vor genau 40 Jahren von Terroristen erschossenen Lufthansa-Piloten.

14.10.2017

Mit der Redaktion ins Gespräch kam jetzt Ralf Sachse. Er wollte seinen Heimatverein in Großbothen vorstellen, der einen neuen Vorstand gewählt hat und nun in die Öffentlichkeit treten will. Die Mitglieder haben viel vor.

14.10.2017