Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Threnaer Nachbarschaftsstreit mit der Kettensäge

Verhärtete Fronten Threnaer Nachbarschaftsstreit mit der Kettensäge

Häuschen, dazwischen viel Grün. Jeder könnte zufrieden sein, in dieser Idylle ein Fleckchen Erde für sich gefunden zu haben. Der Volksmund nennt das Gebiet zwar Schuldenberg, weil die, die dort wohnen, zumeist Kredite abbezahlen müssen. Doch mit den finanziellen Risiken wissen jene in der Regel umzugehen. Ungemach droht ihnen von ungeahnter Seite.

Steffen Böhm an einer der Säuleneiben, die auf seinem Grundstück stehen und deren Stämme in zwei Metern Höhe abgesägt worden sind, während er im Urlaub war.

Quelle: Frank Pfeifer

Belgershain/Threna. Schmucke Häuschen, dazwischen viel Grün. Jeder könnte zufrieden sein, in dieser Idylle ein Fleckchen Erde für sich gefunden zu haben. Der Volksmund nennt das Gebiet zwar Schuldenberg, weil die, die dort wohnen, zumeist Kredite abbezahlen müssen. Doch mit den finanziellen Risiken wissen jene in der Regel umzugehen. Ungemach droht ihnen von ungeahnter Seite.

Wir stehen in Threna, der Auslöser des Problems ließe sich aber genauso andernorts finden. In den 1990er-Jahren entstand am Rande des Dorfes ein Neubaugebiet. Wer sein Einfamilienhaus fertig hatte, kümmerte sich um die Außengestaltung. Gepflanzt wurde, was dem Nachbarn die Sicht aufs eigene Grundstück irgendwann verwehren sollte. Doch schleichend wurden die Gewächse größer. Dann war’s vorbei mit dem Frieden am Gartenzaun.

„Gut sind wir bisher mit denen da drüben ausgekommen“, sagt Jürgen Köllner, der 1994 sein Haus bezogen hat. Damals setzte er eine Thuja-Reihe an die Grundstücksgrenze, offenbar juckte das niemanden. Inzwischen aber ragen die immergrünen Lebensbäume vier bis sechs Meter in den Himmel. Und da ist Schluss mit lustig. „Seit drei Monaten liegen wir mit unseren Nachbarn im Clinch“, klagt der 68-Jährige. „Sie meinen, die Thujas würden ihre Licht- und Luftverhältnisse einschränken, und wollen, dass wir sie auf zwei Meter herunterschneiden. Mittlerweile nahmen sie sich einen Anwalt.“ Der Forderung nachzukommen lehnt Köllner ab, der argumentiert: „Die Tanne der Nachbarn steht nur 60 Zentimeter von der Grundstücksgrenze weg und überragt unsere Thujas weit. Außerdem gibt’s dort noch zwei höhere Kirschbäume.“

Die Nachbarn wollen ihren Namen nicht in der Zeitung lesen und auch keine öffentliche Stellungnahme abgeben. Mit ihnen hat aber auch Steffen Böhm ein faustdickes Problem, der östlich von ihnen wohnt. „Ich war mit meiner Frau in Holland im Urlaub. Als wir zurückkamen, waren zwei von unseren drei Säuleneiben auf zwei Meter heruntergeschnitten“, berichtet der 52-Jährige.

Gepflanzt hatte die Bäume der Vorbesitzer des Grundstücks, das Böhm 2009 kaufte, und zwar 75 Zentimeter vom Zaun entfernt. Sechs Meter hoch wurden sie. „Die Nachbarn müssen mit der Säge zu uns herüber gelangt haben“, mutmaßt Böhm, der die Polizei verständigte und Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung stellte.

Geschehen ist das alles im August und September. Weil seitdem nichts passierte, bat Böhm diese Woche die LVZ zu sich. „Ich lasse ein Gutachten von einem Gärtner machen“, kündigt er an. An selber Stelle will er gleichhohe Eiben pflanzen lassen, was seiner Meinung nach mehrere Tausend Euro kostet. Die Summe sollen die Nachbarn bezahlen. Weigern sie sich, will er einen Zivilprozess anstreben.

Wer hat in diesem Fall nun Recht? Und welche Regeln gelten? Beim Gedanken eines der Beteiligten, dazu sei ein Passus im konkreten Bebauungsplan zu finden, winkt der zuständige Naunhofer Bauamtsleiter Thomas Hertel ab. „Dort steht nichts zu den Grenzabständen der Begrünung“, sagt er und rät: „In solchen Fällen sollte immer der Friedensrichter eingeschaltet werden, der zwischen beiden Seiten vermittelt."

Das sächsische Nachbarschaftsgesetz nennt genaue Maße. Bäume, Sträucher und Hecken müssen mindestens 50 Zentimeter vom Zaun entfernt stehen, wenn sie bis zu zwei Meter hoch sind. Für höhere ist ein minimaler Abstand von zwei Metern einzuhalten. Ist dieser nicht gegeben, darf der Nachbar fordern, die Bäume zu stutzen oder zu entfernen. Allerdings können – im beiderseitigen Einvernehmen – Pflanzen auch als Grundstückseinfriedung direkt an die Grenze gesetzt werden.

Wir stehen in Threna, die Fronten sind verhärtet, und Gesetze bieten Spielraum, weil die Bäume offensichtlich lange mit Zustimmung beider Seiten wuchsen. In einem Punkt aber herrscht Klarheit. „Laut Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, Gehölze in der Zeit vom 1. März bis 30. September abzuschneiden“, heißt es aus dem Landratsamt. Es prüft den Fall unabhängig von der Frage, ob es sich beim Absägen um Selbstjustiz handelte.

Von Frank Pfeifer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Grimma
Azubi- und Studienmesse Grimma: diese Unternehmen sind dabei:

Aussteller aus Industrie, Handwerk, Handel und der Dienstleistungsbranche informierten auf der Azubi- und Studienmesse  in Grimma  über freie Ausbildungsplätze in ihrem Betrieb. mehr

Grimma in Zahlen

Bundesland: Sachsen

Landkreis: Leipzig

Fläche: 218,32 km²

Einwohner: 28.480 Einwohner (31.12.15)

Bevölkerungsdichte: 130 Einwohner je km²

Postleitzahl: 04668

Ortsvorwahlen: 03437,034382, 034384, 034386

Stadtverwaltung: Markt 16/17, 04668 Grimma

Luftbildaufnahme des Zentrums von Grimma.
Ein Spaziergang durch die Region Grimma
  • Sportlerwahl
    Aktionslogo Sportlerwahl Landkreis Leipzig 2017

    Der Kreissportbund Landkreis Leipzig und die Leipziger Volkszeitung suchten die besten Sportler 2017. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2018
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 14. LVZ-Fahrradfest lädt am 29. April 2018 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Alle Infos zum Event finden Sie in unserem Sp... mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • VDE 8 - Alle Infos und Fakten

    Das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8: Hier gibt es Infos, Hintergründe und Fotos zum Thema. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr