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Tiefe Einblicke in frisch sanierte Colditzer Schlosskirche

Tiefe Einblicke in frisch sanierte Colditzer Schlosskirche

Colditz. "Das Vergangene ist nicht tot, es ist noch nicht einmal vergangen." Mit diesem Zitat von William Faulkner brachte gestern der Generalkonsul der USA für Mitteldeutschland, Scott R.

Riedmann, auf den Punkt, für wie wichtig er die Erinnerung an die Befreiung von Schloss und Stadt Colditz vor 70 Jahren weiterhin hält. Zu einer Gedenkveranstaltung waren über 100 geladene Gäste auf der Feste hoch über der Zwickauer Mulde zusammengekommen.

Am 16. April 1945 setzten amerikanische Truppen dem Nazi-Terror in Colditz ein Ende. Sie befreiten damit auch die alliierten Offiziere, die im Oflag IVc auf dem Schloss gefangen gehalten worden waren. Deren Fluchtversuche gelten als spektakulär, die größte Berühmtheit erlangte jener, mit einem selbstgebauten Gleiter vom Dach des Kirchenhauses zu entkommen. Dieses Gebäude ließ der Freistaat für 1,8 Millionen Euro sanieren, gestern wurde es eröffnet.

Der Kirchenraum wurde weitestgehend so wiederhergestellt, wie ihn die Inhaftierten seinerzeit erlebten. "Wegen der zahlreichen Franzosen und Polen wurden hier vor allem katholische Gottesdienste gehalten", erklärte David Ray, Direktor der Colditz Society. "Es war eine Strafmaßnahme, sie zu verbieten."

So zum Beispiel, wenn ein Fluchtversuch aufflog. 300 davon gab es, nur rund ein Zehntel gelang. Begehbare Glasplatten, die nur schwindelfreie Besucher betreten sollten, lassen den Blick tief nach unten auf Tunnel zu, die Häftlinge damals gruben. "Das gibt eine leise Ahnung von dem, was sie geleistet haben", sagte Christian Striefler, Geschäftsführer der Staatlichen Schlössergesellschaft.

Über dem Kirchenschiff ist künftig während Sonderführungen ein Nachbau des Colditz-Gleiters zu sehen. Das Original, mit dem Offiziere fliehen wollten, das aber wegen der näher rückenden Front nie zum Einsatz kam, existiert nicht mehr. Ein Film zeigt per Animation, auf welche Weise sich die Erbauer die Flucht mit dem Flugzeug vorgestellt hatten. In ihm wird auch dokumentiert, wie 2012 englische Enthusiasten einen weiteren Gleiter bauten, den sie ans andere Flussufer fliegen ließen.

Der stellvertretende britische Botschafter, Nick Pickard, bezeichnete die Leistung der Gefangenen als ein Symbol "für den Drang nach Freiheit in einem menschenverachtenden Regime." Er selbst habe als Kind das Brettspiel "Escape from Colditz" ("Flucht aus Colditz") geliebt. Doch die Realität sei kein Spiel gewesen. Der Chef der sächsischen Staatskanzlei, Fritz Jaeckel, erinnerte daran, dass Colditz vor der Inhaftierung der Offiziere ein Konzentrationslager war, in dem Menschen unter weit unwürdigeren Bedingungen leben mussten. Generalkonsul Redmann mahnte, daraus folgernd, zum Respekt gegenüber jedem und allen Kulturen. "Es kann nicht in unserem Sinn sein, fremdenfeindliches und rassistisches Gedankengut zuzulassen", sagte er. Und David Ray von der Colditz Society zog das Fazit: "Demokratie und Freiheit sind wertvolle Institutionen; wir dürfen sie nicht als gegeben annehmen."

Zum Festakt sangen die aus London angereisten "Grove Singers". Musikalisch hatten die Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Befreiung bereits am Mittwochabend begonnen. In der Stadtkirche gaben Nachkommen des Kriegsgefangenen William F. Anderson ein emotional geladenes Konzert von Kammermusik bis Chorsymphonik. Zum Schluss wurde das Vaterunser auf Deutsch und Englisch gebetet.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.04.2015
Pfeifer, Frank

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