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Tierfutter statt Roggenmehl

Tierfutter statt Roggenmehl

"Wir freuen uns, dass in Nerchau ein schönes Fest ansteht, und das wollen wir gern unterstützen", meinte der 51-jährige Bufe. Gegenwärtig ist er dabei, historische Gegenstände für einen Stand auf der Handwerkerstraße zusammenzutragen.

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In seinem Element: Holger Bufe experimentiert gern mit Futtermischungen. Aufgrund der neuen Mühlentechnik ist er in der Lage, Spezialfutter nach Wunsch zu mischen.

Quelle: Andreas Röse

Denn Holger Bufe betreibt in fünfter Generation die Gornewitzer Mühle. Es war im Mai 1881, als sein Vorfahre, Gottfried Bufe, die Gornewitzer Mühle kaufte. Außerdem betrieb er auch Feldwirtschaft und Tierzucht und hatte eine eigene Bäckerei. Seither ist die Mühle im Familienbesitz: Sohn Traugott stieg 1887 ein, 1942 wurde die Mühle auf dessen Nachwuchs Curt überschrieben. Ottomar, der Vater von Holger Bufe, wurde 1960 Mühlenherr, bis schließlich 1990 er selbst folgte.

Die Geschichte der Mühle selbst reicht bis ins Jahr 1551. Vieles hat sich über die Jahrhunderte in der Mühle verändert. 1904 kam die Dampfmaschine. 1924 wurde das Wasserrad durch eine Wasserturbine ersetzt. In der DDR durften Bufes die Mühle behalten, jedoch nur Roggen-, kein Weizenmehl herstellen. Das Verdienst seines Vaters bestand darin, dass er den losen Mehltransport in den 70er Jahren einführte und damit den Müllern und Bäckern die schwere Arbeit erleichterte.

Heute wird in Gornewitz kein Getreide mehr zu Mehl gemahlen. Am Pfingstmontag 2002 wurde die Mühle letztmalig als Mühle zur Mehlherstellung öffentlich präsentiert. Im Juni wurde der Mühlenbetrieb zur Herstellung von Roggenmehlen eingestellt und in den Folgejahren die Mühle modernisiert. Seitdem nimmt der diplomierte Ingenieur der Getreide be- und verarbeitenden Industrie auch nicht mehr am Mühlentag teil. Fortan hat sich Holger Bufe auf die Produktion von Heimtierfutter spezialisiert. Es werden Vogelfutter, Taubenfutter, Geflügelkörnerfuttermischungen und Nagermüsli hergestellt. Hier kann auf sehr individuelle Wünsche eingegangen werden. Im Laufe der Zeit sind so über 200 verschiedene Heimtierfuttersorten entstanden und werden im gesamten ost- und westdeutschem Raum vertrieben. Die jetzt insgesamt 16 Mitarbeiter stellen Futter für Kaninchen, Tauben, Vögel, Geflügel und Pferde sowie sogar für die Affen im Leipziger Zoo her. "Das Rezept ist streng geheim", lacht der Müller. An einer weiteren Futternische arbeitet er gegenwärtig. Dabei handelt es sich um Futter für die Maranhühner aus Frankreich. "Sie sind sehr anspruchsvoll und nicht leicht zu halten", sagte Bufe. Auch ist er dabei, ein Sommervogelfutter zu entwickeln. "Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass Vögel nur im Winter bestimmtes Futter benötigen", sagt er. Außerdem gibt es zwei Landmärkte, unter anderem mit Mühlen- und Naturprodukten, Haus-, Hof-, Garten- und Tierbedarf und Naturkost.

Einen Esel wie noch in manchem Märchen gibt es in der Mühle nicht. Auch die Störche, die viele Jahre die einstige 25 Meter hohe Esse bevölkerten, sind Geschichte. Dennoch hat sich der Müller ein Herz für Tiere bewahrt: So gibt es gleich sechs Katzen sowie zur Eigenversorgung Schafe, Gänse und Hühner. Seit 125 Jahren übernehmen die Bufe-Söhne traditionell die Mühle. Bei Holger Bufe sind es nun zwei Töchter. Ob die jetzt 11- und 14-jährigen Kinder das Lebenswerk von mehreren Generationen fortsetzen, bleibt zu hoffen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.04.2014
Cornelia Braun

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