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Grimma Grimma: Plakataktion am Gymnasium – Sozialarbeiter erhebt Vorwürfe
Region Grimma Grimma: Plakataktion am Gymnasium – Sozialarbeiter erhebt Vorwürfe
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17:07 26.10.2018
Am Baugerüst am Grimmaer Gymnasium war am Montag ein Plakat entdeckt worden. Die Aufschrift „Linken Lehrern in die Suppe spucken – Identitäre Bewegung jetzt auch an dieser Schule“ zieht Ermittlungen des Staatsschutzes nach sich. Quelle: Röse
Grimma

Schwere Vorwürfe brachte Sozialarbeiter Tobias Burdukat vor, als er in der Bürgerfragestunde der Stadtratssitzung Donnerstagabend von Stadt und Gymnasium eine Positionierung zu den Vorfällen Anfang der Woche verlangte. Wie berichtet, war am Montag am Baugerüst des Grimmaer Gymnasiums „St. Augustin“ ein Plakat entdeckt worden. Die Aufschrift: „Linken Lehrern in die Suppe spucken – Identitäre Bewegung jetzt auch an dieser Schule“. Außerdem wurden im Umfeld 200 Flyer mit ähnlichem Inhalt festgestellt. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen. Burdukat hatte den Vorfall auf seinem Twitter-Account am Montag öffentlich gemacht. Durch den Post war auch die LVZ auf das Ereignis aufmerksam geworden. Vor dem Stadtrat sagte der Sozialarbeiter vom Dorf der Jugend, dass nicht nur Flyer, sondern auch Sticker verteilt worden seien.

Medienwirksame Aktion

Die rechtsextreme, vom Verfassungsschutz beobachtete Organisation habe das Plakat „sehr medienwirksam und sehr sichtbar“ angebracht, sagte Burdukat und spricht von einer Inszenierung. Die Aktionen der Identitären Bewegung (IB) zielten darauf, „dass Zeitungen und Zeitschriften darauf anspringen“. Die IB sei aus dem österreichischen Alpen-Donau-Netzwerk hervorgegangen. Das sei verboten worden, wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung seien viele Leute inhaftiert worden, erklärte Burdukat. Die Bewegung wolle den „sogenannten Umvolkungs- und Bevölkerungsaustausch“ verhindern.

Burdukat: Wie positioniert sich Grimma dazu?

„Wie positioniert sich die Stadt Grimma dazu, dass so etwas an ihrem Gymnasium passiert?“, fragte Burdukat. Die Bewegung habe feindliche Absichten und widerspreche vom Grundsatz her der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Burdukat hinterfragt auch die Aussagen von Schulleiter Wolf-Dieter Goecke, der sich auf LVZ-Anfrage schützend vor seine Schüler gestellt hatte. Dass der Schulleiter eine Beteiligung von Schülern an der Aktion negiere, entbehre jeder Grundlage, behauptete Burdukat. „Man braucht nur mal die sozialen Netzwerke checken, welche Schüler und Schülerinnen des Gymnasiums in welcher Dimension und in welcher Menge identitären Gesichtern folgen und wie viele deren Youtube-Kanäle abonnieren“, sagte er. Er habe dokumentierte Fälle, wo Schülerinnen und Schüler „ganz klar gemobbt und diskriminiert werden, weil sie sich gegen menschenfeindliche Einstellungen positionieren“. Das Mobbing werde ihm gegenüber seit über einem Jahr kommuniziert.

Er wolle wissen, wie die in Verantwortung der Stadt liegende Schule mit dieser Tatsache zukünftig umgeht und was sie unternimmt, damit über die Ziele und Inhalte der Identitären Bewegung aufgeklärt wird. Er wolle auch wissen, wie die Schulsozialarbeit des Gymnasiums sich dazu positioniert, denn sie habe, „so wurde es mir kommuniziert“, die Sorgen der Schülerinnen, die von den Mobbingfällen sprachen, nicht ernst genommen. Dem Titel „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ werde die Schule nicht gerecht.

Berger: Anstoß für eine Auseinandersetzung

Antworten erhielt Burdukat an dem Abend nicht. „Ich weiß nicht, ob jetzt jemand in der Lage ist, hierauf zu antworten“, sagte Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos). Er nannte Burdukats Ausführungen einen Anstoß, „sich damit auseinanderzusetzen“.

Donner: Extremismus hat keinen Platz an der Schule

Stadtrat Christian Donner (Bürger für Grimma) betonte, dass Extremismus, weder links noch rechts, am Gymnasium „St. Augustin“ und jedweder anderer Schule keinen Platz habe. Burdukats Ausführungen bezeichnet er aber als „starker Tobak“. „Das sind Behauptungen, die man sich sehr gut überlegen muss.“ Er wisse nicht, wer das Plakat angebracht hat. Wenn es eindeutige Hinweise und Beweise gebe, dass vielleicht Schüler verstrickt seien, dann sei das mit der Polizei zu besprechen. Und dass die Schulsozialarbeit gegen jedwede links- und rechtsextremen Gruppierungen vorgehen beziehungsweise intervenieren müsse, stehe außer Frage. Er finde es schade, so Donner weiter, dass aus der Aktion in der Presse so viel Wirbel gemacht werde.

Kerstin Köditz (Linke) wollte wissen, warum das Baugerüst selbst für Menschen mit Rollator begehbar und nicht gesichert ist und sprang Burdukat bei. „Wir reden nicht über irgendeinen Extremismus, sondern die Identitäre Bewegung wird vom Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet und ist als rechtsextremistisch eingestuft.“

Von Frank Prenzel

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