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Tödlicher Schuss bei der Jagd in Höfgen: Ermittler schließen Fremdverschulden aus

Staatsanwaltschaft Tödlicher Schuss bei der Jagd in Höfgen: Ermittler schließen Fremdverschulden aus

Der Tod des langjährigen Schiffsmühlenwirts Steffen Sörnitz (67) gehe auf einen Jagdunfall zurück, bestätigte Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz auf LVZ-Anfrage. „Nach übereinstimmender Auffassung der hinzugezogenen Rechtsmediziner und Kriminaltechniker ist davon auszugehen, dass sich der Jäger die tödliche Verletzung selbst zugefügt hatte, als er mit dem Gewehr auf den Kopf des Tieres schlug und sich ein Schuss löste.“

Der tödliche Schuss aus der Waffe des Jägers löste sich versehentlich (Symbolbild).

Quelle: dpa

Grimma/Colditz. Der Tod des langjährigen Höfgener Schiffsmühlenwirts Steffen Sörnitz (67) löste im Familien- und Freundeskreis, aber auch weit über Grimmas Stadtgrenzen hinaus, große Bestürzung aus. Wie berichtet, kam der erfahrene Jäger in jener Nacht des 15. Mai von der Pirsch nicht nach Hause. Thomas Sörnitz (46) fand seinen Vater am nächsten Morgen leblos neben dem erlegten Wild. Er ging immer wieder davon aus, dass sein Vater, sonst ein guter Schütze, den starken Rehbock nicht tödlich traf, dieser nur benommen war. „Daraufhin hat mein Vater wohl versucht, ihm mit der Flinte den Gnadenstoß zu verpassen. Dabei muss sich versehentlich der Schuss gelöst und ihn selbst in der Bauchgegend getroffen haben.“

Diesen Hergang bestätigt nun auch die Staatsanwaltschaft Leipzig offiziell. Der Tod des bekannten Gastronoms gehe auf einen Jagdunfall zurück, bestätigte Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz am Dienstag auf LVZ-Anfrage und verwies auf das Ergebnis der monatelangen Ermittlungen seiner Behörde. „Nach übereinstimmender Auffassung der hinzugezogenen Rechtsmediziner und Kriminaltechniker ist davon auszugehen, dass sich der Jäger die tödliche Verletzung selbst zugefügt hatte, als er mit dem Gewehr auf den Kopf des Tieres schlug und sich ein Schuss löste.“ Laut Schulz sei das Todesermittlungsverfahren inzwischen eingestellt worden. Es hätten sich keine Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden ergeben, hieß es.

Steffen Sörnitz (67) und seine Frau Silvia

Steffen Sörnitz (67) und seine Frau Silvia.

Quelle: Privat

Die Staatsanwaltschaft ging von Anfang an von einem Unfall aus. Um jedoch ganz sicher zu sein, wurde eine Obduktion angeordnet. Lange Zeit lag nur ein vorläufiges Ergebnis vor, da, so Staatsanwältin Jana Friedrich gegenüber der LVZ, eine abschließende Beurteilung erst nach Auswertung der angewiesenen chemisch-toxikologischen Zusatzanalysen und der daraus zu gewinnenden Erkenntnisse möglich sei. Parallel dazu wurde eine kriminaltechnische Untersuchung der Waffe und des sicher gestellten Projektils in Auftrag gegeben. Durch einen Sachverständigen war zu klären, ob das Projektil aus der aufgefundenen Waffe stammt und wie es zum Schuss kam. Sämtliche Ergebnisse liegen nun vor.

Die Familie hoffte immer wieder auf ein möglichst baldiges Ende der Ermittlungen, um einen Schlussstrich unter den tragischen Tod ihres Angehörigen ziehen zu können. Der Betrieb im bekannten Ausflugslokal mit Restaurant und Hotel lief auch unmittelbar nach Bekanntwerden des Unglücks weiter. Die Anteilnahme war riesig. Rund 400 Menschen erwiesen dem beliebten Wirt auf dem Friedhof die letzte Ehre. Nach der Trauerfeier wurde seine Urne im Höfgener Familiengrab beigesetzt.

Noch Monate nach dem Unfall diskutieren Jäger der Region weiter über die Folgen. Karl Miersch (87), zuletzt Forstamtsleiter in Colditz, war ab 1954 jahrzehntelang für die Ausbildung der Jäger im damaligen Kreis Grimma zuständig. Unzählige Jagden hatte er geleitet. Er bedauert den in seinen Augen vermeidbaren Tod des Höfgener Wirtes außerordentlich. „Wenn er statt einen Fangschuss abzugeben tatsächlich mit dem Schaft des Gewehres auf das Tier eingeschlagen haben sollte, war das ein schwerer Fehler.“ Eine Jagdflinte sei nicht zu vergleichen mit einem militärischen Gewehr, das in aller Regel als Schuss-, Hieb- und Stichwaffe genutzt werde. „Bei starker Erschütterung kann sich jederzeit ein Schuss lösen. Etwaige Sicherungen sind eben nie einhundertprozentig“, sagt Miersch. In seiner Ausbildung habe er das immer wieder gepredigt. Leider sei das Unglück von Höfgen kein Einzelfall: „Bei einer Jagd im Colditzer Forst gerieten mal zwei Hunde aneinander. Um seinen Vierbeiner vor den Bissen des anderen zu schützen, schlug ein Jäger mit dem Gewehr auf den angreifenden Hund ein. Dabei löste sich ein Schuss, der den Mann im Bauch traf.“

Von Haig Latchinian

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