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Tourismus an der Mulde: Bürokratie bremst Akteure aus

Überland-Gespräch Tourismus an der Mulde: Bürokratie bremst Akteure aus

Mit welchen Herausforderungen touristische Dienstleister im Sächsischen Burgenland zu kämpfen haben, wurde beim Überland-Gespräch mit Landrat Henry Graichen (CDU) in Grimma thematisiert.

Die Muldenschifffahrt zwischen Grimma und Höfgen ist ein Touristenmagnet. Auflagen machen den Betreibern allerdings das Leben schwer.

Quelle: Volkmar Heinz

Landkreis Leipzig/Grimma. Welche Chancen sehen regionale Akteure, weitere touristische Potenziale im Landkreis zu heben? Um diese Frage ging es beim „Überland-Gespräch“, zu dem Landrat Henry Graichen (CDU) am Donnerstagabend in die Rote Schule in Grimma eingeladen hatte. „Nachdem wir im Oktober vorigen Jahres im Freizeitpark Belantis Herausforderungen im Leipziger Neusseenland diskutiert haben, soll es heute vorrangig um das Sächsische Burgenland gehen.“ Die Region mit Grimma als Zentrum kann, wie die gesamte Tourismusdestination mit Leipzig als Zugpferd, auf steigende Übernachtungszahlen verweisen. Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) verkündete stolz, dass Grimma im Vorjahr über 50 000 Übernachtungen zählen konnte, Torgau brachte es auf 31 800, Döbeln auf 20 000 Übernachtungen.

Die Ausgangslage lässt also durchaus hoffen. Reizvolle Natur, geschichtsträchtige Städte, kulturelle Anziehungspunkte – mit all diesen Vorzügen kann der Landstrich punkten. Touristische Dienstleister stellten dennoch vielfältige Probleme dar, mit denen sie täglich zu kämpfen haben. Fred Urban, erfolgreicher Hotelier aus Nimbschen und Luther-Darsteller, verwies zum Beispiel auf die Schwierigkeit, den Gaststätten-Betrieb personell abzusichern. „Wir müssen aufpassen, dass es in naher Zukunft überhaupt noch Lokale gibt, die Touristen bewirten. Rettungssanitär zum Beispiel dürfen in Deutschland zwölf Stunden arbeiten, in der Gastronomie muss nach zehn Stunden Schluss sein.“ Zahlreiche Betriebe hätten darauf schon mit verkürzten Öffnungszeiten reagiert, so Urban.

Bangen um Muldenschifffahrt

Die Muldeschiffe erfreuen sich großer Beliebtheit

Die Muldeschiffe erfreuen sich großer Beliebtheit.

Quelle: LVZ

Um ein weiteres Aushängeschild, die Muldenschifffahrt, wird in Grimma ebenfalls gebangt. Seit einer Kontrolle der Wasserschutzpolizei sehen sich die Betreiber mit verschärften Auflagen konfrontiert. „So müssen wir bei jeder Fahrt einen zweiten Bootsführer an Bord haben – für den Fall, dass es Probleme gibt“, schilderte Chefin Nicole Vogt. „Dadurch lässt sich das Unternehmen aber nicht mehr wirtschaftlich betreiben.“ Preise, wie sie im Leipziger Neuseenland üblich sind, ließen sich auf der Mulde nicht erzielen, ist die Kapitänin überzeugt. Sechs Euro kostet die Tour zwischen Grimmaer Hängebrücke und dem Ausflugsort Höfgen derzeit – hin und zurück. Seit 1923 fahren Ausflugsschiffe auf der Mulde. „Aber noch nie hat man so getan, als wäre hier die Weiße Flotte unterwegs“, ergänzte Urban. Die Auflagen seien unverhältnismäßig. Als Kompromiss sei im Gespräch, ein Sicherheitsseil über den Fluss zu spannen, von welchem das Schiff im Notfall aufgefangen werden könnte. Kostenpunkt: 20 000 Euro. „Das Geld haben wir aber nicht“, resignierte Nicole Vogt. Kritik ging auch an die Adresse von Sachsens SPD-Wirtschaftsminister Martin Dulig, der im Vorjahr öffentlichkeitswirksam eine Homepage für den Mulderadweg in Grimma freischaltete. „Auf unsere Petition haben wir bis heute nicht mal eine Antwort erhalten“, erklärte Nicole Vogt.

Werbung für Ostwald-Park in der Warteschleife

Landrat Graichen versprach, hier noch einmal nachzuhaken. Auch Matthias Berger versicherte den Schiffern seine Unterstützung – nicht ohne ein weiteres Beispiel bürokratischer Hemmnisse zu liefern. „Seit Jahren bemühen wir uns, den Kreisverkehr nahe der Grimmaer Autobahnabfahrt als Werbeportal für den Wilhelm-Ostwald-Park in Großbothen zu nutzen. Wenn ich sehe, was auf Kreisverkehren in Österreich möglich ist, könnte ich jedes Mal ins Lenkrad beißen.“ Der Kampf mit den sächsischen Behörden ziehe sich nun schon ewig hin, berichtete Berger. „Man hat mitunter den Eindruck, es geht nicht um einen Aufsteller, sondern um die Genehmigung für ein Atomkraftwerk.“

Ansturm auf Ausbildung als Geo-Ranger

Neben den Hürden wurden aber auch viele hoffnungsvolle Ansätze geschildert. So kann sich der Geopark Porphyrland vor Bewerbern für die Ausbildung von Geo-Rangern kaum retten, berichtete Managerin Kerstin Fiedler. Für Schloss Colditz konnte Cornelia Hippe-Kasten steigende Besucherzahlen deutscher Touristen vermelden. Im Jahr des Reformationsjubiläums steht die Region zudem dank Originalschauplätzen im Mittelpunkt des Interesses. Bereits ausverkauft ist zum Beispiel die Katharina-von-Bora-Oper am 20. Mai in Kloster Nimbschen. „Ich hätte nie gedacht“, räumte Fred Urban ein, „dass sich die Tickets so gut verkaufen.“ Die Aufführung des Werkes mit der Sächsischen Bläserphilharmonie gilt auch bei den Verantwortlichen der Leipziger Tourismus und Marketing GmbH als hoffnungsvolles Beispiel, was gezieltes Marketing bewirken kann.

Von Simone Prenzel

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