Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Trauriger Anblick: Den Nerchauern fehlt der sprudelnde Parkbrunnen
Region Grimma Trauriger Anblick: Den Nerchauern fehlt der sprudelnde Parkbrunnen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 05.06.2017
Auch die Nerchauer Kinder vermissen das Sprudeln des Brunnens im Park am ehemaligen Bahnhof. Quelle: Frank Prenzel
Anzeige
Grimma/Nerchau

Der runde Brunnen im kleinen Park am ehemaligen Bahnhof in Nerchau bietet einen traurigen Anblick. Eine mit Laub und Zweigen vermischte trübe Brühe schwimmt am Boden. Unkraut wuchert überall am äußeren Rand empor. Seit vier Jahren ist der Brunnen versiegt, sind die Pumpe und die Düse für die Wasserfontäne wohl irgendwo eingelagert. Doch die Nerchauer wünschen sich, dass ihr Parkbrunnen wieder sprudelt – und seine Gestalt behält. Bisherige Vorstöße bei der Stadtverwaltung in Grimma brachten aber nicht den gewünschten Erfolg, vielmehr verloddert der Brunnen zusehends. Nun signalisieren die Anwohner sogar, Spenden zu sammeln und bei einem Arbeitseinsatz mit anzupacken, damit die Fontäne wieder in die Höhe schießt. „Die Stadt wird aber mit ins Boot müssen“, sagt Ortsvorsteher Thomas Glaser (SPD), der sich bereit erklärt, die Initiative zu koordinieren.

Eine kleine Messingtafel am massiven Brunnen verrät, dass er 1907 erbaut und 100 Jahre später mit Hilfe von Nerchauer Bürgern und Unternehmern erneuert wurde. Denn Ende der 1980er-Jahre war er mal stillgelegt, mit Erde verfüllt und bepflanzt worden, weiß Elke Weniger zu berichten. Die Chefin des Heimatvereins Nerchau, die für die SPD im Ortschaftsrat sitzt, erinnert sich, dass der Springbrunnen nach der Erneuerung von Frühmorgens bis in die Abendstunden hinein lief. Bis 2013. Dann schlug bei der Saugpumpe, die im Wasser stand und im Winter jedes Mal raus musste, die Defekthexe zu. Jetzt kritisiert Weniger den „schäbigen Blick“ an einem der Eingangstore Nerchaus. „Wir wollen eine ordentliche Sanierung und auch, dass das Park-Ambiente wieder in Ordnung kommt“, bekräftigt sie.

Schon bei der Amtsübernahme 2014 habe er dem Tiefbauamt klar gemacht, dass die Nerchauer ihren Brunnen gern wieder hätten, berichtet Glaser. Die Antwort: Das Bauwerk sei undicht, die Pumpe kaputt, die Stadt habe für die Reparatur keine finanziellen Mittel. Auch danach brachten sich die Nerchauer mit ihrem Anliegen immer mal wieder in Erinnerung. Denn der Brunnen fehlt ihnen. „Wir haben es genossen, beim Aufwachen sein Plätschern zu hören, erzählt Katrin Schmidtgen, deren vierköpfige Familie vom Balkon aus auf den einstigen Wasserspender schaut. „Er passt ins Ambiente, früher waren sogar Fische drin.“ Und er liege am Mulderadweg. „Es ist schade, dass der Brunnen vor sich hingammelt“, meint auch Robert Wahrig, der in Sichtweite wohnt und sich für die Initiative der Nerchauer einsetzen will. Paul Weidel moniert zudem, dass Jugendliche ihre Bierflaschen hinein schmeißen. „Wenn er wieder schick aussieht, passiert so was nicht.“

Offenbar hat die Stadtverwaltung den Brunnen aber nicht abgeschrieben. Eine erste Kostenschätzung zur Restaurierung sei recht hoch gewesen, so Stadtsprecherin Marlen Sandmann auf LVZ-Anfrage. Deshalb sei überlegt worden, den Brunnen grundsätzlich zu erneuern. Denn er sei zudem „schräg eingebaut, wodurch auch die Verteilung des Wassers ungleich ist“. Nun müsse erst einmal geklärt werden, wie der Denkmalschutz zu dem Brunnen steht und ob er bei Änderungen Einwände habe. „Das ist in Arbeit und entscheidend für die weiteren Planungen“, so Sandmann. In jedem Fall müssten Becken und Abdichtung erneuert werden. Denn durch Risse und Schäden sei der Brunnen nicht mehr dicht. Die Stadt stehe zur Sanierung, derzeit seien aber Umfang und Kosten offen.

Einen Neubau indes wollen die Nerchauer gar nicht, wie Ortsvorsteher Glaser bekräftigt. Der Brunnen soll bleiben, wie er ist. Vielleicht wird er ja eines Tages wieder zum Fotomotiv für Hochzeitspaare. Daran erinnert sich Glaser gern.

Von Frank Prenzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Sachsen galt lange als Schlusslicht, was den Kampf gegen Homophobie anbelangt. Mit einem Aktionsplan hat die Landesregierung darauf reagiert. Auch im Landkreis Leipzig wird damit eine Beratung zu schwulen, lesbischen, bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Lebensweisen möglich.

05.06.2017

Wilhelm Ostwald hätte seine wahre Freude gehabt beim Anblick der vielen Mädchen und Jungen, die sich am gestrigen Kindertag zum „Experimentieren im Park“ eingefunden hatten. So nannte sich ein kostenfreies Projekt der Gerda- und Klaus-Tschira-Stiftung für Vor- und Grundschulkinder im gleichnamigen Park von Großbothen.

04.06.2017

Zum fünften Mal öffnen sich über Pfingsten in Trebsen die Schlosstore für ein mittelalterliches Spektakel. An drei Tagen führen edle Ritter im Hohen Gestech ihre Schwerter und Lanzen, messen verwegene Haudegen mit haarscharfen Kämpfen ihre Kräfte in wilden Heerlagern. Kurzum: Trebsen versinkt im tiefen Mittelalter.

04.06.2017
Anzeige