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Trauriger Anblick: Den Nerchauern fehlt der sprudelnde Parkbrunnen

Sanierungsbedarf Trauriger Anblick: Den Nerchauern fehlt der sprudelnde Parkbrunnen

Der runde Brunnen im kleinen Park am ehemaligen Bahnhof in Nerchau bietet einen traurigen Anblick. Seit vier Jahren ist er versiegt und loddert vor sich hin. Doch die Nerchauer wünschen sich, dass ihr Parkbrunnen wieder sprudelt – und seine Gestalt behält. Bisherige Vorstöße bei der Stadtverwaltung in Grimma brachten aber nicht den gewünschten Erfolg.

Die Nerchauer wünschen sich, dass ihr Brunnen im Park saniert wird und wieder sprudelt.

Quelle: Frank Prenzel

Grimma/Nerchau. Der runde Brunnen im kleinen Park am ehemaligen Bahnhof in Nerchau bietet einen traurigen Anblick. Eine mit Laub und Zweigen vermischte trübe Brühe schwimmt am Boden. Unkraut wuchert überall am äußeren Rand empor. Seit vier Jahren ist der Brunnen versiegt, sind die Pumpe und die Düse für die Wasserfontäne wohl irgendwo eingelagert. Doch die Nerchauer wünschen sich, dass ihr Parkbrunnen wieder sprudelt – und seine Gestalt behält. Bisherige Vorstöße bei der Stadtverwaltung in Grimma brachten aber nicht den gewünschten Erfolg, vielmehr verloddert der Brunnen zusehends. Nun signalisieren die Anwohner sogar, Spenden zu sammeln und bei einem Arbeitseinsatz mit anzupacken, damit die Fontäne wieder in die Höhe schießt. „Die Stadt wird aber mit ins Boot müssen“, sagt Ortsvorsteher Thomas Glaser (SPD), der sich bereit erklärt, die Initiative zu koordinieren.

Eine kleine Messingtafel am massiven Brunnen verrät, dass er 1907 erbaut und 100 Jahre später mit Hilfe von Nerchauer Bürgern und Unternehmern erneuert wurde. Denn Ende der 1980er-Jahre war er mal stillgelegt, mit Erde verfüllt und bepflanzt worden, weiß Elke Weniger zu berichten. Die Chefin des Heimatvereins Nerchau, die für die SPD im Ortschaftsrat sitzt, erinnert sich, dass der Springbrunnen nach der Erneuerung von Frühmorgens bis in die Abendstunden hinein lief. Bis 2013. Dann schlug bei der Saugpumpe, die im Wasser stand und im Winter jedes Mal raus musste, die Defekthexe zu. Jetzt kritisiert Weniger den „schäbigen Blick“ an einem der Eingangstore Nerchaus. „Wir wollen eine ordentliche Sanierung und auch, dass das Park-Ambiente wieder in Ordnung kommt“, bekräftigt sie.

Schon bei der Amtsübernahme 2014 habe er dem Tiefbauamt klar gemacht, dass die Nerchauer ihren Brunnen gern wieder hätten, berichtet Glaser. Die Antwort: Das Bauwerk sei undicht, die Pumpe kaputt, die Stadt habe für die Reparatur keine finanziellen Mittel. Auch danach brachten sich die Nerchauer mit ihrem Anliegen immer mal wieder in Erinnerung. Denn der Brunnen fehlt ihnen. „Wir haben es genossen, beim Aufwachen sein Plätschern zu hören, erzählt Katrin Schmidtgen, deren vierköpfige Familie vom Balkon aus auf den einstigen Wasserspender schaut. „Er passt ins Ambiente, früher waren sogar Fische drin.“ Und er liege am Mulderadweg. „Es ist schade, dass der Brunnen vor sich hingammelt“, meint auch Robert Wahrig, der in Sichtweite wohnt und sich für die Initiative der Nerchauer einsetzen will. Paul Weidel moniert zudem, dass Jugendliche ihre Bierflaschen hinein schmeißen. „Wenn er wieder schick aussieht, passiert so was nicht.“

Offenbar hat die Stadtverwaltung den Brunnen aber nicht abgeschrieben. Eine erste Kostenschätzung zur Restaurierung sei recht hoch gewesen, so Stadtsprecherin Marlen Sandmann auf LVZ-Anfrage. Deshalb sei überlegt worden, den Brunnen grundsätzlich zu erneuern. Denn er sei zudem „schräg eingebaut, wodurch auch die Verteilung des Wassers ungleich ist“. Nun müsse erst einmal geklärt werden, wie der Denkmalschutz zu dem Brunnen steht und ob er bei Änderungen Einwände habe. „Das ist in Arbeit und entscheidend für die weiteren Planungen“, so Sandmann. In jedem Fall müssten Becken und Abdichtung erneuert werden. Denn durch Risse und Schäden sei der Brunnen nicht mehr dicht. Die Stadt stehe zur Sanierung, derzeit seien aber Umfang und Kosten offen.

Einen Neubau indes wollen die Nerchauer gar nicht, wie Ortsvorsteher Glaser bekräftigt. Der Brunnen soll bleiben, wie er ist. Vielleicht wird er ja eines Tages wieder zum Fotomotiv für Hochzeitspaare. Daran erinnert sich Glaser gern.

 

Von Frank Prenzel

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