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Trebsen: Hilfe auf Augenhöhe

Trebsen: Hilfe auf Augenhöhe

Trebsen. Es gab viele Gründe für Constanze Motzka, sich auf das Abenteuer Afrika einzulassen. Die Physiotherapeutin, die seit nunmehr zwei Jahren Hilfe in den Armenvierteln der kenianischen Hauptstadt Nairobi leistet, hat den Schritt nicht bereut.

Momentan macht sie Urlaub bei ihren Eltern in Trebsen. Für heute Abend hatten die 32-Jährige und ihre Kollegin Irene Owino, die mit auf die Stippvisite kam, eine Powerpoint-Präsentation im Kirchgemeindehaus geplant, um von ihrer Tätigkeit zu berichten. Es kam aber kurzfristig etwas dazwischen, so dass sie die Veranstaltung gestern auf Sonntag und nach Grimma verlegen mussten.

Das umfangreiche Aufgabengebiet hatte Constanze Motzka gereizt, diese Mischung aus Therapeut und Lehrer, die sie auf dem schwarzen Kontinent erwarten sollte. Sie wollte sich damals sowieso verändern, denn das Reha-Zentrum in Baden-Württemberg, in dem sie leitende Physiotherapeutin war, kam ihr zu administrativ vor. Auch mit dem Gedanken, ins Ausland zu gehen, hatte sie schon lange geliebäugelt. Die Katholikin fand das Angebot der Schweizer Bethlehem Mission Immensee, die zur Allianz Comundo gehört - und war begeistert. "Die Philosophie, mit Menschen anderer Länder auf Augenhöhe zu arbeiten, sich auf ihre Kulturen einzulassen und mit ihnen dort zu leben, entsprach meinen Ansichten", sagt sie. "Sie stand im Unterschied zu den Gepflogenheiten von manchen anderen Hilfsorganisationen, bei denen man ein eigenes Haus und ein großes Auto bekommt und viel Geld verdient."

Angestellt sind die Trebsenerin und ihre Kollegin bei der Nichtregierungsorganisation Special Education Professional, die in einem Kinderkrankenhaus im wohlhabenderen Nordwesten der Stadt ein Büro angemietet hat. Dorthin kommen die beiden aber nur selten. Ihr Einsatzgebiet liegt in den ärmeren Gebieten der Stadt, unter anderem im größten Slum Afrikas, Kibera. Projektpartner stellen ihnen dort Räume in Kirchen, Schulen oder anderen öffentlichen Einrichtungen zur Verfügung, in denen sie behinderte Kinder behandeln - Constanze Motzka physiotherapeutisch und Irene Owino als Ergotherapeutin. Sie bieten Konsultationen und Workshops für betroffene Familien an, bilden aber auch einheimische Berufskollegen weiter.

Über dieses Angebot war die Kenianerin, die im Westteil des Landes aufgewachsen war und dann ihre Ausbildung in Nairobi absolvierte, zum Team gestoßen, dem außerdem noch über 40 ehrenamtliche Kräfte angehören. "Mein Ziel ist es, behinderten Kindern so weit zu helfen, dass sie einen maximalen Stand an Unabhängigkeit erreichen", sagt die 29-Jährige in fließendem Englisch.

In dieser Sprache kommuniziert die Hilfsmannschaft für gewöhnlich untereinander. Doch Constanze Motzka hat sich auch einen gehörigen Sprachschatz in Swahili angeeignet. Sie weiß: "In sozial schwachen Gebieten ist die Bildung nicht so hoch, viele Menschen verstehen kein Englisch." Mit ihnen ließe sich nur in der Landessprache kommunizieren.

Der Wortschatz kommt ihr auch ansonsten zu Gute. Sie lebt in einer Zwei-Zimmer-Mietwohnung mit Balkon etwas außerhalb des Stadtzentrums, muss sich selbst versorgen und dementsprechend bei den Einkäufen handeln. Sie fährt nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln, hat also Kontakt zu den Einheimischen, sobald sie das Haus verlässt.

"Der Alltag ist relaxter, aber auch anstrengender als in Deutschland", sagt sie. Er sei nicht so strukturiert, ohne Termindruck. Andererseits gebe es viel Lärm und Dreck, die Busse seien voll. "Gehe ich auf die Straße, falle ich sofort als Weiße auf. Wertgegenstände kann ich nicht offen tragen. Und mit Einbruch der Dunkelheit sehe ich zu, daheim zu sein." Das alles schrecke sie aber nicht ab, denn auch in Leipzig gebe es Viertel, in die sie nachts nicht gehen würde. Und so fliegt sie bald mit Irene Owino zurück in ihre neue Heimat am Äquator.

Infoveranstaltung am Sonntag, ab 10.30 Uhr, in der St.-Trinitatis-Kirche Grimma

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.08.2014
Pfeifer, Frank

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