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Trebsen kämpft gegen Hochwasser

Trebsen kämpft gegen Hochwasser

Nach Grimma und Bennewitz galt Trebsen bei der Flut 2002 als die am drittstärksten betroffene Kommune im Muldental. Und auch diesmal erwischt es die Stadt schwer.

Trebsen. Neichens Wehrleiter Christian Pfaff versorgt die in ihren vollgelaufenen Häusern eingeschlossenen Bewohner per Schlauchboot mit Lebensmitteln: "Können Sie sich vorstellen, was das bedeutet - im Obergeschoss sitzen und warten. Kein Licht, kein Fernseher, keine Zeitung?! Dazu die Verzweiflung, nach 2002 noch einmal beim Punkt Null anfangen zu müssen!"

Gestern früh gegen 5 Uhr: Der Damm im Trebsener Schlosspark bricht. Feuerwehrmann Sven Sedlaczek alarmiert sofort das Rathaus, das rund um die Uhr besetzt ist. Bürgermeisterin Heidemarie Kolbe, die die Nacht im Amt verbracht hat, steigt umgehend ins Feuerwehrauto, um mit den Kameradinnen Stefanie Kestin und Nadine Zimmermann sämtliche Anwohner persönlich zu benachrichtigen: Gabriele Buschmann und Frank Löffler in Walzig sowie Dieter Lessig in der Thomas-Müntzer-Gasse und Simona Tscharntke im Reiterhof. "Mit vereinten Kräften hatten wir hier bereits 21 Pferde, zwei Lamas und zwölf Schafe in Sicherheit gebracht", sagt die Bürgermeisterin und dankt den vielen Helfern. Rathaus-Kollegin Romy Sperling, "Mutter" der Trebsener Feuerwehr, kann das nur bestätigen: "Als Katastrophenalarm ausgelöst wurde, fuhr ich mit dem Trebsener Ortswehrleiter Stefan Kroschky durch die Stadt und forderte die Bürger über Lautsprecher auf, sich als Freiwillige im Rathaus zu melden. Wir hatten unsere Runde noch nicht beendet, da standen schon die Ersten auf der Matte. Inzwischen wurden 10 000 Sandsäcke gefüllt!"

Während Gerhard Rosenberger machtlos vor seinem abgesoffenen Haus am Blankgarten steht, trifft sich der Trebsener Krisenstab im Zimmer der Bürgermeisterin: Gemeindewehrleiter Christian Pfaff nennt betroffene Adressen in Neichen, jenem Ort, der es neben der Mulde auch noch mit dem Mutzschener Wasser zu tun hat: An der Schmiede, Friedrich-Engels-Straße, Mühlgasse, Richard-Hennig-Straße. Und er nennt betroffene Familien: Wenzel, Spalteholz, Sachse, Haldi, Haase, Friedrich, Eiding, Thomas, Arnold, Albrecht. Sie alle mussten bereits evakuiert und bei Bekannten im Ort einquartiert werden. "Ich war in Neichen von Tür zu Tür gegangen. Alle, wirklich alle haben beim Ausräumen geholfen. Großes Kompliment", so Pfaff. Er findet aber auch kritische Worte: "Unsere Feuerwehrleute stehen immer wieder vor der Frage: Darfst du helfen oder musst du auf Arbeit? Deshalb mein Appell an die Verwaltung: Klärt das mit den Arbeitgebern! Ich möchte nicht, dass hier auch nur einer meiner Leute seinen Job verliert." Seelingstädts Wehrleiter Bernd Möbius und Altenhains Feuerwehrchef Sven Sedlaczek würdigen die allgemeine Hilfsbereitschaft in ihren eigenen Dörfern, sichern jedoch den ungleich härter getroffenen Trebsenern und Neichenern ihre uneingeschränkte Solidarität zu.

Derweil unterstützen die Trebsener auch Rettungsaktionen in Nachbarorten: "In der Kulturstätte beherbergen wir 40 Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks, die in Bennewitz im Einsatz sind. Wir organisierten kurzfristig Liegen und Decken", sagt Bedienstete Ute Jänicke. Manfred Stöckel, Elektromeister und Hans Dampf in allen Gassen, mit einem ersten Lichtblick: "Inzwischen liegt fast überall in Trebsen wieder Strom an. Nur den Neichenern können wir vorerst noch nicht helfen. Erst wenn das Wasser weg ist und wir die Hausanschlusskästen geprüft haben, kann zugeschaltet werden."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.06.2013

Latchinian, Haig

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