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Grimma Trebsen lehnt Lärmschutzwall in Altenhain ab – Landratsamt kontert
Region Grimma Trebsen lehnt Lärmschutzwall in Altenhain ab – Landratsamt kontert
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00:22 17.04.2018
Die Bahnverladestation des Schotter- und Splittwerks Altenhain, die immer noch nicht in Betrieb gegangen ist. Zwischen ihr und der Wohnbebauung will das Unternehmen einen Lärmschutzwall errichten. Quelle: Foto: Frank Pfeifer
Trebsen

Auf eine Kraftprobe lässt es Trebsen gegenwärtig mit dem Landratsamt ankommen. Die Stadt will verhindern, dass die Schotter- und Splittwerk Altenhain GmbH (Susa) einen Lärmschutzwall an ihrer Bahnverladestation baut. Die Kreisbehörde hingegen sieht keine Einwände gegen das Vorhaben. Auf einen Konsens scheint derweil ein anderes Vorhaben des Betriebes hinauszulaufen.

177 Meter lang und vier Meter hoch soll der Wall werden, mit dem die Susa die Umgebung vor dem Lärm schützen möchte, der bei der vorgesehenen Bahnverladung des Schüttguts entsteht. „Die Altenhainer wollen nicht so einen Koloss vor der Nase stehen haben“, schimpfte Ortsvorsteherin Katrin Kamm zur jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses.

Mit diesem Argument hatte der Ausschuss den Bauantrag schon im November vergangenen Jahres abgelehnt. Das Landratsamt wischte den Beschluss aber beiseite und teilte der Stadt mit, wenn sie nicht zustimme, erteile eben stattdessen die übergeordnete Kreisbehörde das gemeindliche Einvernehmen. Denn seitens der Fachämter würden keine Bedenken vorliegen.

Trebsen, das zu dieser Entscheidung Stellung nehmen sollte, bleibt aber hart. Laut Baugesetzbuch könnten Vorhaben abgelehnt werden, wenn sie das Orts- und Landschaftsbild verunstalten, begründeten die Ausschussmitglieder. „Es muss zunächst untersucht werden, ob es Alternativen zum Wall gibt, die weniger Platz wegnehmen“, forderte Kamm.

Nun liegt der Ball wieder beim Landratsamt, das die von Trebsen eingereichte Stellungnahme laut Sprecherin Brigitte Laux prüfen wird. Deshalb ruhe momentan das Verfahren, mit dem die Kreisbehörde das gemeindliche Einvernehmen zum Wallbau erteilen will.

Die Bahnverladestation aus Richtung der Susa-Betriebseinfahrt. Von der Ortsbebauung ist sie nicht weit entfernt. Quelle: Frank Pfeifer

Lärmschutzmaßnahmen machen sich erforderlich, weil bei einer 2015 erfolgten Probeverladung an der neu errichteten Station Grenzwerte an zwei Stellen um jeweils ein Dezibel überschritten worden sind – weshalb sie immer noch stillliegt. Nach dem Dafürhalten von Ortsvorsteherin Kamm ging der Test außerdem nicht unter realen Bedingungen über die Bühne. „Die Lok befand sich am anderen Ende des Zuges, als künftig zu erwarten. Hängt sie in Richtung Ort, wird es dort lauter“, zählte sie auf. „Verladen wurde nur eine Korngröße von fünf bis acht Millimetern, Splitt kann aber bis zu 32 Millimeter groß sein, auch das wäre lauter.“ Außerdem sei nur das Geräusch der Verladung gemessen worden. Im Regelbetrieb kämen weitere Lärmquellen hinzu, die beim Abbau des Quarzporphyrs, der Verarbeitung und dem Abtransport durch Lastwagen entstehen.

„Dass die Messung falsch war, hat unser Ortschaftsrat herausgefunden. Daraufhin teilte das Oberbergamt Freiberg mit, die Werte dürften nicht verwertet werden“, mahnte Kamm. Sie forderte eine neue Messung unter realen Bedingungen, ehe über Lärmschutz und ein weiteres Susa-Anliegen gesprochen wird.

Der Bergbaubetrieb will gerne 20 Meter tiefer und etwas weiter an den Ort heran graben, als bisher genehmigt, um Andesit zu fördern, auf das er dort gestoßen ist. 2016 hatte der Stadtrat schon mal zugestimmt, jetzt kam der Antrag nochmals in den Technischen Ausschuss. Der Grund: Die Fläche, die zusätzlich in Anspruch genommen wird, verkleinert sich, weil das Schotterwerk nicht in Besitz aller Grundstücke ist, die es für die Expansion vorgesehen hatte. Statt 2,5 Hektar sollen es nun nur 1,6 Hektar mehr werden.

Etliche Abgeordnete stellten sich hinter diesen Wunsch und stärkten Bauamtsleiterin Marika Haupt den Rücken, die ebenfalls dafür kämpfte und sich dabei erbitterte Wortgefechte mit Katrin Kamm lieferte. „Lieber hier eine Ausweitung genehmigen, als eine neue Grube aufzumachen“, brachte Birgit Bendix-Bade (Gemeinsame Zukunft) die Position der Befürworter auf den Punkt. Laut Haupt haben die Fachbehörden alle Fragen beantwortet, die Trebsen noch vor zwei Jahren gestellt hatte.

Schließlich kam der Ausschuss überein, dem Stadtrat zu empfehlen, einer Erweiterung des Bergbaubetriebs zuzustimmen. Dem Landratsamt solle aber der Hinweis gegeben werden, dass das Oberbergamt mit den Werten von der Probeverladung Probleme sieht, die als Grundlage für eine positive Bewertung herangezogen werden.

Der stellvertretende Susa-Geschäftsführer Manfred Maucher begrüßt, was sich diesbezüglich abzeichnet. „Es ist richtig, ein Vorkommen komplett auszuschöpfen, bevor ein neuer Steinbruch aufgemacht wird“, sagte er. Weniger erfreut ihn die Haltung der Stadt zum von ihm geplanten Wall. „Er würde natürlicher aussehen als eine künstlich errichtete Lärmschutzwand“, gab er zu bedenken. „Ich wollte nur was Gutes tun.“

Von Frank Pfeifer

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