Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Trebsen schreibt Weltgeschichte
Region Grimma Trebsen schreibt Weltgeschichte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:00 28.02.2011
Anzeige

. Denn die erste Begegnung zwischen Sowjets und Amerikanern habe es nicht – wie oft behauptet – in Torgau, sondern am Lindhof-Gut vor Leckwitz gegeben: „Leutnant Albert Kotzebue startete seine Patrouillefahrt an jenem 24. April von Trebsen aus."

Der gelernte Maschinenanlagenmonteur Patzsch ist ein Tausendsassa. In den vergangenen sechs Jahren musste er der Arbeit hinterher fahren, war lange im Ausland unterwegs. Ob Frankreich, Holland, Belgien oder Norwegen – überall verband er das weniger Angenehme mit dem Nützlichen: „Ich bin eine Art Krämer, immer auf der Suche nach uralten Ersatzteilen. Wenn ich an einem Container vorbei komme, wittere ich Kanister oder Kochgeschirr der US-Army – eben all das, was Leute achtlos wegwerfen. Ich habe da einen Riecher." Derzeit arbeitet der 53-Jährige einen Lkw Chevrolet auf: „Das ist ein Anderthalb-Tonner. Angefangen hatte ich mit Rahmen, Achse, Tank und Motor. Das war alles. Die Leute zeigten mir den Vogel. Inzwischen aber bin ich mit meinen Freunden schon ziemlich weit. Bremsen und Zündung sind noch das Problem." Bis zum 29. Mai will Patzsch fertig sein. Beim mit Spannung erwarteten Trebsener Festumzug soll es ein eigenes Bild zum Einmarsch der Alliierten geben. Dann wollen die Historiker neben dem Laster auch zwei Original-Jeeps der Marke Willys und Ford GPW präsentieren. „Natürlich in zünftigen GI-Uniformen mit Helm und Kaugummis. Wenn die in Leipzig die Völkerschlacht nachstellen, tun die das ja auch nicht in Jeans", lacht Patzsch.

Der Tüftler stöbert aber nicht nur im Schrott, sondern auch in der Literatur. Mit Interesse las er das Buch „Grenzfluss Mulde". Darin beschreibt Adolf Böhm die Vorstöße der Amerikaner zur Elbe. Laut Böhm gelangten drei Aufklärungstrupps über unseren Raum an die Elbe. Leider sei aber nur jene Patrouillefahrt des Leutnants William Robertson in die Geschichtsbücher eingegangen. Dieser überquerte die Mulde bei Wurzen auf einer Pontonbrücke und reichte sich in Torgau mit dem Weißrussen Alexander Silwaschko die Hände. Die beiden anderen Patrouillefahrten, darunter die von Leutnant Kotzebue, seien weitgehend unbekannt. Patzsch: „Kotzebue überquerte am 24. April die Fabrikbrücke Trebsen. Er wollte den Raum Kühren und Luppa erkunden. In Kühren übernachtete er und fuhr am nächsten Morgen eigenmächtig über Meltewitz nach Dahlen und dann weiter über Lampertswalde nach Osten. Am Lindhof-Gut vor Leckwitz traf seine Gruppe um 11.30 Uhr auf den Kavalleristen Aitkalia Alibekow zu Pferde. Das war der erste Kontakt zwischen amerikanischen und sowjetischen Soldaten auf deutschem Boden." Patzsch imponiert diese Geschichte: „Vor allem exisitiert die nach der Flut 2002 aus der Mulde gezogene Trebsener Fabrikbrücke, auf der Kotzebue damals startete, immer noch. Sie soll bei unserem Festumzug eine wichtige Rolle spielen", verrät der Trebsener. Patzsch besitzt das Alte Testament eines US-Soldaten, das dieser in Trebsen zurückließ, sowie Briefe von Veteranen der 69. Infanteriedivision, die auch im Ort untergebracht war. Mit dem unvergessenen Trebsener Heimatfreund Herbert Konrad führte Frank Patzsch vor Jahren ein Interview, das er auf Kassette festhielt. „Als die Amerikaner am 16. April 1945 aus Richtung Seelingstädt vorrückten, fiel in Trebsen kein Schuss." Augenzeuge Konrad weiter: „In einer Wedniger Feldscheune war Branntwein gelagert. Dreiviertel Liter gab es für zwei Mark und 40 Pfennige. Einen Teil hatten sich die Amerikaner einverleibt. Da können Sie sich ja vorstellen, wie die in den ersten Tagen durch Trebsen fuhren."

Haig Latchinian

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Grimma. Beinahe hätte der Sachsenmarkt in Grimma sein zwanzigstes Jahr nicht mehr erlebt. Denn das Landratsamt, das den Markt bisher gemeinsam mit der Stadtverwaltung Grimma organisierte, hat sich offiziell davon zurückgezogen.

26.02.2011

Naunhof. Der Gartenverein „Am Dreiflügelweg" könnte sich aus gegebenem Anlass auch „Schwanensee" nennen. Denn Schwäne gehören seit Jahresbeginn tatsächlich zu den Stammgästen der Vereinsanlage, die am Ortsausgang von Naunhof in Richtung Großsteinberg liegt.

25.02.2011

Bad Lausick. Nach mehr als zwei Jahrzehnten nimmt der Autohersteller VW Abschied von Bad Lausick: Das Autohaus Bad Lausick mit seiner markanten Glasfassade an der Turnerstraße (B 176) schließt Mitte März.

24.02.2011
Anzeige