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Trebsen startet in Festwoche

Trebsen startet in Festwoche

Trebsen. Viel Wasser floss im Laufe der Zeit die Mulde hinunter. Und immer ließ Trebsen die Kirche im Dorf. Bis jetzt, als Pfarrerin Yvette Schwarze von einem Hund aufgeschreckt wurde – mitten in ihrem Gotteshaus.

. Es war der polizeiliche Spürhund, der auf möglichen Sprengstoff abgerichtet war. Klar, wann bekommt die Stadt schon mal Staatsbesuch. Gestern Abend war es dann so weit: Zur Eröffnung der 850-Jahrfeier begrüßten die Trebsener mit donnerndem Applaus ihren Landesherrn Stanislaw Tillich.

 

Nach der Begrüßung durch Bürgermeisterin Heidemarie Kolbe sprach Tillich von etlichen Generationen, die dieses schöne Fleckchen an der Muldenfurt besiedelten und immer fortentwickelten. Tradition und Innovation seien auch künftig gute Wegbereiter: „Ich wünsche Ihnen, liebe Trebsener, viel Glück in den nächsten Jahren und Jahrzehnten – und diesem kleinen Jungen kann ich sogar noch glückliche 100 Jahre wünschen", scherzte Tillich, der auf den blonden Pfarrerssohn Melchior in einer der vorderen Reihen anspielte. Auch dessen Vater, Heiko Jadatz, wurde vom Ministerpräsidenten direkt angesprochen: „Ich danke Ihnen für die Festschrift, damit setzen Sie und Ihre Mitstreiter dem Ort ein würdiges Denkmal."

Erstmals nach 60 Jahren wieder begrüßten sich in Trebsen die alten Schulfreunde und späteren erfolgreichen Konzertmusiker Gottfried Leistner und Josef Schwab. Zur Feier des Tages spielten sie „Air" von Johann Sebastian Bach. Josef Schwab war einer der Ungarn-Deutschen, die nach dem Krieg in Trebsen heimisch wurden. Sein Vater, der unvergessene Blasius Schwab, gründete damals schon nach wenigen Wochen eine Ungarn-Kapelle und Gottfried Leistner war anfangs der einzige Ur-Trebsener, der mitwirkte, da die Ungarn zwar durchweg Blasinstrumente beherrschten, doch keiner wie er Klavier spielte.

Rosi Wächter, die Vorsitzende des Festkomitees, verkleidet als Maskottchen Trebizinchen, trug ein selbstverfasstes Gedicht vor: „Nun ruft es hinaus und gebt es kund, ab heute geht es in Trebsen rund!" Ekkehard Schmidt, der Leiter des Männerchores Köhra und der Gesangsgruppe Grimma, fügte dem Trebsener Heimatlied von Paul Stirn noch eine siebte Strophe hinzu: „Unsre Sackfabrik stellt tolle Säcke her, und ein Stützpunkt hilft auch nachts der Feuerwehr." Marita Pesenecker, Leiterin des Kreismuseums, brachte eine echte Rarität mit: die älteste, ihr bekannte Flurkarte Trebsens aus dem Jahre 1759, handgemalt mit Tusche. Ja, ja, das kleine Trebsen hat 1945 sogar ein Kapitel Weltgeschichte geschrieben. Denn die erste Begegnung zwischen Sowjets und Amerikanern hat es nicht in Torgau, sondern am Lindhof-Gut vor Leckwitz gegeben. Leutnant Albert Kotzebue startete seine Patrouillefahrt an jenem 24. April von Trebsen aus. Ein Stück vom originalen Brückensegment wird beim Festumzug am 29. Mai zu bewundern sein, kündigte Cheforganisator Detlef Hörig an.

„Ihr feiert eine ganze Woche lang – so kennen wir Euch, liebe Trebsener", holte Landrat Gerhard Gey unter Hinweis auf die Faschingstradition aus. „44 Unternehmen zahlen in Trebsen Steuern, das ist ein hervorragender Wert. Die Stadt verfügt über einen sehr guten Haushalt, investiert ständig in Schulen, Kita und Infrastruktur." Um Trebsen sei es ihm nicht bange. Mit Blick auf das Fusionsgerangel fügte er hinzu: „Ich denke, Trebsen wird sich behaupten."

Der Auftakt der Festwoche verlief friedlich und ganz ohne Detonation. Und doch lassen es die Trebsener krachen. Spätestens am 28. Mai. Dann wird am Schlosspark ein Feuerwerk sogar mit Musik abgebrannt.

Haig Latchinian

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