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Grimma Trebsen will Single bleiben
Region Grimma Trebsen will Single bleiben
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00:32 07.05.2018
Klein aber fein: das Zentrum von Trebsen. Die Stadt will so lange wie möglich eigenständig bleiben, weshalb sie auf den Status Selbstversorger pocht. Quelle: Frank Schmidt
Trebsen

Je t’aime – wer mit wem? Während Brandis, Naunhof und deren umliegende Dörfer berieten, welche Kommunen miteinander ein Techtelmechtel beginnen sollten, will Trebsen unbedingt Single bleiben. Dem Wahrsager ließen die Stadtoberen jetzt unmissverständlich wissen, dass er eine eventuelle Verkupplung gar nicht erst aus seiner Kristallkugel herauszulesen braucht.

Regionalplan stimmt nicht alle froh

Als Wahrsager fungiert in diesem Falle der Regionale Planungsverband Leipzig-Westsachsen. Er hat ein Horoskop erstellt, mit dem er aufzeigen will, wohin in den nächsten zehn Jahren die Reise rund um die Messestadt gehen soll. Brandis und Naunhof hat er beispielsweise geraten, ihren Bund zu lösen und stattdessen jeweils enger mit angrenzenden Landgemeinden zu kooperieren, was allerdings nicht alle freudig stimmt. Ob es sich schon um Vorstufen für spätere Eheschließungen handelt? Soweit reicht die Vorausschau nicht.

Bei Standesämtern oder Scheidungsgerichten spielt Trebsen jedenfalls vorerst keine Rolle. Dennoch findet auch diese Kleinstadt im Entwurf des Regionalplans für das kommende Jahrzehnt eine Erwähnung. Als „verdichteter Raum im ländlichen Raum“ wird sie bezeichnet. Nun ja, es mag schönere Komplimente geben, aber die Ratsdamen und -herren können damit leben.

Stadt will Selbstversorger bleiben

Was sie aufregt, ist, dass die Regionalplaner ihrer Stadt nicht mehr den Status als Selbstversorger zugestehen wollen, den sie bislang innehatte. So nicht!, befanden sie. Der Titel muss erhalten bleiben! In guten wie auch während der Haushaltskonsolidierung in schlechten Zeiten hat sich Trebsen durchgekämpft, um das zu bewahren, was es zu bieten hat: eine Grund- und eine Oberschule, zwei Supermärkte und weitere Geschäfte, drei Kindertagesstätten, zwei Pflegeheime, zwei allgemeine und zwei Zahnarzt-Praxen, zwei Physiotherapien sowie zahlreiche Handwerks- und Gewerbebetriebe.

Dies alles als eventuelle Mitgift zu bezeichnen, wäre weit verfehlt. „Wir wollen so lange wie möglich eigenständig bleiben“, stellt Bauamtsleiterin Marika Haupt klar. Und genau deshalb pocht der Stadtrat beim Planungsverband auf den Titel Selbstversorger, der jedem potenziellen Freier zu verstehen gibt: Lass die Finger von diesem Fräulein!

Problem: Flächen für Überflutungen

Auch wenn die Holde nach außen selbstbewusst wirkt, zwickt sie innerlich das eine oder andere Wehwehchen. Zum Beispiel in ihren Feuchtgebieten entlang der Mulde. Dort sollen nach dem Wunsch der Regionalplaner mehr Flächen für Überflutungen geschaffen werden. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen? „Wir stehen vor einem Problem“, gesteht Bauamtsleiterin Haupt.

Große Teile von Trebsen sind für die Entstehung und den Abfluss von Frisch- und Kaltluft zuständig. Sie müssen von Bebauung weitgehend verschont bleiben, was der ungehinderten Entfaltung der Stadt entgegensteht. Bei jedem Bauantrag werden die Stadträte abwägen müssen.

Und dann wäre da noch das Problem mit dem Anbaggern, bei dem speziell die Bewohner von Altenhain keinen Spaß verstehen. Nicht nur den Klengelsberg, sondern später auch das Alte Tausend sehen die Planer als gesetzt für den Quarzporphyr-Abbau. Sie versprechen aber, dass der künftige Steinbruch erst öffnet, wenn der jetzige geschlossen ist. Altenhains Blumenkinder werden – wie immer – genau hinschauen.

Von Frank Pfeifer

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