Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Trebsener Fischtreppe offiziell eröffnet
Region Grimma Trebsener Fischtreppe offiziell eröffnet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:35 22.07.2015
Letzter Test: Roland Krause von einem gewässerökologischen Büro aus Woltersdorf überprüft die Fließgeschwindigkeit zwischen den Steinblöcken. Fotos (2): Thomas Kube Quelle: Thomas Kube
Anzeige
Trebsen

Die Papierfabrik Julius Schulte hat die Aufstiegshilfe für reichlich eine Million Euro errichten lassen.

Das Anfang der 1890er-Jahre errichtete Wehr war altersbedingt stark reparaturbedürftig gewesen, Abbrüche durch das jüngste Hochwasser von 2013 hatten ihr Übriges zum Sanierungsbedarf getan. Deshalb, so Werkleiter Maik Nürnberger, ließ es sein Unternehmen in Stand setzen. Dabei wurde ein Teil auf der gegenüberliegenden Muldeseite abgeschnitten. Dort befindet sich jetzt die Fischtreppe, 110 Meter lang und sechs Meter breit. Über 16 Stufen und 15 Becken ermöglicht sie den Fischen, stromaufwärts - abhängig vom Pegel des Flusses - einen Höhenunterschied von 1,40 bis 1,80 Metern zu überwinden.

"Die Investition stellte uns als mittelständisches Unternehmen vor ein großes Problem. Das Geld hätten wir lieber in unseren Kernprozess gesteckt, die Erweiterung der Produktion sowie das Sichern und Schaffen von Arbeitsplätzen", gibt Nürnberger zu. Er fügt jedoch an: "Da wir am Wehr als notwendige technische Einrichtung festhalten, müssen wir auch unserer Umweltverantwortung und den Forderungen der Wasserrahmenrichtlinie gerecht werden." Diese sieht vor, Hindernisse an Flüssen für Wanderfische überwindbar zu machen.

Ohne Wasser wäre die Betreibung der Papierfabrik nicht denkbar, weshalb der Gründer der Fabrik, Anton Wiede, seinerzeit das Wehr als erstes bauen ließ. Es garantiert, dass immer ein Mindestpegel an der Entnahmestelle gegeben ist. Direkt neben der Fischtreppe wurde das Wehr jetzt abgesenkt, was eine größere Strömung erzeugt, die sogenannte Lockströmung. "Die Fische sind genetisch darauf geeicht, immer gegen den größten Widerstand anzuschwimmen, so dass sie zur Aufstiegsanlage hingezogen werden", erläutert Volker George, Sachbearbeiter in der oberen Fischereibehörde im sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.

34 Arten von Wanderfischen sind nach seinen Worten in der Mulde gezählt worden, darunter Lachs, Aal und Barbe. "Bis Ende des 19. Jahrhunderts war die Mulde einer der besten Lachsflüsse in Deutschland", erläutert er. Durch Verschmutzung und Bebauung sei die Art ausgestorben. Jetzt solle sie mit einem Programm wieder angesiedelt werden. In den Flüssen Chemnitz und Würschnitz seien Lachse eingesetzt worden, die nachweislich über die Mulde und Elbe zur Nordsee gelangten, von wo aus sie in der Regel bis Grönland schwimmen. Nur Rückkehrer, so George, wurden bislang keine registriert.

Das wäre auch ein Wunder, denn in Sachsen-Anhalt fehlt an der Mulde noch eine Treppe. Die Fische kommen stromaufwärts nur bis Dessau. Dort sind schon mehrere Projekte, eine Aufstiegshilfe zu errichten, gescheitert. "Wir sind aber auf einem guten Weg", erklärt Burkhard Henning, Leiter des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft in Magdeburg. "Die Ausschreibungen erfolgen jetzt. Wir rechnen im Oktober mit dem Baubeginn des 5,5 Millionen Euro teuren Vorhabens."

Für Trebsen geht mit der Fischtreppe ein längerer Traum in Erfüllung. Schon in der vergangenen Periode des europäischen Förderprogramms Leader war gehofft worden, eine solche Anlage bauen zu können. "Nun sind wir glücklich, dass sie am einzigen Wehr unserer Stadt Wirklichkeit geworden worden ist", sagt Bauamtsleiterin Marika Haupt. Die Freude dämpft Volker George von der Fischereibehörde allerdings etwas, indem er ankündigt: "Auf längere Sicht wird auch auf der anderen Seite des Wehrs eine Aufstiegshilfe gebaut werden müssen, denn nicht alle Fische werden den Weg zur jetzigen Treppe finden." Vordringlich sei es aber zunächst, die Fischtreppen an den anderen Wehren, unter anderem in Wurzen, auf den heutigen Stand der Technik zu bringen.

Immerhin kann nun in Trebsen damit begonnen werden, die Ein- und Ausstiegsstellen für Bootsfahrer anzulegen, denn während des Baus der Treppe war das nicht möglich. Marika Haupt will keine Zeit verlieren. "Das geht jetzt los mit den Ausschreibungen", versichert sie. Zur jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses wurde vor einer Woche festgelegt, wie die Zugänge zur Mulde aussehen sollen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.07.2015
Frank Pfeifer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Elektro Beckhoff expandiert. Nach einem Jahr Bauzeit erfolgte der Einzug in eine neue, 288 Quadratmeter große Produktionshalle in den Gerichtswiesen in Grimma. "Wir erwarben 2007 die Fläche gegenüber unseres Niederlassungssitzes, da wir schon damals aus allen Nähten platzten", so der Niederlassungsleiter Thomas Schulke (48).

20.07.2015

Das Festival der Reformation in Grimma im August wirft seine Schatten voraus. Am Sonnabend ab 11 Uhr gibt es eine neue Ausstellung in der Rathausgalerie. Dem Förderkreis für Kunst und Kultur Grimma ist es gelungen, Lithografien zum Thema des Panoramabildes in Bad Frankenhausen nach Grimma zu holen.

19.07.2015

Ja, ist denn die Feuerwehr in Grimma noch zu retten? Mit einer Schlauchboottour und einem abschließenden Grillabend verabschieden sich die Kameraden in die Sommerpause.

18.07.2015
Anzeige