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Trebsener Fischtreppe offiziell eröffnet

Trebsener Fischtreppe offiziell eröffnet

Von jetzt an geht's bergauf in Trebsen - zumindest für alle, denen von Natur aus Flossen gegeben sind. Dieser Tage nahmen die zuständigen Behörden die neue Fischtreppe am Wehr offiziell ab, es handelt sich um das größte Bauwerk seiner Art an der vereinigten Mulde auf sächsischem Territorium.

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Letzter Test: Roland Krause von einem gewässerökologischen Büro aus Woltersdorf überprüft die Fließgeschwindigkeit zwischen den Steinblöcken. Fotos (2): Thomas Kube

Quelle: Thomas Kube

Trebsen. Die Papierfabrik Julius Schulte hat die Aufstiegshilfe für reichlich eine Million Euro errichten lassen.

Das Anfang der 1890er-Jahre errichtete Wehr war altersbedingt stark reparaturbedürftig gewesen, Abbrüche durch das jüngste Hochwasser von 2013 hatten ihr Übriges zum Sanierungsbedarf getan. Deshalb, so Werkleiter Maik Nürnberger, ließ es sein Unternehmen in Stand setzen. Dabei wurde ein Teil auf der gegenüberliegenden Muldeseite abgeschnitten. Dort befindet sich jetzt die Fischtreppe, 110 Meter lang und sechs Meter breit. Über 16 Stufen und 15 Becken ermöglicht sie den Fischen, stromaufwärts - abhängig vom Pegel des Flusses - einen Höhenunterschied von 1,40 bis 1,80 Metern zu überwinden.

"Die Investition stellte uns als mittelständisches Unternehmen vor ein großes Problem. Das Geld hätten wir lieber in unseren Kernprozess gesteckt, die Erweiterung der Produktion sowie das Sichern und Schaffen von Arbeitsplätzen", gibt Nürnberger zu. Er fügt jedoch an: "Da wir am Wehr als notwendige technische Einrichtung festhalten, müssen wir auch unserer Umweltverantwortung und den Forderungen der Wasserrahmenrichtlinie gerecht werden." Diese sieht vor, Hindernisse an Flüssen für Wanderfische überwindbar zu machen.

Ohne Wasser wäre die Betreibung der Papierfabrik nicht denkbar, weshalb der Gründer der Fabrik, Anton Wiede, seinerzeit das Wehr als erstes bauen ließ. Es garantiert, dass immer ein Mindestpegel an der Entnahmestelle gegeben ist. Direkt neben der Fischtreppe wurde das Wehr jetzt abgesenkt, was eine größere Strömung erzeugt, die sogenannte Lockströmung. "Die Fische sind genetisch darauf geeicht, immer gegen den größten Widerstand anzuschwimmen, so dass sie zur Aufstiegsanlage hingezogen werden", erläutert Volker George, Sachbearbeiter in der oberen Fischereibehörde im sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.

34 Arten von Wanderfischen sind nach seinen Worten in der Mulde gezählt worden, darunter Lachs, Aal und Barbe. "Bis Ende des 19. Jahrhunderts war die Mulde einer der besten Lachsflüsse in Deutschland", erläutert er. Durch Verschmutzung und Bebauung sei die Art ausgestorben. Jetzt solle sie mit einem Programm wieder angesiedelt werden. In den Flüssen Chemnitz und Würschnitz seien Lachse eingesetzt worden, die nachweislich über die Mulde und Elbe zur Nordsee gelangten, von wo aus sie in der Regel bis Grönland schwimmen. Nur Rückkehrer, so George, wurden bislang keine registriert.

Das wäre auch ein Wunder, denn in Sachsen-Anhalt fehlt an der Mulde noch eine Treppe. Die Fische kommen stromaufwärts nur bis Dessau. Dort sind schon mehrere Projekte, eine Aufstiegshilfe zu errichten, gescheitert. "Wir sind aber auf einem guten Weg", erklärt Burkhard Henning, Leiter des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft in Magdeburg. "Die Ausschreibungen erfolgen jetzt. Wir rechnen im Oktober mit dem Baubeginn des 5,5 Millionen Euro teuren Vorhabens."

Für Trebsen geht mit der Fischtreppe ein längerer Traum in Erfüllung. Schon in der vergangenen Periode des europäischen Förderprogramms Leader war gehofft worden, eine solche Anlage bauen zu können. "Nun sind wir glücklich, dass sie am einzigen Wehr unserer Stadt Wirklichkeit geworden worden ist", sagt Bauamtsleiterin Marika Haupt. Die Freude dämpft Volker George von der Fischereibehörde allerdings etwas, indem er ankündigt: "Auf längere Sicht wird auch auf der anderen Seite des Wehrs eine Aufstiegshilfe gebaut werden müssen, denn nicht alle Fische werden den Weg zur jetzigen Treppe finden." Vordringlich sei es aber zunächst, die Fischtreppen an den anderen Wehren, unter anderem in Wurzen, auf den heutigen Stand der Technik zu bringen.

Immerhin kann nun in Trebsen damit begonnen werden, die Ein- und Ausstiegsstellen für Bootsfahrer anzulegen, denn während des Baus der Treppe war das nicht möglich. Marika Haupt will keine Zeit verlieren. "Das geht jetzt los mit den Ausschreibungen", versichert sie. Zur jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses wurde vor einer Woche festgelegt, wie die Zugänge zur Mulde aussehen sollen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.07.2015
Frank Pfeifer

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