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Trebsener Gartenanlage soll Wohngebiet weichen – Galgenfrist für Pächter

Am Blumenweg Trebsener Gartenanlage soll Wohngebiet weichen – Galgenfrist für Pächter

Aufgeschoben aber nicht aufgehoben ist die Absicht der Stadt, die Kleingartenanlage am Blumenweg in einen Wohnstandort umzuwandeln. Nachdem sich dort Protest geregt hatte, zog die Verwaltung zwar ihre Pläne zurück, sofort zur Tat zu schreiten. Den Pächtern machte sie aber deutlich, dass sie grundsätzlich mit einem Ende des Status quo rechnen müssen.

Die Tage der Kleingartenanlage am Blumenweg in Trebsen sind gezählt. Sehr zum Bedauern vom ältesten Gartenfreund der kleinen Anlage: Bruno Nicht, der seit 1961 dort seinen Kleingarten bewohnt, den zudem sein Schwiegervater Max Möbius 1937 eigenhändig anlegte und bebaute.

Quelle: Thomas Kube

Trebsen. In einer Versammlung mit 14 der insgesamt 15 Kleingärtner prallten die Argumente aufeinander. Bürgermeister Stefan Müller (CDU) stellte klar, dass die Anlage eins des Vereins am Blumenweg im Flächennutzungsplan als Wohnbebauung ausgewiesen ist. Darüber sei der Vereinsvorstand vor drei Jahren informiert worden. "Wir haben ihn gebeten, keine Neuverpachtungen für Kleingärten vorzunehmen", sagte Müller.

Mehrere Pächter erklärten, davon nichts zu wissen. Gerade die älteren, die ihre Gärten schon seit 30 Jahren bewirtschaften, zeigten sich betroffen. Einige waren der Ansicht, die Fläche gehöre der Kirche, so dass die Stadt gar nicht handeln könne. Doch dem, so Müller, sei nicht so. Es handle sich um kommunalen Grund und Boden, der interessant werde, weil im Rathaus vermehrt Anfragen nach Bauland eingehen würden.

Den Vorschlag der Stadt, in die Anlage zwei des Vereins an der Feldstraße umzuziehen, lehnten die Kleingärtner vehement ab. Ihr jetziger Standort gilt als gepflegter, die Parzellen verfügen über Wasser- und Stromanschlüsse. "Die Leute hängen an diesen Schollen, haben viel Mühe und Zeit reingesteckt", weiß der Bürgermeister. An der Feldstraße müssten sie auf Strom und fließendes Wasser verzichten.

"Wir könnten trotzdem jedem kündigen, um das Bauland zu erschließen", verweist Müller auf die Rechtslage. "Doch der Preis dafür wäre für meine Begriffe recht hoch."

Während Müller vom moralischen Preis spricht, verweist Bauamtsleiterin Marika Haupt auf den finanziellen Preis, den die Stadt zu zahlen hätte. "Es müsste ein Gutachter beauftragt werden, um bei einer Kündigung des Pachtvertrages die Werte der Gärten zu ermitteln", zählt sie auf. Die Gartenbesitzer müssten entschädigt werden. Hinzu kämen die Planungs- und Erschließungskosten für das Gebiet, in dem zehn Bauplätze entstehen könnten. "Nach einer groben Überschlagsrechnung wird sich das Vorhaben für die Stadt finanziell nicht positiv auszahlen. Die Planungs- und Erschließungskosten werden sich mit den Verkaufserlösen die Waage halten", schätzt Haupt ein.

Andererseits will und muss die Stadt Baugrundstücke vorhalten. Deshalb zielt sie perspektivisch darauf ab, die Gartenanlage am Blumenweg zu beseitigen. Der Technische Ausschuss verständigte sich darauf, sie gleitend auslaufen zu lassen. Das heißt, freiwerdende Parzellen dürfen nicht neu belegt werden. "Wir können aber nicht darauf warten, bis alle leer sind", warnt Marika Haupt und kündigt schon mal an: "Die letzten müssen wir dann kündigen." In den nächsten zwei bis drei Jahren solle das aber nicht geschehen, denn solange werde mindestens die Planung in Anspruch nehmen. Über den aktuellen Sachstand sollen die Pächter schriftlich informiert werden.

Für die Abgeordnete Silke Starke (Gemeinsame Zukunft Trebsen/Altenhain/Neichen/Seelingstädt) ist dieser Zeitraum zu lang angesichts der Nachfragen von Häuslebauern. Sie plädiert deshalb dafür, zunächst auf der freien Fläche an der Straße Am Froschteich Bauland zu schaffen. Doch dort, so Bürgermeister Müller, passen maximal drei bis fünf Häuser hin. Das Gebiet solle zwar grundsätzlich in Angriff genommen werden, doch am Ende würde wieder das größte Areal, jenes am Blumenweg, zur Debatte stehen.

Von Frank Pfeifer

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