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Grimma Trebsener Interesse an Glasfaser noch zu gering
Region Grimma Trebsener Interesse an Glasfaser noch zu gering
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17:02 28.11.2018
Glasfaserkabel bis ins Gebäude: Das gibt’s in Trebsen nur, wenn sich 40 Prozent der Haushalte dafür entscheidet. Quelle: Archiv
Trebsen

Die Woche zehn von insgesamt zwölf Wochen läuft, in denen die Trebsener ihr Interesse an superschnellen Internetanschlüssen bekunden können. Und noch ist die Deutsche Glasfaser GmbH ein gutes Stück vom selbstgesteckten Ziel entfernt, wenigstens 40 Prozent der  Haushalte verkabeln zu können. Gelingt es dem Unternehmen nicht, die Hürde auf den letzten Metern zu nehmen, zieht es unverrichteter Dinge weiter. Politisch Verantwortliche setzten jetzt auf das Prinzip Hoffnung.

Was von Vornherein als wahrscheinlich galt, manifestiert sich nun in Zahlen. In Altenhain, wo viele noch mit Modem-Geschwindigkeit durchs weltweite Netz kriechen, sprachen sich bislang 54 Prozent der Haushalte für Glasfaseranschlüsse aus. Die von der Telekom besser versorgten Seelingstädter kommen immerhin auf 37 Prozent. Mächtig gedrückt wird der Durchschnitt durch die einwohnerstärkere Kernstadt, wo bis dato nur 14 Prozent der Haushalte Interesse zeigten.

Erst 26 Prozent der Haushalte zeigen Interesse

Summa summarum besteht damit ein Zuspruch von 26 Prozent. Michael Kölling, Regionalleiter Mitteldeutschland der Deutschen Glasfaser, zeigt sich dennoch zuversichtlich, die restlichen 14 Prozent bis zum Stichtag, dem 10. Dezember, hinzukriegen. „Nur wenn insgesamt 40 Prozent erreicht werden, findet der Glasfaserausbau für alle drei Ortsteile statt, und das recht schnell, innerhalb von wenigen Monaten“, verspricht er. Wenn es los geht, schaffe sein Unternehmen 800 bis 1000 Meter pro Tag; 16 bis 20 Leute wären je Kolonne mit der Netzverlegung beschäftigt.

Trebsens Bürgermeister optimistisch

Den Optimismus teilt Bürgermeister Stefan Müller (CDU). „Laut Aussagen von Verantwortlichen der Deutschen Glasfaser war das Verhalten von potenziellen Kunden in anderen Kommunen auch zunächst zögerlich, und trotzdem seien die 40 Prozent geschafft worden“, sagt er. „Ich bin guter Dinge, dass der Ausbau bei uns erfolgt. Es wäre wichtig für die Stadt und ihre Ortsteile, dass hier grundsätzlich Glasfaserkabel verlegt werden.“

Aus Sicht des Bürgermeisters handelt es sich um die fortschrittlichste Technologie. Sie bringe einen enormen Vorteil für den Standort und die Bürger. „Lassen wir diese Chance aus, werden wir nach meinem Dafürhalten eine gleichwertige in absehbarer Zeit nicht mehr bekommen“, meint Müller.

Trebsener vor wichtiger Wahl

„Bin ich schon drin?“ So fragte Boris Becker in den 1990er-Jahren, als das Tennis-Ass für den Internet-Konzern AOL warb. Längst ist er kein wirklicher Star mehr, und AOL-Email-Adressen hat kaum noch jemand. Auch die Technik, die seinerzeit so sehr faszinierte, lockt inzwischen niemanden mehr hinterm Ofen hervor. Zeiten ändern sich, und zwar immer rasanter.

Bis vor rund 15 Jahren waren die meisten Menschen mit einem am Telefon angeschlossenen Modem im Internet unterwegs, das 56 Kilobit pro Sekunde übertrug. Jetzt liegen in Teilen Trebsens bis zu 50 Megabit an, das Tempo hat sich also vertausendfacht. Klar, sagen viele, das reicht ihnen erst einmal aus. Aber wie lange noch?

Die Seiten im Internet werden zunehmend vollgestopft mit Videos, Animationen und Werbebannern. Hinzu kommt eine immer größere Bildauflösung. HD gilt schon fast als Dinosaurierer, inzwischen existieren längst 4K- und sogar 8K-Endgeräte mit noch mehr Schärfe. Über Sinn und Unsinn wird zwar leidenschaftlich gestritten, Forschergeist und Entwicklung dürften sich aber von den Diskussionen nicht aufhalten lassen.

Will heißen, schon in naher Zukunft wird ein Internet-Tempo vonnöten sein, das weit über die 50 Megabit pro Sekunde hinausgeht, wenn sich Seiten schnell öffnen lassen und Filme ruckelfrei laufen sollen. Trebsen hat jetzt die Chance, das entsprechende Glasfasernetz zu erhalten. Diesmal entscheidet nicht die Politik, diesmal sind es die Bürger, die allein das Sagen haben, ob sie die Leitungen wollen. Viel Zeit bleibt ihnen nicht mehr für die Wahl. Senken sie die Daumen, zieht die Zukunftskarawane an ihnen vorbei zu den nächsten Städten und Dörfern.

Altenhainer Ortsvorsteherin appelliert

Dass viele Kernstädter mit der Vectoring-Technik der Telekom, die Übertragungen von bis zu 100 Megabit pro Sekunde zulässt, momentan zufrieden sind, kann die Altenhainer Ortsvorsteherin Katrin Kamm, verstehen. „Ich muss aber an das denken, was ich in den nächsten zehn Jahren brauche!“, appelliert sie. „Jedes Schule, jede Kindertagesstätte hat sich für die Zukunft zu rüsten. Was nützen mir interaktive Tafeln, wenn ich sie nicht nutzen kann? Zunehmend wohnen Familienmitglieder in anderen Ländern Europas, die man beim Telefonieren sehen will, ohne dass das Bild ruckelt.“

Kamm wünscht sich, dass die ganze Stadt gemeinsam das Ziel der Glasfasererschließung erreicht. „Wir sollten an das Große und Ganze denken, an die Stadt mit ihren Ortsteilen, an den Wohn- und Gewerbestandort“, wirbt sie.

Seelingstädter Ortsvorsteherin lobt

Dass sich in Seelingstädt viele, denen der Status quo im Grunde reicht, trotzdem für die leistungsstärkere Technik entschieden haben, begrüßt die dortige Ortsvorsteherin Susann Schumann. „Wer sich für Glasfaser entscheidet, tut das Richtige“, ist sie überzeugt. In ihrem Unterdorf seien Gebiete unterversorgt, sie selbst könne oft zu Hause das Online-Banking nicht abschließen. Nicht nur für die Jugend, sondern auch für Ältere würden schnelle Internet-Verbindungen an Bedeutung gewinnen, zum Beispiel um in Zukunft den Kontakt zu Ärzten zu halten.

Das Vorgehen der Deutschen Glasfaser beurteilt Schumann als lobenswert. „Man kann ins Servicebüro gehen, es gibt Termine im Ort, und auf Wunsch kommt jemand zum Beratungsgespräch vorbei, mit dem sich abklären lässt, wie im Haus die Technik angebracht werden könnte“, zählt sie auf. „Das habe ich bei der Telekom noch nicht erlebt.“

Letzter Infotermin in Trebsen

Thallwitz war der erste Ort im Muldental, den die Deutsche Glasfaser verkabelte, das Netz ging am 26. Oktober in Betrieb. Gleichzeitig startete das Unternehmen den Ausbau in Brandis. Letzter großer Infotermin in Trebsen ist der 1. Dezember, wenn Firmenvertreter 9 bis 12 Uhr zum Tag der offenen Tür in der Oberschule Fragen beantworten. Am 10. Dezember, 17 Uhr, endet die Abgabefrist von Interessebekundungen im Servicepunkt am Markt.

Von Frank Pfeifer

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