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Trebsener Trabikult: Männer aus Stahl fahren Autos aus Pappe

Oldtimer Trebsener Trabikult: Männer aus Stahl fahren Autos aus Pappe

Uwe Niemz lässt nichts auf die Rennpappe kommen. Der Trabi ist das schönste Auto unter der Sonne, sagt der 47-jährige Trebsener. Das sehen auch andere der Muldentaler Trabantfreunde so.

Trabitreffen in Schmannewitz.

Quelle: Dirk Hunger

Trebsen. Nein, einen himmelblauen Trabant habe er gerade nicht da. Und doch sei er mit all seinen anderen Trabis den Wolken ein Stück näher ... auch wenn es nur die aus blauem Dunst sind. Rennpappe, Plastebomber, Kugelporsche – Uwe Niemz (47) liebt das ehrlichste Auto unter der Sonne: den Trabi, seinen Freund und ständigen Begleiter aus Kinderjahren.

Als 13-Jähriger habe er sich nachts heimlich aus der elterlichen Wohnung geschlichen: „Da hab’ ich mir die Karre geschnappt und eine Runde gedreht. Die Taxifahrer mussten auf den Fußweg ausweichen.“ Tagsüber setzte Uwe lieber auf andere Fortbewegungsmittel, wie das Rad, um von Hohnstädt aus ohne anzuecken zur Trebsener Autowerkstatt des Vaters zu gelangen. Dort kehrte der Junge nach der Schule so oft er konnte den Hof, fuhr mit dem SR 2 Asche in die Ausfülle und brachte die Autos auf Hochglanz.

„Uwe Niemz, hinten mit MZ“, sein Name ist Programm. Der Schrauber, der als Jugendlicher mit MZ und Kumpels an die Schneekoppe fuhr, braucht seine Beine wahrlich nur zum Gasgeben. An einen Rahmen vom Star montierte er Schubkarrenräder und sauste wenig später mit einem nur 80 Zentimeter winzigen Mini-Moped umher. Nicht viel größer war auch sein Mini-Dreirad Marke Eigenbau.

Nach der Schlosserlehre im VEB Chemieanlagenkombinat stieg er mit 18 nicht nur in der Werkstatt des Vaters ein, sondern auch als Co-Pilot in dessen Rallye-Trabi. Papa Werner am Steuer, Sohn Uwe mit Bordbuch. Die beiden Mitstreiter vom Motorsportclub Grimma fuhren zwischen Dessau und dem Spreewald einige vordere Platzierungen ein. Der vom Trägerbetrieb gesponserte papyrusweiße Trabi mit der Startnummer 40 hatte lila-rot-blaue Streifen. „Wieso? Na, weil Hersteller Lacufa diese Kombination auf der Farbdose führte“, mutmaßt Uwe Niemz, der 1989 auf seiner letzten Rallye statt im Vorderfeld auf dem Getreideacker landete, wegen des Überrollbügels aber wie auch sein Vater unverletzt blieb.

Seit 30 Jahren ist Uwe Niemz nun schon in jener Werkstatt, die sein Großvater Kurt 1963 gründete. Nach dem Tod des Vaters Werner 2012 übernahm er Verantwortung für den „Laden“. Das Reparieren von Westautos ist für ihn vor allem Tagesgeschäft, das Schrauben am Trabi hingegen pure Leidenschaft. Als andere zur Wende ihren Trabi ausmusterten, baute Uwe Niemz einen schrottreifen 600er-Trabant Kombi neu auf. Der Kugelporsche des Ostens ist noch heute fahrbereit und das Maskottchen der Werkstatt.

Als Mitglied der Muldentaler Trabantfreunde tuckert der Hohnstädter noch immer zu diversen Trabitreffen, beteiligt sich an gemeinsamen Ausfahrten, tüftelt mit Kollegen an der Technik und kommt dabei ins Schwärmen: „Der Klang des Motors, der gemütliche Fahrstil, das einfache Reparieren! Es gibt so gut wie keine Kontrolllampen. Weil die Elektronik fehlt, musst du keine Fehler auslesen. Anders als bei den verbauten Westautos kommst du beim Trabi überall ran!“

Mit Genugtuung verzeichnet Uwe Niemz mittlerweile eine gewisse Renaissance des zwischenzeitlich als Stinker verunglimpften Trabis: „Ein originalgetreuer Trabant in sehr gutem Zustand ist derzeit kaum noch zu bezahlen.“ Manche lassen sich den Trabi gar als eine Art Wertanlage aufbauen, verrät Niemz. Er muss es wissen: „Lange Zeit wurde der Trabi tiefer gelegt, verspoilert, oder er bekam breitere Reifen. Inzwischen ist Schluss mit der unwürdigen Verhohnepipelei!“

Männer aus Stahl fahren Autos aus Pappe! Der Trabi bringt seinen Meister nicht nur täglich zum Dienst, letztens brachte er ihn gar zum Angelurlaub nach Norwegen. Ohne Damenstrumpfhose!

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Tochter Miriam lerne derzeit bei Porsche in Leipzig. „Vielleicht verstärkt sie als Mechatronikerin irgendwann unsere Werkstatt“, frohlockt Uwe Niemz. Er selbst schraubt im Hintergrund gerade an einer echten Rarität: „Zu DDR-Zeiten herrschte mitunter Materialmangel. Not machte erfinderisch. So baue ich jetzt einen Trabi mit rundem Dach vom 500er und eckigem Heck vom 601er.“

Von Haig Latchinian

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