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Triathlonfreunde Muldental veranstalten Sportabzeichentag in Grimma

Auf die Plätze, fertig, los! Triathlonfreunde Muldental veranstalten Sportabzeichentag in Grimma

Die erst kürzlich vom Landessportbund Sachsen ausgezeichneten Triathlonfreunde Muldental können’s nicht lassen: In Vorbereitung auf den mit Spannung erwarteten Muldental-Triathlon am 20. August veranstalteten sie in Grimma einmal mehr ihren Sportabzeichentag für jedermann. Anlass auch für die LVZ, sich sportlich zu betätigen.

Kugelstoßen bei den Großen, Schlagballweitwurf bei den Kleinen mussten beim Sportabzeichentag absolviert werden. Hier stemmt Silke Pelinski aus Sermuth die Stahlkugel so weit, wie es geht.

Quelle: Thomas Kube

Grimma. Nur Fliegen sind schöner! Dieter Engelhardt, mein Fußballtrainer aus Kindertagen, war in seinem Urteil mitunter herb, meist aber herzlich: Wenn es bei einem Großmaul nicht lief, polterte der Coach alter Schule über den ganzen Platz: „Wenn du ’ne Fliege verschluckst, hast du mehr Geherne im Wanste als im Nischel.“ Hat ein Spieler dagegen Herausragendes geleistet, wurde Herr Engelhardt zum Charmeur. Dann nahm er sich die Mutter des Helden zur Seite, herzte sie und lobte den Sohnemann über den grünen Klee: „Na, da hat er sich heute aber ein großes Schnitzel verdient?!“ Um es vorweg zu sagen: Der Sportabzeichentag in Grimma geriet für mich zu einer Mischung aus beidem. Beim schwül-heißen 3000-Meter-Lauf schnappte ich nicht nur nach Luft, sondern ungewollt auch nach Fliegen – so vielen, dass ich mich bei den Runden verzählte. Angesichts der unerwünschten Fleischbeilage verspürte ich im Ziel auch keinerlei Hunger mehr – nicht mal auf ein kleines Schnitzel.

Einmal mehr erwiesen sich die Triathlonfreunde Muldental als großartige Ausrichter des Sportabzeichentages. Weit über 100 Freiwillige gingen ab wie die Feuerwehr – an Grube, Bahn und Seil, springend und sprintend, werfend und stoßend. Hans-Peter Bischoff, Mister Muldental-Triathlon, hatte alles im Griff. Und wieder jede Menge Helfer. Wie Jorge Munari. Der 50-jährige Argentinier ist Trainer der Grimmaer Volleyballfrauen. Bei der fachmännischen Erwärmung assistierte er seiner Spielerin Steffi Kuhn. Hinter den Kulissen verriet er, dass er Maradona sogar persönlich kennt: „In meiner Wohnung hängt ein Foto mit ihm. Diego als Volleyballer! Beim All-Star-Spiel. Er kickte den Ball nicht wie wir mit der Hand, sondern mit Schultern, Kopf und Füßen.“ Von wegen Hand Gottes!

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Am 18. Mai veranstalteten der Verein Muldental-Triathlon im Stadion der Freundschaft gemeinsam mit der IKK classic zum zweiten Mal den Sportabzeichentag in Grimma.

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Der noch jugendliche DRK-Sanitäter Richard Fritzsche hatte in Grimma seinen ersten Einsatz, hielt Pflaster, Kompressen und Binden bereit. Auf die Plätze, fertig, klatsch: Manuela Zetzsche, die Frau mit der großen „Klappe“, gab beim 100-Meter-Lauf das Startzeichen. Und Maximilian Eckert war der Wasserträger vom Dienst: „Sprudel oder still?“ Auf Wunsch bekam jeder sogar ein Namensschild an die Flasche. Stimmungskanone Alexander Parraga vom Sponsor IKK classic titulierte Grimmas Ortschef Matthias Berger als „sportlichsten Bürgermeister Sachsens“. Kein Wunder: Als sich die anderen noch dehnten und lockerten, war Berger bereits fix und fertig, hatte Kugelstoßen, Sprint, Seilhüpfen und 3000 Meter schon hinter sich. Am Ende entschuldigte er sich fast für seine Hast ohne Rast: „Tut mir leid, muss noch mal ins Büro.“ Moderator Matthias Vogel, für seine Verdienste um das Sportabzeichen erst kürzlich von oberster Stelle ausgezeichnet, wies die Meister von morgen immer wieder auf den Muldental-Triathlon am 20. August hin: „Richard Murry, der Vierte bei Olympia in Rio, kommt nun definitiv!“ Nicht der einzige Olympionike in Grimma. Sehr wahrscheinlich seien auch die Starts von Henri Schoeman (Südafrika) und Andrea Hewitt aus Neuseeland.

Die 3000 Meter, Höhepunkt des Abends, rückten mit großen Schritten näher und näher. Siebeneinhalb Stadionrunden – fast im Sprint. Wahnsinn. „Alle Mann mit Laufzettel bitte hierher kommen“, tönte es durch die Lautsprecher. Ich hatte meine Startnummer 188 bereits mit Sicherheitsnadeln am Nicki befestigt. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Im Vergleich zu den anderen kam ich mir vor wie der Friseur – ohne Schere. Kein kurze Laufhose, kein Pulsmesser, nicht einmal eine Armbanduhr. Statt dessen flatternde Trainingshose, Sand im Schuh und Seitenstechen. Wieder eine Durchsage: „Start ist direkt am Bratwurststand.“ Dort schwitzte Grillmeister Tom Rietzschel schon seit Stunden. Ich verzichtete auf sein Steak. Wegen des Dopingtests und zu viel Senf im Blut ... Blieb nur noch die Frage, ob das Knie hält. Auf die Plätze, fertig – los!

Kreisrat Peter Müller, der mit seinen 75 Jahren in Österreich noch Berge besteigt wie unsereins das erste Obergeschoss, war beim Sportabzeichentag genauso dabei wie Christine Schmidt und ihre hoch betagten Damen vom Gymnastikverein Grimma. Deren Schlachtruf ist ein dreifaches B, B, B (Bauch, Beine, Bo)-Hurra. „Wir geben immer alles – beim Wandern, Schwimmen oder Feiern – und wenn es auf allen Vieren heim geht.“ Jeden Donnerstag treffen sich Brigitte Zocher, Christine Zwoch, Judit Blücher, Karola Graf, Elle Micklitza und wie die Gymnastinnen noch alle heißen mögen: „Aus Spaß an der Freude.“

Sport ist für Holger Polzin überlebenswichtig. Der 42-Jährige hatte Krebs und trainierte auch während der Chemotherapie. „Bis zum Erbrechen“, sagte er. Wahrscheinlich, so vermutete er, hatte sein unbedingter Siegeswille geholfen, der Krankheit zu trotzen. Inzwischen gilt er als geheilt und ist beim Ironman schneller denn je. Beim Sportabzeichentag eiferte ihm seine fast komplette Familie nach. Ehefrau Christina, Töchterchen Hannah und der erst dreijährige Sohn Franz – sie alle tummelten sich im Grimmaer Stadion der Freundschaft.

Die Moderatoren liefen heiß, erinnerten mit ihrer Begeisterung beinahe an Heinz Florian Oertel: Nennen Sie Ihre Neuankömmlinge des heutigen Tages ruhig Waldemar! Waldemar ist da! Ich bin noch lange nicht da. Vom Innenraum her hielt man uns immer wieder Wasserbecher hin. Vielleicht, um die vielen aufgeschnappten Fliegen runter zu spülen. Egal. Wacker hielt ich mich im Mittelfeld. Mit letzter Kraft und im Stile des tapferen Schneiderleins schlug ich auf der Zielgeraden noch fast sieben auf einen Streich, keine Fliegen – Läufer! Zu dumm nur: Ich hatte mich verzählt, es war erst die vorletzte Runde. Weiter geht’s. Die Beine wurden schwer wie Blei. Die Zuschauer feuerten uns an. Mit dem Mute der Verzweiflung rettete ich mich ins Ziel. 14 Minuten, 48 Sekunden. Bedeutet: maximale Punktzahl. Ich ließ mich aber nicht fallen – wie Weltmeister und Olympiasieger es gern tun, sondern rannte weiter. Weil ich wegen Knieproblemen andere Disziplinen auslassen musste und dadurch keinen Anspruch auf ein Sportabzeichen habe, lief ich noch ein Stück. Denn wer 15 Minuten rennen kann, dem steht das Laufabzeichen Stufe I zu. Wer sagt’s denn. So ging auch ich nicht leer aus. Und gewonnen hatte sowieso jeder.

Von Haig Latchinian

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