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Grimma Über 100 lebensgroße Puppen im Jubiläumsdorf
Region Grimma Über 100 lebensgroße Puppen im Jubiläumsdorf
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00:28 10.06.2018
Lotte Böttger hat mit ihrer Tochter Annegret Günther die einstige Bäckerfamlie in Großbardau dargestellt. Quelle: Thomas Kube
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Grimma/Grossbardau

Das Jubiläumsdorf Großbardau hat sich herausgeputzt. Überall flattern bunte Wimpelketten im Wind, an den Einfallsstraßen werben übergroße Strohfiguren und Plakate, sich die bis Sonntag andauernde 800-Jahrfeier nicht entgehen zu lassen.

Viel Kreativität haben die Großbardauer in die Gestaltung lebensgroßer Puppen gesteckt. So erzählen sie Geschichten über sich und des Dorfes.

Wer jedoch den Fuß vom Gaspedal nimmt oder durchs Dorf spaziert, kann auf und an den Grundstücken weitaus mehr entdecken: eine lebensgroße Menschenpuppe nach der anderen. Mehr als 100 Figuren und Figurengruppen sind unter den geschickten Händen der Großbardauer entstanden, mit denen sie Geschichten über sich und ihr Dorf erzählen. Gemeinsam mit Grit-Ulfa Schumann, Vorstandsmitglied im Heimatverein Großbardau, begab sich die LVZ auf einen Rundgang. Die 60-jährige Diplom-Agraringenieurin kennt sich bestens aus in ihrem Heimatdorf.

Soldat hoch zu Ross

Bei einer Figur bleiben wohl die Blicke aller Autofahrer hängen: Vor der Großbardauer Hauptstraße 12 sitzt ein Soldat hoch zu Ross. „In das Haus hatte ein Husar eingeheiratet und lebte dann hier“, weiß Schumann zu berichten. Die Husaren, die ihre erste Kaserne 1893 in Grimma bezogen und fortan zum Stadtbild gehörten, machten auch im nahen Großbardau Geschäfte. Und gingen hier aufs Tanzlokal. Liebeleien blieben da nicht aus.

Christel von der Post

Nur Schritte entfernt fällt überm Gartenzaun hinweg der Blick auf die „Christel von der Post“, die mit ihrem Fahrrad gerade eine LVZ austrägt. „Hier befand sich die erste Poststelle von Großbardau“, ruft die 60-Jährige in Erinnerung. Und auch vor der letzten Poststelle im Dorf ist eine Postfrau platziert worden. Von 1936 an mussten die Bewohner die Partenstraße 22 ansteuern, um postalische Angelegenheiten zu erledigen.

Spielende Kinder mit Großmutter

Vor dem Neubaublock in der Großbothener Straße wacht eine Großmutter über spielende Kinder. Ein Mädchen schiebt einen Puppenwagen, zwei Jungs sitzen im Tretauto. Physiotherapeutin Katja Wurche habe die Figurengruppe geschaffen, erzählt ihre Nachbarin Andrea Reichelt, die selbst Puppen und Puppenwagen beisteuerte. „Das Haus wurde 1961 erbaut, hier haben immer viele Kinder gewohnt“, kennt sie den Grund für die Idee.

Salzhändlerin mit schwerem Karren

Eines der ältesten Gebäude im Dorf ist das einstige Geleithaus. Hier, an der Ecke Parthenstraße/Alte Schulstraße, zieht eine Salzhändlerin einen schweren Salzkarren – und wird wohl oder übel löhnen müssen. „Das war das Zollhaus auf der Alten Salzstraße“, berichtet Heimatfreundin Schumann. Großbardau lag auf der Verkehrsader, auf der das kostbare Gut aus der Region Halle nach Böhmen transportiert wurde und die auch Leipziger Messefuhrleute nutzten. Ein Geleit schützte die Händler, die dafür in Großbardau einen Salzzoll entrichten mussten. Denn 1368 war das Geleitrecht Großbardau übertragen worden.

Bäckersleute

Eine ebenso gelungene Figurengruppe findet sich in der Straße Am Schmiedeteich. Erinnert wird an die Bäckerei Böttger, die hier die Dorfbewohner viele Jahre tagtäglich mit frischem Brot versorgte. Die Bäckersleut, die gerade Teig rühren und ausrollen, hat Lotte Böttger mit ihrer Tochter Annegret Günther kreiert – in Erinnerung an ihre Schwiegereltern und deren Bäckerei. „Leider sind nur noch die Schürze und die Mütze aus der Backstube erhalten“, verrät die Dame des Hauses. Etwa zwei Tage bastelten Mutter und Tochter an den Figuren, „wir haben es uns einfacher vorgestellt“. Annegret Günther leitet die Theatergruppe der Grundschule Grimma-West, die tönernen Backwaren hat sie sich von dort ausgeliehen.

Bauer im Traktor

Ein Bauer, der Traktor fährt – dieses Bild bietet sich vor dem Bioland-Hof im Brühl. „Wir dachten, das passt gut zu uns“, erzählt Claudia Timm, die mit ihrem Mann am Feldrand auch zwei übergroße Strohbienen gestaltete. Die vierjährige Tochter Tosca blickte der Mama natürlich über die Schulter, als die Figuren Gestalt annahmen. Überhaupt greifen viele Großbardauer die landwirtschaftliche Tradition auf. Eine Frau wartet mit Milchkannen, ein Mann schiebt eine Schubkarre mit Gras, eine alte Bauersfrau passt auf ein Kalb auf... Absoluter Hingucker ist wohl im Hintereren Brühl eine riesige Kuh, die alle Viere von sich streckt. Nur Schritte entfernt schauen ein paar Beine aus einem Strohballen, und nebenan ziehen Stroh-Ponys einen vollbesetzen Wagen, während ein Hund das seltsame Geschehen beobachtet. „Mein Vater Herbert Lange hielt in dem Hof Ponys“, schildert Grit-Ulfa Schumann und nennt Familie Woitag als Schöpfer des aufwendigen Bildes. Auch an die Tradition der Müller wird im Jubiläumsdorf erinnert. Familie Viehweg schuf an der einstigen Wassermühle ein Müller-Paar, das sich um die Mehlsäcke kümmert. Zu entdecken gibt es aber weitaus mehr im Parthe-Dorf.

Von Frank Prenzel

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