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Über Sinn und Unsinn von Windrädern

Ortschaftsrat Großbardau Über Sinn und Unsinn von Windrädern

Zwei von vier geplanten Windrädern ragen jetzt in Großbardau in den Himmel. Das Projekt ruft viele Gegner auf den Plan, wie eine Debatte im Ortschaftsrat zeigte. Anwohner sind in Sorge um Mensch und Tier, Planer und Betreiber des Projekts verweisen auf die Einhaltung der Gesetze.

Die Montage der ersten beiden Windräder wurde jetzt abgeschlossen. Zwei weitere sollen laut Planung noch folgen.

Quelle: Frank Schmidt

Grimma/Grossbardau. Kaum ist der erste Bauabschnitt im neuen Windpark zwischen Groß- und Kleinbardau bei Grimma abgeschlossen – zwei von vier geplanten Windrädern stehen wie berichtet seit vorgestern – weht der Firma Terrawatt als Planungsgesellschaft und den Betreibern der Windräder im Ortschaftsrat Großbardau heftiger Gegenwind ins Gesicht. Und so wurde die Tagesordnung spontan etwas modifiziert. Sollten laut Einladung für die Beratung ursprünglich Informationen zum Stand der Dinge im neuen Windpark fließen, wurde daraus eine lebhafte und insgesamt sachliche Diskussion über Sinn und Unsinn dieser alternativen Energiegewinnung. Technische Parameter wie Höhe und Leistung der Windanlagen, wie sie Planer Thomas von der Heide loswerden wollte, waren weniger von Interesse. So schwenkte er um und klärte auf, dass dieses im Januar 2008 in einer Bürgerversammlung erstmals vorgestellte Projekt nur über einen „sehr langen und steinigen Weg“ zu realisieren war.

Und das könnte auch für den zweiten Bauabschnitt zutreffen, wie der Stimmung im voll besetzten Raum zu entnehmen war. Zunächst wurde beklagt, dass man das Entstehen des Windparkes erst in der Bauphase „mitbekommen“ habe. Diese Kröte wollte der Ortschaftsrat allerdings nicht unkommentiert schlucken und verwies auf mehrfache öffentliche Beratungen, die Grundlage für entsprechende Beschlüsse sowohl im Ortschaftsrat als auch im Stadtrat gewesen seien. „Kommt mir bitte nicht hinterher und beklagt mangelnde Bürgerbeteiligung. Die habt ihr selbst zu verantworten, wenn ihr solche Termine nicht wahrnehmt“, hoben sich bei Ortschaftsrat Sigmund Jahn voller Unverständnis die Augenbrauen.

Also konzentrierte sich Planer von der Heide auf detaillierte Informationen zur zweiten Baustufe, für die nun die Tippel-Tappel-Tour beginne. „Seid ihr euch sicher, das machen zu können“, unterbrach Wolfram Lorenz von der Bürgerinitiative Großbardau gegen die Windkraftanlagen die Ausführungen des Planers. „Ich bin ja für Windkraft, aber nicht in Wohngebieten und Landschaftsschutz- und Brutgebieten. Es geht nur darum, dass die noch zwei geplanten Anlagen verhindert werden“, machte Lorenz aus seinem Ziel keinen Hehl.

Während von der Heide auf die Einhaltung aller geltenden Rechte und Gesetze für Umwelt, Natur- und Tierschutz sowie auf Abstände zur Wohnbebauung verwies, „sonst hätten wir die zwei Anlagen gar nicht bauen dürfen“, skizzierte Lorenz verbal den aus seiner Sicht „einzigen richtigen Weg, mit Rechtsmitteln Widerspruch einzulegen.“

In der Debatte ging es indes nicht nur um die Lebensqualität der Menschen in unmittelbarer Nachbarschaft der Windräder. Sondern auch um die Tierwelt. Matthias Constantin stellte die Frage in den Raum, ob es das wert sei, „schützenswerte Vogelarten zu vernichten“ und sprach konkret vom Schwarzstorch, der dort heimisch gewesen sei. Auch dem widersprach von der Heide vehement mit dem Hinweis, dass für viel Geld sieben Brutstätten in der Umgebung gebaut wurden. „Wenn der Schwarzstorch Futter findet, kommt er zurück und wird die Windräder nicht als Bedrohung anerkennen“, gab von der Heide zu verstehen, dass er sich nicht nur mit der Windkraft auskennt, sondern dadurch auch zum Ornithologen geworden ist.

Was die Entfernungen angehe, so wusste Ulrich Gumpert – einer der Betreiber – zu berichten, gibt es in Westsachsen 17 Vorranggebiete für Windräder. „Einzig in Großbardau werden die 1000 Meter Abstand zur geschlossenen Wohnbebauung eingehalten.“ Am Ende des Abends blieb offen, ob die zweite Bauphase infrage gestellt wird oder nicht. Denn neben vehementen Gegnern waren auch Leute anwesend, die sich dem Schicksal unterwerfen würden, weil „sowieso nicht daran zu ändern ist“.

Von Frank Schmidt

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