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Über sieben Brücken kannst du wieder geh'n

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"Über sieben Brücken musst du gehen", heißt es in einem Lied von Karat. Daran denkt wohl so mancher Wandersfreund, wenn er die Brücken des sich malerisch schlängelnden Weges durch den Schmorditzer Wald betritt.

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Naturfreunde: Wolfgang Tschier und Hund Leo unternehmen gern einen Spaziergang durch den Schmorditzer Wald. Seit einigen Wochen können sie wieder trockenen Fußes von Schmorditz bis Deditz wandern.

Quelle: Thomas Kube

Grimma/Schmorditz. Seit einigen Wochen können die Naturfreunde den etwa vier Kilometer langen Wanderweg am Thielbach wieder nutzen, ohne dabei einen Hals- und Beinbruch riskieren zu müssen. Der 35-jährige Michael Tschier und sein Vater Wolfgang (61) ersetzten die durchbrochenen Bretter der Brücken, befestigten Übergänge und legten Durchlässe frei. Der 61-jährige Schmorditzer Wolfgang Tschier verbindet mit dem Thielbach die schönsten Kindheitserinnerungen. "Als ich noch Stift war, holten wir hier noch jede Menge Forellen raus. Sobald sie uns bemerkten, versteckten sie sich unter den Wurzeln der Bäume." Im Winter wurde der Ochsenberg zum Skigebiet. "Wir sind mit dem Schlitten runter gerast", erzählt er. Später ging es auf Langläufern von Schmorditz bis zur Deditzer Höhe. Zum Holzeinschlag in größerem Stil sei es hier nie gekommen. Bloß gut, freut sich der Schmorditzer. Schließlich sei das heute ein Naturschutzgebiet. Wolfgang Tschier: "Hier kann man noch Natur pur erleben: Rehe, Wildschweine, Füchse oder Waschbären gehen unten am Bach saufen. Manchmal werden sie von Wanderern oder den Nordic Walker gesichtet." Denn mittlerweile gibt es im Schmorditzer Wald den Biber- und den Bärenweg. "Es ist ein herrliches Stück Natur. Der mäandrierende Bach verlangsamt seine Fließgeschwindigkeit von ganz allein. Dadurch wird die Selbstreinigungskraft gestärkt", weiß der 61-Jährige. Entlang dieser Wege hat er so manches Wurzelmännchen gebaut, deren Anblick die Wanderfreunde immer wieder erfreut. Doch auch Bänke stellte die Familie Tschiers entlang des Weges auf. Die Hochwasser 2002 und 2013 gingen auch an dem Schmorditzer Wald nicht spurlos vorbei. "Durch den Rückstau wurde zahlreiches Geäst angeschwemmt, dass beseitigt werden müsste", sagt er. Doch dass könne sein Sohn und er nicht leisten. "Hierzu bräuchte man einen Schlepper, um die Baumstämme aus dem Bach zu ziehen", meint er. Der Familie Tschier liegt der Wald besonders am Herzen. "Wir wohnen in der unmittelbaren Nähe. Mein Sohn geht täglich fast dreimal mit unserem Hund Leo spazieren. Michael störten die eingestürzten Brücken. Das Hochwasser 2013 hatte sein übriges getan und die sieben Brücken über den Thielbach zerstört", erklärte er. Man hätte nur noch nassen Fußes Wandern können. Im Herbst 2014 setzte sein Sohn die ersten zwei Brücken wieder instand. Bei weiteren vier half der Vater mit. "Es muss nun noch eine größere und mehrere kleinere Stege instand gesetzt werden", so Wolfgang Tschier. Dass die mittlerweile reparierten Holzbretter-Konstruktionen wie solide Provisorien ausschauen, sei so gewollt. "Stabilere Bauwerke sind hier im Landschaftsschutzgebiet, wo alles naturbelassen bleiben muss, nicht gewünscht", sagt der Schmorditzer. "Der Weg durch das Thielbach-Tal ist auch nicht gerade eine Sonntagnachmittags-Ausgehstrecke. Vielmehr ist es bis hin nach Schkortitz oder Deditz eine tolle Route für naturverbundene Wanderer, Jogger oder Pilzsucher." Letztere müssen jedoch Pilzkenner sein. Denn hier wachsen vorwiegend der Violette Ritterling, der Schirm-, der Parasol- und der Schafspilz. "Hier fühlt man sich, als ob man im Urlaub ist", sagt der Schmorditzer. Und auch ihm geht angesichts der sieben Brücken das Lied von Karat nicht aus dem Kopf.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.06.2015
Cornelia Braun

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