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Grimma Umbau im Colditzer Forst
Region Grimma Umbau im Colditzer Forst
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05:00 14.08.2012
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Colditz

Schon im Herbst soll aufgeforstet werden – jedoch nicht mit Fichte, sondern mit standortgerechten 15 000 Stieleichen. Sollte sich von Cotta damals geirrt haben? Im Januar und Februar arbeitete sich der Harvester auf vorgeschriebenen Gassen alle 40 Meter durch den Wald – mit computergesteuertem Sägeblatt, das die Stämme vor Ort auf gewünschte Längen zuschneidet. Danach schnappte sich die Rückemaschine mit ihrem weit ausladenden Greifarm all die Stämme und legte sie – beinahe wie im Supermarkt – im mitgeführten zehn Kubikmeter fassenden (Einkaufs-)Korb ab. Auf den zwei Hektar ernteten die Forstunternehmer 750 Kubikmeter Holz, das in Möbel- und Baugewerbe verarbeitet wird. Dieser Tage durchkämmt Enrico Jassmann auf seinem 80-PS-Forstschlepper mit angebautem Räumrechen das Gelände, um Restholz sowie Reisig auf Wälle zu schieben. Bereits seit 40 Jahren wird der Colditzer Forst umgebaut: Die nicht selten vom Borkenkäfer befallenen Fichten werden durch standortgerechte Eichen- und Buchenmischwälder ersetzt. Barbara Kotschmar durchstreift mit ihrem acht Monate alten Hund Ebs vom Gänsebrunnen den Colditzer Forst. Seit 1985 ist sie Revierförsterin – ihr Vater Gerhard Kern war von 1953 bis 1967 Revierleiter in Colditz. Sie kennt den Forst wie ihre Westentasche: „Derzeit haben wir auf 1535 Hektar rund 52 Prozent Nadel- und 48 Prozent Laubhölzer. In den nächsten 25 Jahren wird die Fichte, die im Moment noch auf 235 Hektar steht, ganz verschwunden sein." Forstdirektor Andreas Padberg erinnert an längst vergangene Zeiten. „Damals unterstand der landesherrliche Wald den Kurfürsten. Diese ließen die Bäume schlagen, um mit den Gewinnen daraus etwa die Kriegskassen zu füllen. Das führte dazu, dass der Colditzer Forst um 1800 so gut wie entwaldet war." Hanns Carl von Carlowitz, Bergamtmann in Freiberg, habe damals als Erster den Begriff der Nachhaltigkeit geprägt: „Er erkannte, dass er seine Bergwerksstollen dauerhaft nur dann mit Grubenholz abstützen kann, wenn er beizeiten neue Bäume anpflanzt." Die Industrialisierung schritt voran, Papier wurde in Größenordnungen gebraucht, ergänzt Försterin Kotschmar: „Da war es 1822 Heinrich von Cotta, der den Sachsenwald planvoll, ja sogar schachbrettartig anlegte – mit Schneisen und Flügeln. Sein Wegesystem ist noch heute vorhanden. Es ist unglaublich, was von Cotta damals geleistet hatte." Doch warum setzte von Cotta ausgerechnet auf die Fichte? War es gar ein Fehler? „Aber nein", sagt die Revierleiterin: „Die Industrie brauchte das Holz damals sofort. Die Fichte wächst im Vergleich zur Eiche doppelt so schnell. Außerdem betonte von Cotta, dass die Fichte maximal nur für zwei Generationen stehen darf und danach auf heimische Gehölze umgestellt werden muss." Wie Recht er doch hatte: Die Fichte benötigt pro Jahr weit über 1000 Millimeter Niederschlag auf dem Quadratmeter. Tatsächlich liegen die Regenmengen im Colditzer Wald bei weniger als 700 Millimetern. „Weil die Fichten dadurch nicht so viel Harz produzieren können, hat der Borkenkäfer leichtes Spiel", sagt Försterin Kotschmar. Ihr versöhnlicher Ausblick: „Schon in zehn Jahren stehen hier etwa fünf Meter hohe Stieleichen."

Haig Latchinian

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