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Unfallverursacher gesteht

Unfallverursacher gesteht

Trebsen/Neichen. „Es gibt keine Strafe dieser Welt, die Ihnen Ihre Tochter wieder bringen könnte", sagte gestern Richter Jürgen Weise zu Susannas Mutter.

. Die wischte sich während der Verhandlung im Amtsgericht Grimma immer wieder die Tränen aus dem Gesicht. Zu groß der Schmerz über den Verlust ihrer 19-jährigen Tochter. Obwohl es ihr frei stand, bei den Ausführungen des Leipziger Rechtsmediziners Marko Weber den Saal zu verlassen, ertrug sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten tapfer alle Details über jene schweren Verletzungen an Kopf, Lunge und Gliedmaßen, die in der Summe zu Susannas Tod führten.

10. August 2009: Die Döbelnerin Susanna, die im Rahmen ihrer Ausbildung zur Köchin in Wurzen die Berufsschule besucht, hat an jenem Tag zwei Stunden eher Schluss. Weil sie nicht auf den Zug warten will, fährt sie im Golf ihrer Lehrlingskollegin mit. An der Neichener Kreuzung ist Endstation. Der Fahrer eines Traktors mit zwei Anhängern nimmt dem Auto die Vorfahrt. Es kommt zur Kollision. Fahrerin und Beifahrer des Golfs verletzen sich schwer. Susanna, die hinten rechts sitzt, stirbt noch an der Unfallstelle. Sie hat keine Chance. Der Traktor bohrt sich direkt in Fensterhöhe in die rechte Seite des Autos – und das zu allem Unglück auch noch mit einem 1500-Kilo-Gewicht, das aus Gründen des Ausgleichs an der Vorderfront der Zugmaschine angebracht ist.

Gestern sagten sowohl Fahrerin als auch Beifahrer aus. Beide Kochlehrlinge waren wegen ihrer schweren Verletzungen monatelang krank geschrieben. Die junge Autolenkerin musste sich zusätzlich noch in psychologische Behandlung begeben. Die Anwesenheit der jungen Döbelner und von Susannas Eltern nutzte der Unfallverursacher, um sich zu entschuldigen: „Es war mein Fehler. Ich hätte mehr gucken müssen. Ich habe Ihnen so viel Leid zugefügt. Verzeihung." Der Landwirt aus Machern fuhr seit fast 30 Jahren unfallfrei. Um so folgenschwerer sein Fehler an jenem 10. August.

Zeugen schildern den Unfallhergang nahezu übereinstimmend: Der Traktorfahrer kommt gegen 13 Uhr aus Richtung Trebsen an die gut

einsehbare Neichener Kreuzung. Er drosselt die Geschwindigkeit und will geradeaus weiter. Doch statt vorschriftsmäßig am Stoppschild zu halten, lässt er sich an die Hauptstraße ranrollen, beschleunigt sogar, um kurz darauf stark abzubremsen. Vergebens. Weil die Anhänger von hinten schieben, schafft er es nicht mehr, den Traktor rechtzeitig zum Stehen zu bringen. Bruchteile einer Sekunde entscheiden über Leben und Tod.

Susannas Eltern beschrieben ihre Tochter gegenüber der LVZ als „sehr liebes, aufrechtes Kind". Sie habe gern gelesen und viel Musik gehört. Als angehende Köchin stand sie auch zu Hause gern am Herd. „Zwei Tage vor ihrem Unfall kochten wir ein Gourmet", berichtete die verzweifelte Mutter. Als sie die Todesnachricht erhielt, erlitt sie einen leichten Herzinfarkt, bekam etliche Spritzen und musste sich in einer Tagesklinik therapieren lassen. Gestern erschien sie mit einer Diddl-Maus: „Susanna sammelte diese Plüschtiere", so die Mutter. An ihrer Halskette hing ein Medaillon. Sie klappte es auf. Zu sehen war das Bild von Susanna und ihrem jüngeren Bruder: „Ich trage sie immer an meinem Herzen." Vielleicht hat den Unfallfahrer ja die Sonne geblendet, äußerte sich die Mutter versöhnlich. Ihr Lebensgefährte, der selber Traktor fährt, verfolgte die Ausführungen eines Zeugen. Der Lkw-Fahrer sagte, ihm habe an der gleichen Kreuzung der Außenspiegel schon mal gefährlich die Sicht genommen.

Der nicht vorbestrafte Traktorfahrer wurde wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung in zwei Fällen zu 120

Tagessätzen à 30 Euro verurteilt. Außerdem verhängte das Gericht ein zweimonatiges Fahrverbot. Richter Weise: „Mit Susannas Tod müssen Sie nun ein Leben lang zurecht kommen. Genauso wie Susannas Eltern."

Haig Latchinian

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