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Grimma Unschöne Ecken am idyllischen Weg: Bürgermeister reagiert prompt auf LVZ-Anruf
Region Grimma Unschöne Ecken am idyllischen Weg: Bürgermeister reagiert prompt auf LVZ-Anruf
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14:55 22.06.2017
Der Tisch ist weg, der Papierkorb voll. Neben der Bank lagert wilder Müll. Am Weg von Grimma nach Grethen ist nicht alles schön. Quelle: Frank Prenzel
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Grimma/Parthenstein

Das Muldental hat viele idyllische Ecken. Eine von Radlern, Wanderern und Spaziergängern gern genutzte Route ist die von Grimma nach Grethen, vorbei am in sattem Grün eingebetteten Münchteich. Am Weg fallen aber auch weniger schöne Seiten ins Auge. Rechts und links landet immer wieder Papier in der Natur. Und die Verweilplätze auf Parthensteiner Flur haben ihre beste Zeit längst hinter sich. Der Tisch an einer Bank etwa ist verschwunden.

Eine LVZ-Leserin bedauert in einer Mail an die Redaktion, dass der ältere Herr, der hier einst die Wegesränder am Teich und die Sitzgruppen pflegte, nicht mehr gesichtet wird. Die Pausenplätze seien bis auf eine Bank zerstört worden, mittlerweile lagere dort illegaler Müll. „Für mich ist es nicht nachvollziehbar, wie manche Menschen die Arbeit anderer Leute schätzen“, ärgert sich die LVZ-Leserin.

Werner Pohl war es, der viele Jahre lang die Alte Poststraße vom Grimmaer Stadtrand bis zum Abzweig nach Grethen nahezu täglich gesäubert hatte. Der betagte Mann musste aber seinem hiesigen Gartenhäuschen wohl adé sagen. Er wohne seit etwa einem Jahr im Pflegeheim, erzählt Steven Reuter, Sohn der Wirtin vom Gasthaus „Zum Müncherteich“ und bekräftigt: „Der war die gute Seele.“ Unermüdlich sei er sogar durchs Gebüsch gekrochen, um den Unrat aufzusammeln, den anderen Leute in die Landschaft schmeißen. „Wenn Kindergruppen hier durchkommen, fliegt eben rechts und links Papier“, erzählt Wirtin Iris Reuter und beklagt aber eher den Mülltourismus an der nahen Pflaumenallee.

Am Teich wird regelmäßig gesäubert, weiß Hartmut Eichstädt zu berichten. Der optische Eindruck bestätigt diese Aussage. Sein Angelverein „Toller Hecht Klinga“ betreut seit 2016 den Münchteich und ist damit auch für den ordentlichen Zustand von Ufer und Wegen zuständig. Drei- bis viermal im Jahr gebe es einen Arbeitseinsatz am Teich, wo auch die Hinterlassenschaften anderer aus der Natur geholt werden.

Unabhängig davon sei er zweimal in der Woche am Gewässer und schicke Leute los, wenn etwas zu tun sei, sagt der Hobbyangler. „Manche begreifen es nicht“, schimpft Eichstädt. Immer wieder lägen zum Beispiel leere Sternburg-Bierflaschen und Kippen herum. „Wenn ich angeln fahre, nehme ich immer einen blauen Sack mit“, sagt der Gewässerwart des Münchteiches. Jeder andere Angler mache das auch. Der 28-köpfige Verein hatte den Teich, der im Besitz des Angler

Parthensteins Bürgermeister Jürgen Kretschel (parteilos) reagierte prompt auf den LVZ-Anruf. Umgehend wollte er Mitarbeiter losschicken, um die wilde Müllecke an einer Bank aus dem Waldstück zu holen. „Mit den Sitzgelegenheiten lasse ich mir etwas einfallen“, versicherte er zudem. Der Tisch an der einen Sitzgruppe sei gestohlen worden, erklärte er. „Das ist traurig, aber wahr“, so Kretschel. Selbst das Einbetonieren habe die Leute nicht davon abgehalten, das Möbelstück zu klauen. Beim Auflesen des Unrates vom Wegesrand gibt es laut Bürgermeister eine Regelung. Beim regelmäßigen Mähen sammle der Mitarbeiter auch das herumliegende Papier mit ein.

Münchteich oder Müncherteich?

Als neulich die Liebhaber von Diamant-Fahrrädern in Grimma zusammen kamen, stand als Treffpunkt der „Müncherteich“ auf dem Plakat. Prompt gab es Anrufe in der LVZ-Redaktion. Denn das Gewässer heiße „Münchteich“. Und das ist offenbar korrekt. Die LVZ hatte sich schon 2013 in einem Artikel mit dem Bezeichnungs-Wirrwarr befasst. Autor Horst Naumann legte dar, dass der Name „Müncherteich“ wohl von unkundigen Kartengestaltern ins Spiel gebracht wurde, auch weil die ursprüngliche Deutung nicht mehr verstanden wurde. Namengebend seien die Grimmaer Augustinermönche gewesen, die den Teich anlegten. Es sei also der Teich der Mönche, der Möncheteich oder der Mönchsteich. Das im 8. Jahrhundert aus dem Lateinischen ins Deutsche übernommene Wort Mönch hieß laut Naumann in älterer Zeit munich und dann bis in 16. Jahrhundert Münich oder Münch. Für den im 14./15. Jahrhundert angelegten Teich habe also die Lautung Münchteich gegolten. Sie sei auch urkundlich bezeugt.

Von Frank Prenzel

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