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Unter zwei Decken verborgen: Ein Schatz auf Lehm

Unter zwei Decken verborgen: Ein Schatz auf Lehm

Colditz. Auf dem Boden liegt Schutt, von den Wänden löst sich in großen Fladen die Farbe, der blätternde Putz gibt eine achtlos zugemauerte Rundbogentür mit Sandsteinfassung frei – doch die triste Baustellenatmosphäre ist schnell vergessen bei einem Blick auf die einzigartigen bemalten Decken in der ersten Etage des Kellerhauses von Schloss Colditz.

. Zum Denkmalstag am Sonntag, 12. September, öffnen sich die sonst verschlossenen Türen, dann kann man sie besichtigen.

 

„Das waren einst die Wohnräume der Gäste des Kurfürsten", erzählt Museologin Regina Thiede, „jeweils zwei Wohn- und zwei Schlafkammern." Die ehemals sicher gediegene Ausstattung kann man nur ahnen, wenn man auf die aufwendig verzierten Decken schaut. Und lange Zeit waren nicht einmal die sichtbar. Als das Kellerhaus zu DDR-Zeiten und noch bis 1996 die Alterspsychiatrie beherbergte, waren sie unter einer Sparschalung verborgen. Als Ende der 90er Jahre der damalige Restaurator Thomas Schmidt einen Blick darunter warf, war die Überraschung perfekt: Nicht eine, sondern zwei Decken kamen zum Vorschein – eine aus Holzkassetten, darunter eine weitere aus Lehm, beide jedoch bemalt. Während in dem einen „Appartement" die in grün auf weiß gehaltene Holzdecke verschiedene Vögel zeigt – für 1630 sei übrigens eine in der Farbe korrespondierende Goldledertapete belegt, sagt Thiede –, wechseln sich im zweiten Gästebereich auf grauem Grund braune florale Ornamente mit Schablonenmalerei, so genanntem Beschlagwerk, ab. Auf der in erdigen Tönen gehaltenen Lehmdecke hingegen sind einfache Blumen von illusionistischen Kassettengliederungen umrahmt. „Die Lehmdecke datiert aus der Zeit um 1520", sagt Diplom-Restaurator Martin Lehmann, „aber schon 50 Jahre später folgte die nächste Gestaltung", habe man alten Rechnungen im Thüringer Hauptstaatsarchiv, die auf einen Altenburger Maler namens Hans Jäger schließen lassen, entnommen. Lehmann führt die damalige „Renovierung" auf Änderungen im Geschmack zurück, möglich sei aber auch, dass die Stabilität eine Rolle spielte.

 

Um die ist es heute nicht besser bestellt. Stellenweise geben die Räume zwischen den Balken den Blick in die darüberliegende Etage frei. „Da die Decke in ihrer Struktur gefährdet ist, muss sie zunächst von oben gesichert werden, damit sie nicht herunterfällt", erklärt Lehmann. Im zweiten Stock wurden zu diesem Zweck die Fußböden entfernt. Für die Museologin ist die Schüttung darin übrigens immer wieder eine Fundgrube: Diesmal hat sie eine Spielkarte aus dem 16. Jahrhundert entdeckt sowie einen in einer Tageszeitung von 1941 eingepackten Militärkompass, was zeigt, dass die Fußböden während der Oflag-Zeit des Schlosses als Verstecke für Fluchtmittel genutzt wurden. Jetzt werden teilweise neue Balken eingezogen; die auf Lehmbau in alten Gemäuern spezialisierte Frohnsdorfer Firma André Bremer füllt die Zwischenräume wieder mit einem Lehm-Stroh-Gemisch. An anderer Stelle wird eine Art Streifenfundament aus Polymerbeton gegossen, einem Kunststoff, der besonders gut Erschütterungen aufnehmen kann, die bei der Nutzung als Museum, welche für das Kellerhaus angedacht ist, und den damit verbundenen Besucherströmen nicht ausbleiben dürfte.

 

Das allerdings ist Zukunftsmusik, die eher leiser denn lauter wird. Grund ist der vergangene Woche vom Sächsischen Landtag verabschiedete Sparhaushalt, der die Museumspläne vorerst auf Eis legt. Und damit auch die Restaurierung der Decken. „Mehr als Sicherungsarbeiten sind im Moment nicht drin", bedauern Regina Thiede und Martin Lehmann, der seit Juni mit selbigen beschäftigt ist, unisono; unter anderem wird dafür fast durchsichtiges Papier aufgebracht, um den Putz zu stabilisieren. Dabei seien gerade die bemalten Lehmdecken einzigartig. „Natürlich gibt es noch weitere in Sachsen, aber nicht so gut erhalten", verweist Martin Lehmann, der sich auf Wandmalerei und Architekturfassung spezialisiert hat, auf die immer noch kräftigen Farben, was sicher auch der Verhüllung zu danken ist. Wenn denn die Restaurierungsarbeiten einmal abgeschlossen sind, wird davon allenfalls noch ein Ausschnitt zu sehen sein, denn die grüne Holzdecke, deren Kassetten zurzeit eingelagert sind, werde wieder darüber gesetzt, sagt der Restaurator. Ein Grund mehr, sie sich jetzt anzuschauen: Am Denkmalstag bietet Regina Thiede deshalb von 10 bis 16 Uhr stündlich bzw. nach Bedarf Führungen an.

Ines Alekowa

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