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Uwe Bauch aus Ammelshain: "Ein nahezu biblisches Erlebnis"

Uwe Bauch aus Ammelshain: "Ein nahezu biblisches Erlebnis"

Naunhof/Ammelshain. Während es andere im Urlaub gen Süden zieht, kennt Uwe Bauch nur eine Richtung. Der Ammelshainer war mittlerweile zum dritten Mal in Alaska.

Sein großer Traum ist es, von dort aus die Behringstraße nach Russland zu überqueren. In dieser gottverlassenen Gegend findet er das, was seiner Meinung nach hierzulande abhanden kam.

Mit einem Freund wollte der 52-Jährige das Projekt Behringstraße eigentlich in diesem Winter in Angriff nehmen, denn es lässt sich nur realisieren, wenn das Gewässer zugefroren ist. "Doch er hat vor Ort Bedenken bekommen", sagt Bauch, der an seinem Ziel festhält und nach neuen Wegen sucht, es zu erreichen. Mit der Alaska Federation of Natives, dem Verband der Ureinwohner, hat er Kontakt aufgenommen. Das schönste Erlebnis für ihn wäre, wenn er gemeinsam mit Inuit die Behringstraße überwinden könnte. "Sie wissen mit Schlittenhunden umzugehen, ich habe diese Erfahrung nicht."

Da sich die Inuit (früher Eskimo genannt) von Amerika und Russland sowieso in der Winterszeit besuchen, um gemeinsam ihre Feste zu feiern, würde sich Bauch gern einer Gruppe anschließen, die sich von Alaska aus auf den Weg nach Asien macht. Er weiß zwar: "Diese Kontakte sind weder von amerikanischer, noch von russischer Regierungsseite aus erwünscht." Aber das Fieber hat ihn gepackt. Und im September möchte er nach Wladiwostok reisen, um dann nach Kamtschatka aufzubrechen und sich mit den dortigen Verhältnissen vertraut zu machen.

Was aber fasziniert ihn am hohen Norden, an dessen Einsamkeit? "Ich war vorher noch nie an einem Punkt dieser Erde, an dem ich mich im Kreis drehen konnte, ohne menschliche Spuren zu sehen", schwärmt er. "Die Szenerie Alaskas mit ihren Bergketten und Seen zu sehen, das ist für mich ein nahezu biblisches Erlebnis."

Der Gegensatz zur hiesigen Kulturlandschaft könne nicht größer sein. "Wir verbauen unsere Gegend mit neuen Straßen, benutzen jeden Quadratzentimeter für unser Ego, ohne daran zu denken, wie unwiederbringlich das alles ist", mahnt er und nennt zwei Beispiele aus seinem direkten Umfeld.

Kurz vor Weihnachten habe er beobachtet, wie im Naunhofer Forst bei Treibjagden halbautomatische Waffen eingesetzt worden seien. "Das kommt meiner Meinung nach dem Abschlachten nahe", kritisiert der Ammelshainer Tierpräparator. "In Alaska war ich zwar mit Bekannten unterwegs und habe auch gejagt, aber nur für die eigene Ernährung, wie es für die Inuit Tradition hat." Dort sei jeder verpflichtet, alles vom Tier, also Fleisch und Fell, zu bergen und zu nutzen.

Der zweite Punkt, auf den Bauch aufmerksam macht, betrifft die Straßenbäume. "Sie verschwinden nach und nach. Zwischen Ammelshain und Trebsen steht nur noch ein Minimum der Obstbäume", sagt er. An der Straße von Dahlen nach Lausa seien die 200 Jahre alten Buchen gefällt worden. "Dafür kann man keinen Ersatz schaffen. Es bräuchte wieder 200 Jahre, um so eine Herrlichkeit zu entwickeln." Den Kindern werde heute in Filmen wie "Herr der Ringe" eine urwüchsige Landschaft gezeigt. Aber eben nur im Kino, weil die Realität so etwas in heimischen Gefilden nicht mehr zu bieten habe.

So lebt Uwe Bauch seinen Traum, indem er sich hin und wieder in die weit entfernte unberührte Natur begibt. "Wenn du dort stehst, begreifst du dich in vollem Umfang. Du bekommst ein Verantwortungsgefühl für diesen schönen Planeten", sagt er.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.01.2014
Pfeifer, Frank

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