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Verbundzusteller packen bei Touren im Muldental die Briefe gleich zur Zeitung

Logistik Verbundzusteller packen bei Touren im Muldental die Briefe gleich zur Zeitung

Tag für Tag sind Redakteure im Einsatz, um Artikel für die Leser zu recherchieren. Nach Redaktionsschluss wird das Blatt in der Druckerei Leipzig-Stahmeln gedruckt. Doch wie kommt es dann zum Leser? Sandra Löser von der LVZ Post als ein Unternehmen der Leipziger Volkszeitung hat Redakteurin Nathalie Helene Rippich mit auf ihre Tour genommen.

Zeitungen, Zeitschriften, Briefe, Pakete – alles wird im Depot der Zeitungsvertriebs GmbH in Grimma vorsortiert und dann in die Haushalte verteilt.
 

Quelle: Andreas Döring

Grimma.  Es ist Punkt zwei Uhr morgens als sich das Tor zum Depot der Zeitungsvertriebs GmbH in Grimma öffnet. Sofort beginnen die knapp 20 Personen, die eben noch im Dunklen vor dem Gebäude standen, geschäftig durch eine große Halle zu wuseln. Während ich aus dem Gähnen kaum herauskomme, weil für mich noch mitten in der Nacht ist, machen die Kollegen Scherzchen, stapeln eifrig Kisten und sortieren ihre Post. Sandra Löser hat mich eingeladen, sie auf ihrer Tour zu begleiten. Die 33-Jährige arbeitet selbst erst seit einem Monat im Unternehmen, das von der klassischen Zustellung – Zeitung und Post getrennt – nun auf die sogenannte Verbundzustellung umgerüstet hat. „Das heißt, dass ich jetzt die Briefe, Magazine und Zeitungen mitnehme und alles gemeinsam zustelle“, erklärt Löser als sie meinen fragenden Blick sieht.

 

Vor ihr liegt eine Liste. Darauf bunte Markierungen und Notizen. „So merke ich mir, wer wann was bekommt. Manche kriegen nur samstags eine Zeitung, andere bekommen die Stadtausgabe“, kommentiert sie. Wer denkt, dass der Job damit getan ist, von Tür zu Tür zu fahren und Briefe in die dafür vorgesehenen Kästen zu werfen, der irrt. Das wird mir schnell klar – fünf Stunden werden wir durch Naunhof, den Ortsteil Lindhardt und ausnahmsweise durch Threna fahren. „Da ist ein Kollege im Urlaub, ich springe hier ein“, so die gelernte Gastronomin.

Nach dem Realschulabschluss hat sie eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau gemacht, hat viele Jahre in Stuttgart gelebt. Nun war es an der Zeit für sie, nach Hause zu kommen, sagt sie. „Die Arbeit hat mir Spaß gemacht, aber meine ganze Freizeit ist dabei drauf gegangen“, begründet sie ihren Berufswechsel. Von den frühen Morgenstunden bis in den Vormittag zu arbeiten, stört sie nicht – im Gegenteil: „Wer kann schon von sich behaupten, den ganzen Tag frei zu haben und trotzdem voll arbeiten zu gehen?“ Nicht viele, nehme ich an. Wie sie das mit dem Schlaf macht, will ich wissen. „Ganz einfach. Ich lege mich nach meiner Schicht ein wenig hin, abends gehe ich dann um neun Uhr ins Bett und stehe eine Stunde vor der Arbeit wieder auf.“

Während Sandra Löser von ihrer Zeit in der Gastronomie und in einer Bäckerei erzählt, räumt sie die Kisten mit den sortierten Sendungen auf die Ladefläche ihres Kleintransporters. Dann machen wir uns auf den Weg nach Naunhof, über dem langsam aber sicher der Morgen hereinbricht. Kein Mensch ist auf den Straßen unterwegs, man hört nichts außer den Vögeln – diese dafür umso lauter. Die Luft ist klar und frisch. Die 33-Jährige atmet tief ein: „Herrlich, oder? So eine Ruhe hat man am Tag einfach nicht.“

Dann geht es los. Ein paar Meter fahren, die Adressliste abgleichen, die richtige Ausgabe der LVZ greifen, gucken, ob ein Brief zugestellt werden muss und aussteigen. Dann wieder ein paar Meter fahren. In den meisten Fällen geht das ganz fix. Besonders da, wo man sich auskennt. Doch es gibt auch Grundstücke, vor denen die Verbundzustellerin zögert. „Hier wohnt zum Beispiel ein Hund, der so hoch springt, dass er mit der Schnauze bis an den Briefkasten kommt“, begründet die junge Frau. Diese Situation wird es auf der Tour öfter geben. Beruhigend: Wenn es für den Zusteller zu riskant ist, kann er die Zustellung verweigern. Muss die Sendung dann mit einem entsprechenden Code versehen, damit der Absender informiert werden kann. Die Frau wird sich während unserer Schicht nicht von einem Hund aufhalten lassen. „Heute habe ich Glück – die Hunde bleiben friedlich“, sagt sie.

Schneller als gedacht hat sie das Kerngebiet in Naunhof abgearbeitet. Nun ist es Zeit für eine kleine Pause. Am Ende einer Straße macht sie den Motor aus. Vor uns erstreckt sich eine Wiese, Tau glitzert im aufgehenden Sonnenlicht auf den Gräsern. „Morgens sieht man Dinge, die man am Tag einfach nicht sehen kann“, sagt sie. Ihr gefalle diese Zeit des Tages. Eine Passantin läuft mit ihrem kleinen Hund vorbei. Der guckt erst schüchtern, dann begrüßt er die 33-Jährige fröhlich. „Wir treffen uns hier jeden Morgen“, sagt sie, während sie das Tier streichelt und ein kurzes Gespräch mit der Besitzerin führt. Ganz Gastronomin hat Sandra Löser warmen Kaffee in einer Thermoskanne dabei – einen Becher für sich und sogar einen für mich. „Diese kleine Pause ist für mich wichtig. Die erlaube ich mir, wenn ich weiß, dass meine Zustellungen rechtzeitig ankommen.“ Die Zeitungen, so ist es Vorgabe, müssen bis sechs Uhr ausgeliefert sein.

Kleine Pausen seien wichtig und erwünscht. Denn tatsächlich braucht es viel Konzentration. Stundenlang fährt man mit einem großen Auto durch die Gegend, muss rückwärts fahren und wenden. Nicht nur nebenbei muss die Post im Blick behalten werden – wo muss ein Brief hin, wo welche Zeitung? Dazu kommen die Tücken, die viel Zeit kosten. Oft sind Straßen undurchsichtig nummeriert, da über die Zeit Grundstücke zusätzlich erschlossen wurden oder sich Zugänge geändert haben. So kommt es durchaus vor, dass ein Haus gleich zwei Hausnummern hat. Manchmal gibt es gar keine.

Tag der offenen Tür am 8. Juni in Grimma

LVZ und die LVZ Logistik GmbH laden am Donnerstag zum Tag der offenen Tür auf das Gelände ZVG Grimma Wurzen im Gewerbegebiet an den Gerichtswiesen in Grimma ein. Neben einigen Aktionen für Jung und Alt (ein DJ wird Musik zu Roster & Co. spielen, am Glücksrad können Preise gewonnen werden) besteht von 13 bis 17 Uhr die Möglichkeit, mit Mitarbeitern der Unternehmen vor Ort ins Gespräch zu kommen, um sich über die Arbeit der Verbundzustellung zu informieren.

Die LVZ Post ist ein regionaler privater Postdienstleister mit bundesweitem Versand. Als ein Unternehmen der Leipziger Volkszeitung verfügt sie über erfahrene Logistiker aus dem Printbereich. Als regionaler und privater Postdienstleister im Raum Leipzig liegt das Geschäftsfeld in der Zustellung von Postsendungen, Paketen, in der Medienlogistik der Leipziger Volkszeitung und anderen Titeln sowie in der Zustellung von Prospekten.

Im Bereich Tageszeitungen ist das Unternehmen für die Zustellung von 56,4 Millionen eigenen Produkten und 6,2 Millionen Fremdzeitungen zuständig.

Im Bereich Brief sind die Logistiker Partner für Privat- und rund 5000 Geschäftskunden. In diesem Geschäftsbereich werden jährlich 46,7 Millionen adressierte Postsendungen und 84 000 Pakete zugestellt und die Abholung unfrankierter Ausgangspost von gewerblichen Kunden organisiert. Die Zustellung erfolgt durch die Mitarbeiter im eigenen Zustellgebiet und bundesweit über Kooperationspartnern.

Sandra Löser ist Dienstleisterin durch und durch. Sie will, dass die Sendungen ankommen. Sucht deshalb intensiv nach den Adressen. Nur, wenn sie partout nicht fündig wird, bleibt ein Brief in ihrem Auto. Dann wird im Depot versucht, die Lage der Adresse zu ermitteln. Wenn eine Nummer erkenntlich ist, aber kein Name, dürfen sie und die Kollegen den Brief nicht zustellen. „Das verstehen die Leute oft nicht. Die denken, die Nummer reicht und wollen, dass ich ihnen die Post gebe, weil sie mir versichern, dass sie der Empfänger sind. Aber das ist eben verboten.“ Ein paar Mal notiert sie den entsprechenden Code auf einem der Umschläge.

Da das Postgesetz für Zusteller gilt, guckt sie nicht, wer schreibt oder um was für Post es sich handelt. „Das geht mich nichts an“, sagt sie nüchtern. Für Löser zählt Professionalität. Sie sieht sich als Aushängeschild für das Unternehmen – und für den Beruf. „Viele denken bei Zustellern an frühere Postboten – Senioren auf Rädern, die in einem kleinen Gebiet die Zeitung verteilen. Dabei ist das echt ein anspruchsvoller Job“, betont sie.

Zugegebenermaßen habe ich die Arbeit auch unterschätzt. Ich bin das nächtliche Arbeiten nicht gewöhnt, kann mich kaum wach halten. Bewundere die ersten Jogger, die schon vor sechs Uhr morgens durch den Landkreis sporteln. Sandra Löser hingegen ist putzmunter, grüßt fröhlich und lenkt den Wagen routiniert auch durch die engsten Gassen.

In Threna dauert die Zustellung etwas länger. „Ich kenne mich hier nicht so gut aus, das ist nicht mein Gebiet“, begründet sie. Doch gegen neun Uhr morgens ist es dann endlich geschafft – wir fahren zurück ins Depot. Ein bisschen stolz bin ich, weil ich tatsächlich ab und zu eine Adresse ausmachen konnte bevor ,meine Chefin’ sie gesehen hat und ein paar der Zeitungen, in denen auch Artikel von mir standen, zu den Lesern gebracht habe. Sandra Löser lächelt. „Geh du mal schlafen jetzt. Ich mache hier noch klar Schiff und gehe dann auch nach Hause. Aber ich bin hellwach gerade. Vielleicht lege ich mich nicht sofort hin“, sagt sie und schnappt sich die wenige Post, die auf dieser Tour noch keinen Empfänger gefunden hat. Dann verschwindet sie wieder im Depot.

Von Nathalie Helene Rippich

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