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Grimma Verein stellt Weichen für Muldentalexpress zwischen Narsdorf und Rochlitz
Region Grimma Verein stellt Weichen für Muldentalexpress zwischen Narsdorf und Rochlitz
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16:35 07.04.2017
Bild aus früheren Zeiten: Ein Zug mit nur einem Waggon passiert Stollsdorf. Der Ort liegt zwischen Narsdorf und Rochlitz. Quelle: Foto:
Narsdorf/Rochlitz

Der MEX soll möglichst bis 2022 – zum 150. Streckenjubiläum – den Zugverkehr zwischen Narsdorf und Rochlitz zurückbringen: Das plant die Interessengemeinschaft Muldentabahn-Tourismus. Die entscheidende Weichen stellten die Bahn-Enthusiasten um Vereinschef Jens Bazan mit dem Kauf der knapp zehn Kilometer langen Trasse.

Die Strecke von Wildwuchs zu befreien, damit befassen sich die Mitglieder des Vereins seit zwei Jahren. Sie sind weit voran gekommen. Lediglich die drei Kilometer zwischen dem B-175-Übergang in Narsdorf und den Porphyrwerken auf der Höhe von Breitenborn müssen noch beräumt werden. Der Muldentalexpress MEX – präzise heißt das Projekt Frelsbachtalbahn – könne günstigenfalls im Herbst, „spätestens aber im nächsten Frühjahr“ erstmals Ausflügler befördern – zwischen Rochlitz und der ersten Station Köttwitzsch. Nach aktueller Planung wäre vielleicht schon 2019 Breitenborn erreicht, 2022 dann die gesamte Strecke an ausgewählten Wochenenden wieder in Betrieb. „Wir hoffen, dass die ersten Fahrten eine Initialzündung bewirken“, sagt Jens Bazan. Das romantische Frelsbachtals, das die Züge durchqueren, benötigt touristische Impulse, der Verein neue Mitstreiter.

Die IG Muldentabahn-Tourismus will die landschaftlich reizvoll gelegene Eisenbahnstrecke Rochlitz-Narsdorf erhalten. Dazu wurden zehn Kilometer Schiene gekauft. Der Muldentalexpress ist derzeit in der Werkstatt zur Generalreparatur. Ab 2019 soll ein erster Streckenabschnitt befahrbar sein.

Vor 145 Jahren, im April 1872, wurde die Zweigbahn von Narsdorf hinunter ins Muldental übergeben. Vor 70 Jahren wurde sie erstmals gesperrt, abgebaut, als Reparation für Kriegsschäden in die Sowjetunion verladen. Neu aufgebaut und in der Wendezeit extra ertüchtigt für viele weitere Jahre, war anno 2000 der letzte Reisezug abgefahren. Das das nicht das endgültige Aus der Strecke sein darf, darin ist sich der Verein mit vielen in der Region einig, die auf den Ausflugsverkehr setzen, perspektivisch aber auch die Stadt Rochlitz zurück ans Bahnnetz holen möchten.

Partner findet die IG Muldentalbahn-Tourismus auch in den Rathäusern. „Geithain war begeistert, als wir unser Konzept vorstellten. Dort sieht man das Potenzial, obwohl die Stadt nicht unmittelbar an dieser Strecke liegt und bestens angebunden ist. In Rochlitz dagegen standen wir lange vor verschlossener Tür. Das ändert sich erst allmählich“, sagt Bazan. Und das sei entscheidend, denn Erfolg habe die Wiederbelebung nur, wenn sie von möglichst vielen getragen werde. Der Verein selbst mit seinem guten Dutzend Aktiven könnte das allein nicht stemmen. Doch es gelingt ihm, bei Arbeitseinsätzen an der Strecke Helfer zu mobilisieren, die Sträucher, umgestürzte Bäume aus dem gut erhaltenen Gleisbett entfernen.

Einer von ihnen ist Dietmar Hausotter aus Narsdorf. „Ich stamme aus einer Eisenbahner-Familie“, sagt er. Der Vater war stellvertretender Bahnhofsvorsteher und Fahrdienstleiter, der Großvater hatte im markanten Bahnhofsgebäude sogar eine Dienstwohnung. Hausotter bedauert, dass der einst wichtige Kreuzungsbahnhof abgehängt ist. Seit dem Ausbau der Strecke Leipzig-Geithain-Chemnitz halten die Züge einige Hundert Meter entfernt; die Gleisverbindung nach Rochlitz wurde gekappt. Busse starten seither von Geithain aus und binden Rochlitz an.

2002 hatte die Deutsche Bahn die Strecke stillgelegt. Dem Pächter Deutsche Regionaleisenbahngesellschaft (DRE) gelang es nicht, für Verkehr zu sorgen. Die Mittelsächsische Eisenbahninfrastrukturgesellschaft Chemnitz (MSE) kaufte die Trasse 2016. Kürzlich wurde sich der Verein mit der MSE handelseinig. Der Kaufvertrag über die Trassengrundstücke ist unterschrieben. „Das ist ein entscheidender Schritt“, sagt Ralf Schieck vom Vereinsvorstand.

Ein SKL 25.1, mit dem früher Gleisbautrupps unterwegs waren, soll – durch einen Anhänger komplettiert – künftig Reisende befördern. „Der SKL ist zerlegt, wird instandgesetzt und umgebaut“, sagt Schieck. Der Muldentalexpress habe den Wernesgrüner Schienenexpress zum Vorbild, der auf zwölf Kilometern historischer Strecke Erzgebirge und Vogtland verbinde. In einem ersten Schritt soll er den Verkehr von Rochlitz bis Köttwitzsch, dann bis Breitenborn – hier existierte eine Bahnstation – und schließlich bis Narsdorf ermöglichen. Und dabei in gemächlichem Tempo die Schönheit der Landschaft vor Augen führen. Die fahrplanmäßige Reisegeschwindigkeit habe zuletzt bei maximal 35 Kilometern pro Stunde gelegen, sagt Schieck: „Schneller sind wir keinesfalls, eher langsamer, denn die Leute wollen das Fahren ja genießen.“

Weitere Informationen gibt der Verein auf seiner Homepage www.muldentalbahntourismus.de. Die Geschichte der Frelstalbahn erzählt der Band „Damals... – Fotografische Erinnerungen an die Eisenbahnen Rochlitz –Narsdorf – Altenburg und Penig – Langenleuba-Oberhain“, 2016 erschienen im Verlag edition bohemica und im Buchhandel erhältlich.

Von Ekkehard Schulreich

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