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Grimma Vergabe gescheitert: Furtwegbrücke bleibt gesperrt
Region Grimma Vergabe gescheitert: Furtwegbrücke bleibt gesperrt
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20:01 23.05.2018
Ist zu und bleibt zu: Die Furtwegbrücke soll bis zur erfolgten Sanierung gesperrt bleiben. Doch diese verzögert sich weiter. Quelle: Thomas Kube
Colditz

Der Wurm ist drin und lässt sich nicht austreiben. Seit Jahren versucht die Stadt, die Furtwegbrücke zu sanieren, doch auch jetzt will ihr das nicht gelingen, obwohl sie alle notwendigen Vorarbeiten geleistet hat. Inzwischen wird’s eng, denn wenn das inzwischen gesperrte Bauwerk bis Mitte nächsten Jahres nicht auf Vordermann gebracht ist, verfällt die großzügige Förderung durch den Freistaat.

„Auf unsere öffentliche Ausschreibung für mittelständische Brückenbaufirmen hat sich bis zum Stichtag 8. Mai kein Unternehmen gemeldet, das die Sanierung übernehmen will“, bedauert Bauamtsleiterin Angela Rößner. Aus ihrer Sicht hat das mit der boomenden Konjunktur zu tun, die Auftragsbücher der Betriebe seien gefüllt.

Vorhaben wird in kleinere Lose aufgeteilt

Nun beruht ihre ganze Hoffnung auf einer Alternative. „Wir werden das ganze Vorhaben prüfen und in mehrere Lose aufteilen“, kündigt sie an. „Dann schieben wir die Ausschreibung noch einmal an, so dass sich auch kleinere Unternehmen bewerben können.“

Somit könnte frühestens im Juli der Stadtrat die Aufträge vergeben, vorausgesetzt, diesmal finden sich interessierte Betriebe. Und wenn diese genügend Kapazitäten hätten, gleich loszulegen, könnte der Baustart noch im August erfolgen. Selbst bei diesen optimistischen Annahmen ließe sich das Vorhaben jedoch dieses Jahr nicht mehr komplett umsetzen. „Es wird sich ins nächste hineinziehen“, erklärt Rößner.

Freistaat Sachsen übernimmt Sanierungskosten

Dort lauert eine Frist. Mitte 2019 endet der Bewilligungszeitraum der genehmigten Fördermittel. Nach der Flut von 2013 hatte der Freistaat den Kommunen versprochen, die Kosten für die Hochwasserschadensbeseitigung zu 100 Prozent zu übernehmen. Das hieße, die Stadt erhielte eine sanierte Brücke, ohne etwas zuzahlen zu müssen. Eine Chance, die sich so schnell nicht wieder bieten dürfte.

Anläufe hatte es schon mehrere gegeben. Nach langen Bemühungen wurden 2005 erstmals Fördermittel für die Instandsetzung gewährt, doch dabei ging es, so erinnert sich Ex-Bürgermeister Manfred Heinz (FDP), eher um Reparaturen. Als die Brücke vor fünf Jahren durch die gewaltigen Wassermassen massiv in Mitleidenschaft gezogen wurde, drängte sich das Thema erneut auf. Bereits 2015 sollte die Sanierung erfolgen, hieß es damals aus dem Bauamt. Dank der Beihilfen kein finanzielles Problem für die Stadt.

Wichtige Zufahrt für großen Arbeitgeber

Schwerwiegender gestaltete sich die Frage, wie das Werk Magmalor der Ferro-Gruppe für Lastwagen noch erreichbar sein sollte, wenn die Furtwegbrücke während der Instandsetzung voll gesperrt wird. Die zweite Zufahrt zum Betrieb kam nicht infrage, weil die Fahrzeuge durch die zu kleine Eisenbahnbrücke nicht hindurchpassten. Täglich liefern bis zu 40 Lastwagen Rohstoffe wie Metalloxide und Silikate beim Glasfarbenhersteller an beziehungsweise holen Endprodukte wie Glasuren für die Dachziegelindustrie, anorganische Buntpigmente und Dekorfarben ab. Diese Transporte durften nicht unterbrochen werden, schließlich handelt es sich bei Magmalor um einen der größten Arbeitgeber von Colditz.

Umfahrung soll bei künftigen Sanierungen genutzt werden

So ließ die Stadt nach ausgiebigen Verhandlungen gerade eben eine 675 Meter lange Umfahrung bauen. Von der Bundesstraße 107 führt das Asphaltband zum Briefverteilzentrum der Post und weiter zur ehemaligen Getreidewirtschaft, dann kreuzt es die Bahnlinie und endet im Gewerbegebiet. Teilweise geht es sehr eng zu, der Verkehr wird abwechselnd per Ampel durchgelassen. Bestand haben soll die Verkehrsader noch lange, denn wenn nach der Sanierung der Furtwegbrücke die Kreuzung der B 107 mit der Geithainer Straße und dem Furtweg ausgebaut wird, dient sie ebenfalls als Umleitungsstrecke. „Den dann benötigten Abschnitt von der Furtwegbrücke zur Gewerbegebietszufahrt haben wird deshalb schon jetzt mit instand gesetzt“, erläutert Rößner.

Brücke für Verkehr nicht mehr belastbar

Wegen all der Arbeiten ist die Furtwegbrücke schon seit Januar gesperrt. Und das bleibt sie auch, selbst wenn sich ihre Sanierung weiter verzögert. „Wir können sie nicht öffnen, weil eine Prüfung ergab, dass sie die Verkehrsbelastungen nicht aushalten würde“, so Rößner.

Vorgesehen ist eine Betonsanierung der Brücken-Widerlager. Die Fahrbahn soll abgefräst und neu aufgebaut werden. Alle Stahlbauteile erhalten einen Korrosionsschutz, Ampel und Straßenbeleuchtung werden auf Vordermann gebracht.

Von Frank Pfeifer

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