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Grimma Verkäufer-Training am Rand von Fremidswalde: Anrainer stöhnen über Staub und Krach
Region Grimma Verkäufer-Training am Rand von Fremidswalde: Anrainer stöhnen über Staub und Krach
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00:21 04.09.2017
Staubwolke hinterm Gartenzaun. Anrainer fühlten sich von den anfangs dicht vorbei kommenden Testfahrten genervt. Quelle: privat
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Grimma/Fremdiswalde

Vielleicht kühlt der Regen die Gemüter. Feld-Anrainer in Fremdiswalde mussten in dieser Woche entsetzt mit ansehen, wie ihre Häuser durch landwirtschaftliche Maschinen massiv eingestaubt wurden. Der Südwind trieb die trockene, lockere Erde direkt zu den Grundstücken am Dorfrand. Auch der stundenlange Lärm der zunächst nah an den Anwesen vorbei rauschenden Traktoren und Mähdrescher ging den Anwohnern mächtig auf die Nerven.

Was ist passiert? New Holland, weltweit zweitgrößter Hersteller von Landmaschinen, macht seit Montag in Fremdiswalde die deutschen Verkäufer seiner neuesten Maschinen fit. Sie werden geschult, damit sie wissen, was sie an den Landwirt bringen sollen. Testfahrten auf dem Feld, auch mit Bodenbearbeitung, gehören zum Programm. Die Nerchau-Mutzschen Agrar und Service GmbH stellte dazu ihre Hallen und gepachteten Felder zur Verfügung.

„Das kam ohne Vorankündigung“, ärgert sich Hendrik Molkenbur. Mit den Nachbarn rätselte seine Familie anfangs, was da auf dem Feld vor ihren Grundstücken vor sich geht. Am Dienstag seien die Maschinen ununterbrochen von 10 bis 18 Uhr gefahren, so der 50-Jährige. „Große Traktoren mit Hänger sorgten für eine Staubwolke und Krawall.“ Die weiße Fassade und Fenster seines Hauses seien eingedreckt. Wegen der Nähe der Testfahrten zum Wohngebiet suchte seine Frau umgehend das Gespräch mit den New-Holland-Leuten und Firmenchef Steffen Richter und schaltete auch das Grimmaer Ordnungsamt ein. Ihre Familie hat wie andere Anrainer ihr Feld vorm Haus an das Nerchau-Mutzschener Agrarunternehmen verpachtet. Laut Vertrag sei nur eine landwirtschaftliche Nutzung zulässig, gibt Simone Molkenbur zu verstehen. Schulungen oder Veranstaltungen gehörten nicht dazu, empört sich auch ihr Mann.

Stimmt nicht, kontert ein ebenso aufgebrachter Firmenchef Steffen Richter, der auch im Grimmaer Stadtrat sitzt. „Die Pachtverträge decken, was wir machen.“ Er müsse auch niemanden im Dorf fragen, „wenn ich etwas machen will“. Er sei stolz darauf, dass der Konzern seine Technik in Fremdiswalde vorstelle. „Das ist ein Vertrauensvorschuss für uns“, so Richter, der nach eigenen Angaben seit 20 Jahren Maschinen von New Holland fährt. Landwirtschaft bringe nun einmal Belästigungen mit sich, gibt Richter zu verstehen und empfindet die Beschwerden als „riesen Unverschämtheit“. „Wir wurden hingestellt wie die Buhmänner der Nation.“ Die Landmaschinen würden nur zur Werkzeit fahren, und nach den Hinweisen „haben wir sofort reagiert“. Das Aktionsgebiet sei 300 Meter weiter nach hinten gerückt worden, der Weg, „wo wir in Dorfnähe queren mussten“, sei gewässert worden. „Wir hätten auch so reagiert“, sagt Richter, die Windrichtung sei nicht planbar gewesen. Er spricht von einem Mehraufwand, „um den Dorffrieden zu bewahren“.

Ihr Vollzugsdienst sei vor Ort gewesen und habe mit dem Veranstalter gesprochen, so Grimmas Ordnungsamtsleiterin Katrin Werner. Man sei übereingekommen, das Geschehen weiter weg vom Ortsrand zu verlegen. Mehr Handlungsbedarf sah das Amt nicht. Die Veranstaltung finde auf Privatland statt.

Für Klaus Senghaas, Camp-Chef der New-Holland-Truppe, ist es die perfekte Location. Er kenne Steffen Richter schon lange und habe ihn aufgrund der großen Hallen und angrenzenden Felder für die Veranstaltung angefragt. „Wir laufen hier von der Station auf den Acker und verlieren so keine Zeit“, erläutert Senghaas und zeigt die zum Schulungsraum umfunktionierten Hallen. In drei Durchgängen zu je zwei Tagen werden in Fremdiswalde rund 180 Leute des Konzerns und seiner Vertriebspartner mit Neuheiten der Agrartechnik vertraut gemacht. Die Verkäufer sollen das Gefühl für je zwei verschiedene Traktoren und Mähdrescher, die im Herbst auf der Agrotechnika in Hannover präsentiert werden, bekommen. Laut Senghaas wird das einmal im Jahr gemacht. New Holland ist eine Fiat-Tochter mit Sitz in Turin, die deutsche Zentrale ist in Heilbronn angesiedelt.

Auch Senghaas sagt, dass auf die Beschwerden der Anwohner reagiert worden sei. Wegen des Staubes sei ein 10 000-Liter-Wassertank geholt worden. „Wir nehmen seitdem auch eine andere Ausfahrt zum Feld“, so der Camp-Chef. Stolz zeigt er auf einen nigelnagelneuen, gelben Mähdrescher im Hof. Es sei weltweit der größte: 12,50 Meter Schnittweite, 700 PS, GPS auf dem Dach. „Er steht in der Liste mit 640 000 Euro“, sagt Senghaas.

Von Frank Prenzel

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