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Verschönerungskur für Toiletten: Naunhof peppt Moritzsee-Ufer auf

Verschönerungskur für Toiletten: Naunhof peppt Moritzsee-Ufer auf

Mit glasklarem Wasser empfängt der Moritzsee an der Autobahn 14 dieser Tage die Besuchermassen. Damit es auch rundherum schick aussieht, lässt die Stadt Naunhof seit fast zwei Jahren die Außenanlagen herrichten.

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Michael Klemm (l.) und Florian Reichelt haben eines der Toilettenhäuschen am Naunhofer Autobahnsee mit lustigen Graffiti farblich gestaltet.

Quelle: Thomas Kube

Naunhof. Im Moment verschönern Graffiti-Künstler das Sanitärgebäude hinten am Rodelberg.

Michael Klemm ist ein Naunhofer Urgestein, auch wenn er jetzt in Dresden wohnt. In seiner neuen Heimat hat der Architekt nur die Elbe, in die er mal springen kann. "Da weiß man erst die Seen hier zu schätzen", sagt der 32-Jährige. Mit seinem Freund Steven Klette (33), der in Fuchshain aufwuchs und mittlerweile in Leipzig als selbstständiger Messebauer seine Brötchen verdient, will er etwas tun, um die Attraktivität der Gewässer zu steigern.

Beide kennen sich schon aus der Schulzeit, waren damals in der Hiphop-Szene unterwegs. Die einen fuhren Skateboards, andere legten Musik auf, und sie blieben eben bei den Graffiti hängen. Mit Florian Reichelt (26) aus Gerichshain haben sie in jüngster Zeit viele Projekte umgesetzt, unter anderem in Leipzig und Grimma. Über einen Zufall kamen sie nun zum Auftrag von Naunhof, dem Sanitärgebäude mit Motiven aus der Natur eine echt frische Note zu verleihen.

Klettes Tante Andrea Lindner, die in der Tankstelle der Parthestadt arbeitet, kennt Günter Neidhold, den Verantwortlichen der Stadt für Moritz- und Grillensee. Und dieser suchte nach jemandem, der die Außenhaut des Sanitärgebäudes aufwertet. Schnell war die Sache abgemacht - ohne dass es die Stadt viel kostet. Sie zahlt die Farbe und einen Obolus, und die drei Akteure sind froh, Wände zu haben, an denen sie sich verwirklichen können.

Ein grobes Konzept hatten sie im Kopf, als sie loslegten. Vieles geschah aber spontan. "Wir beginnen an einer Ecke und arbeiten uns dann Schritt für Schritt vor", erklärt Klemm. "Das wird eine Landschaft mit Vögeln, Schmetterlingen und allem, was uns noch so einfällt."

Der Fortschritt hänge von der Tagesform ab. Manchmal gehe es hintereinanderweg, dann wieder brauche es Stunden für einen Quadratmeter. Klemm: "Wir sehen aber zu, dass wir so schnell wie möglich fertig werden."

Über viele Jahre hinweg war das Sanitärgebäude ein Schandfleck gewesen, der seiner eigentlichen Bedeutung nicht gerecht wurde. Es war irgendwann geschlossen, weil unnutzbar. Im Winter ließ es die Stadt ausbauen, und zwar gleich behindertengerecht, so dass jetzt auch Rollstuhlfahrer leichten Zutritt finden. "Die Toiletten können nun auch im Winter aufgeschlossen werden, wenn am nahen Hang gerodelt wird", kündigt Bauamtsleiter Thomas Hertel an.

Seit Herbst 2013 tut sich sichtbar etwas am Moritzsee, der im Volksmund eher Ammelshainer See genannt wird. Es wurden neue Bänke und Tische aufgestellt. Nach einem Beachvolleyball-Turnier im Leipziger Zentrum ließ die Stadt einen Teil des Sandes an den Hauptbadestrand fahren. Das dortige Sanitärgebäude ist dieses Jahr malermäßig in Stand gesetzt worden. Kleine Reparaturen fallen sowieso laufend an.

"Rechne ich alle Investitionen dazu, dann bleiben die Seen ein Zuschussgeschäft", bilanziert Bauamtsleiter Hertel. Rund 60 000 Euro konnte die Kommune nach seinen Worten bisher in dieser Saison über die Parkgebühren einnehmen, 80 000 Euro hat sie insgesamt an solchen Einnahmen geplant. Es kommt vor allem auf das Wetter an, ob dieses Ziel bis in den September hinein erreicht werden kann. Im vergangenen Jahr wurde es verfehlt, weil Petrus im August sein Zutun verweigerte.

Freilich hofft die Stadt auch, das Geschaffene so lange wie möglich vor Vandalismus bewahren zu können. Zumindest was die Fassaden des Sanitärgebäudes am Rodelhang anbelangt, macht sich Michael Klemm wenig Sorgen, dass sie wie andere Einrichtungen am See mit wilden Symbolen verunziert werden. "Es existiert ein Ehrenkodex bei den Sprayern, die Arbeiten der Anderen zu akzeptieren", sagt er. Zwar gebe es auch einige Leute aus der rechten und aus der Fußballszene, die keinen solchen Respekt zeigen. "Aber hier geht es schließlich um Bilder, die nicht in einer Nacht- und Nebelaktion entstehen", mahnt der Graffiti-Künstler zur Umsicht.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.08.2015
Frank Pfeifer

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