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Grimma Versuchter Mord: Angeklagter hatte 14 Euro Schulden beim Dealer
Region Grimma Versuchter Mord: Angeklagter hatte 14 Euro Schulden beim Dealer
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15:12 09.03.2018
Am Grimmaer Pulverturm kam es im Juli zu dem Streit. Quelle: Andreas Röse
Leipzig/Grimma

Am zweiten Prozesstag schilderte der Angeklagte Siavash A. aus seiner Sicht, wie es im Juli vergangenen Jahres zu der Messerstecherei am Grimmaer Pulverturm gekommen war. Der Iraner hatte dort einem Afghanen schwere Verletzungen zugefügt und muss sich deswegen vor der 1. Strafkammer des Landgerichtes Leipzig wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verantworten, wie die Staatsanwaltschaft Leipzig angeklagt hatte.

Verletzter Afghane war Dealer des Tatverdächtigen

Der Iraner machte zu Beginn des Verhandlungstages am Freitag ausführliche Einlassungen. Vom verletzten Afghanen (25) habe er als langjähriger Drogenkonsument („ich nehme seit vielen Jahren jede Art von Drogen, zuletzt hauptsächlich Crystal“) mehrfach seinen Stoff erhalten, seit er Ende 2015 nach Deutschland kam, wo er seitdem in der Asylunterkunft Grimma untergebracht ist. Er sei ein „guter Kunde gewesen“, weil er immer bar bezahlt habe. Das Geld für die Drogen habe er von seiner Familie erhalten. Die sei eine angesehene und wohlhabende Fabrikantenfamilie in Teheran. „Ich habe monatlich 1500 Euro von meinen Geschwistern oder Eltern erhalten“, erklärte A. dem Vorsitzenden Richter Hans Jagenlauf. Zusätzlich habe er Sozialleistungen (160 bis 170 Euro) in Deutschland erhalten, die ihm zuletzt aber gestrichen worden seien. Seine Flucht aus dem Iran erklärte der Angeklagte mit Verwerfungen innerhalb der Familie – besonders mit seiner Mutter: „Sie wollte keinen drogensüchtigen Sohn in der Familie. Und ich habe ihren Glauben nicht geteilt.“

Crystal im Wert von 14 Euro geschnurrt

Am Tattag, den 19. Juli im vergangenen Sommer, sei er nicht flüssig gewesen und habe bei Mohammad S. um Kredit gebeten. Für 14 Euro habe er von dem afghanischen Dealer Crystal erhalten und ihm zugesichert, dass er das Geld bald zurückerhalten, da er eine erneute Finanzspritze aus dem Iran erhalten würde. Nur ein paar Stunden später hätte S. auf Begleichung der Schulden gepocht, den Angeklagten in Sprachnachrichten beleidigt und bedroht und ihn aufgefordert, die 14 Euro am Abend zum Pulverturm zu bringen.

Dort eskalierte dann die Situation. „Der Mann ist streitsüchtig und hat schon mehrfach gedroht“, berichtete Siavash S. den Prozessbeteiligten. Deswegen habe er „für den Fall der Fälle“ ein Messer eingesteckt, dass er als Besteck in der Flüchtlingsunterkunft erhalten habe. „Ich hatte nicht vor, den Mann zu verletzen, wollte mich nur verteidigen können, wenn es sein muss.“ Nach Schilderung des Angeklagten habe Mohammad S. ihn an der Grimmaer Grünfläche sofort verbal attackiert, habe schließlich eine abgebrochene Glasflasche genommen und sei auf ihn losgegangen. Woraufhin A. sein Messer zückte, um die Attacken abzuwehren. Dabei verletzte er den 25-Jährigen an Kopf, Arm und Rücken.

Tatwaffe aus dem Zug nach Chemnitz geschmissen

Tags darauf sei er mit Bus und Bahn nach Chemnitz gefahren, „das Messer habe ich aus dem Zug geschmissen“. Dort wurde er später festgenommen und in Untersuchungshaft gebracht.

Der Prozess wird Ende des Monats fortgesetzt.

Von Thomas Lieb

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