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Verwirrspiel am Belgershainer Bahnhof

Verwirrspiel am Belgershainer Bahnhof

Bernd Weisbrich wohnt genau dort, wo in Belgershain die Züge halten. Und so musste der rüstige Rentner feststellen, dass sie seit dem Fahrplanwechsel im Dezember nicht mehr so halten, wie sie es sollten.

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Vielbefahrenes Gleis: Hier am Bahnsteig 2 treffen tagsüber nicht nur die Züge nach Bad Lausick ein, sondern mitunter auch jene nach Leipzig. Bernd Weisbrich, der das beobachtet, kritisiert, dass das Prinzip des Rechtsverkehrs nicht mehr generell gilt.

Quelle: Frank Pfeifer

Belgershain. Er spricht von einem Verwirrspiel, hofft auf Erklärungen.

Bis zum 14. Dezember vergangenen Jahres rollten die Züge auf gewohnten Gleisen. Die in Richtung Leipzig hielten am Bahnsteig 1, die in Richtung Bad Lausick und Geithain am Bahnsteig 2. "Es herrschte normaler Rechtsverkehr", erläutert Weisbrich. "Darauf konnte man sich verlassen."

Morgens und abends sei das immer noch so. Der Regionalexpress der Deutschen Bahn, der nur zu diesen Spitzenzeiten hält, nehme an den vertrauten Plattformen Passagiere auf. Weisbrich: "Auch die Mitteldeutsche Regiobahn stoppt dann auf den richtigen Seiten, weil sich die Züge unterwegs kreuzen."

Nur teilweise Rechtsverkehr

Am Tage allerdings, wenn wenig los ist, gerate das System aus den Fugen. Dann würden mitunter nicht nur die Züge der Mitteldeutsche Regiobahn nach Bad Lausick, sondern auch jene nach Leipzig am Gleis 2 eintreffen.

Und das, obwohl in den ausgehängten Fahrplänen der andere Bahnsteig als Abfahrtsort genannt wird. Weisbrich sah schon, wie einige Kunden in Panik gerieten, als der Zug nicht auf dem Gleis einfuhr, an dem sie warteten. Sie mussten dann raus auf die Ladestraße rennen und 50 Meter weiter über die Brücke eilen, um zum anderen Bahnsteig zu gelangen. "Das Zugpersonal war bisher immer freundlich und hat gewartet", betont Weisbrich.

Durchsagen zu spät

Nicht warten könnte die Regiobahn aber wahrscheinlich, wenn eine Mutter mit Kinderwagen oder ein Rollstuhlfahrer am Bahnsteig 1 stehen würde, während der Zug auf Gleis 2 ankommt. Diese Kunden müssten, da die Brücke nicht mit einem Fahrstuhl ausgestattet ist, das weit entfernte Tunnel nutzen, um die andere Seite zu erreichen. Ein Umweg von fast einem Kilometer, der nicht in wenigen Minuten zu bewältigen wäre. "Einen solchen Fall habe ich zwar noch nicht beobachtet", räumt Weisbrich ein. Doch wenn es dazu käme, müsste der Betreffende zwei Stunden bis zum nächsten Zug nach Leipzig warten. Und dann sei am Ende wieder ungewiss, an welcher Plattform die Bahn eintrifft.

Zwar wird manchmal über die Lautsprecher die Änderung des Bahnsteigs bekannt gegeben. Doch das, so Weisbrich, geschieht mitunter erst, wenn der Zug den Bahnhof schon verlassen hat. Also auch darauf kann seiner Meinung nach niemand vertrauen.

Für ihn gibt es keinen Grund, warum die Regel des Rechtsverkehrs nicht mehr eingehalten wird. Und er fragt: "Kann jemand dieses Verwirrspiel erklären?"

Die LVZ gab die Frage an die Mitteldeutsche Regiobahn weiter. "Die Belegung der Gleise wird in der Bahnhofsfahrordnung festgelegt, die von der DB Netz AG erstellt wird. Die Mitteldeutsche Regiobahn GmbH hat als privates Eisenbahnverkehrsunternehmen somit keinen Einfluss darauf, welcher Zug von welchem Bahnsteig abfährt", antwortete Anita Kurzidim von der Pressestelle. Auch auf Lautsprecherdurchsagen bei spontanen Änderungen der Bahnsteige könne die Regiobahn keinen Einfluss nehmen. Kurzidim: "Natürlich haben wir vollstes Verständnis für die Enttäuschung unserer Fahrgäste." Generell empfehle das Unternehmen seinen Kunden, sich vor der Abfahrt des Zuges auf den Anzeigetafeln am Bahnsteig zu informieren.

Laut Bahn AG Änderungen normal

Die Deutsche Bahn AG begründete die unterschiedliche Nutzung der Bahnsteige mit "infrastrukturellen und betrieblichen Bedürfnissen". Pressesprecher Jörg Bönisch sagte: "Rechtsverkehr ist kein Dogma." Änderungen könne es zu jedem Wechsel der Fahrpläne geben, aus denen dann ersichtlich sei, ob die Züge von Gleis 1 oder 2 abfahren. Entschuldigen müsse sich die Deutsche Bahn aber, wenn außerplanmäßige Wechsel der Bahnsteige nicht rechtzeitig per Lautsprecher durchgesagt wurden. Warum das teilweise so war, kann laut Bönisch nicht mehr reproduziert werden. Der Hinweis sei aber an die zuständigen Stellen weitergeleitet worden, um derartige Vorkommnisse künftig zu vermeiden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.01.2014
Pfeifer, Frank

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