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Viel Applaus beim 26. Augustinerkonzert

Grimma Viel Applaus beim 26. Augustinerkonzert

Es kam nicht ohne Überraschung aus – das 26. Augustinerkonzert am Sonnabend. Das überragende Reinhold-Quartett bekam viel Beifall für seine Darbietungen. Eine Zugabe musste sein.

Bestritten das Augustiner Konzert: das Reinhold Quartett, bestehend aus Dietrich Reinhold 1. Violine, Tobias Haupt 2. Violone, Norbert Tunze Viola und Dorothee Erbiner Violoncello.

Quelle: Frank Schmidt

Grimma. Stephan König, der musikalische Spiritus Rector der Augustiner-Konzerte, wartet immer wieder mit Überraschungen auf. So auch diesmal: Die unter „Klassische Klavierkonzerte“ angekündigte Veranstaltung am vergangenen Sonnabend kam in ihrem ersten Teil vollständig ohne Klavier aus, und das, obwohl der Komponist Carl Reinecke (1824-1910) seinerzeit sogar als besonders virtuoser und experimentierfreudiger Pianist galt. Möglich wurde diese Programmüberraschung durch das überragende Reinhold-Quartett. Die Gewandhausmusiker Dietrich Reinhold (1. Violine), Tobias Haupt (2. Violine), Norbert Tunze (Viola) und Dorothee Erbiner (Violoncello) erfüllten den bis auf den letzten Platz besetzten Kleinen Festsaal mit Wärme und Wohlklang. 1891 hatte der wenig bekannte Carl Reinecke sein Streichquartett Nr. 5 g-Moll op.287 komponiert. Im selben Jahr war der Festsaal (damals als Betsaal) eingeweiht worden, der sich wieder im Originalzustand zeigt. Die beschwingte Heiterkeit dieses wunderbaren Raumes kontrastierte zu Reineckes Musik, die ernst und getragen, schwer und dramatisch in Ohr und Herz drang. Strahlende Akkorde hielt vor allem der 3. Satz, das Adagio, bereit. Das Publikum dankte mit sehr viel Beifall, was zeigt, dass Reinecke zu Unrecht selten gespielt wird. Immerhin ist er der Gewandhauskapellmeister mit der längsten Amtszeit. 35 Jahre wirkte er dort. Frühzeitig wurde er von Mendelssohn Bartholdy gefördert, stand im Austausch unter anderem mit Robert Schumann und Johannes Brahms. Da Beziehungsgeflechte durch Zeiten und Orte wachsen, nahm es auch nicht wunder, dass der Begründer des Reinhold-Quartetts lange in Naunhof wohnte und natürlich vielfältige muskalische und private Verbindungen nach Grimma hat, so wie viele der bisher von Stephan König im St. Augustin präsentierten Künstler. Und bei denen, die solche Connections noch nicht laut werden ließen, würden Stephan König und das Grimmaer Stammpublikum diese im Dialog sicher noch freilegen. Überhaupt das Publikum: Die Getreuen werden älter, die Haare weißer. Doch „tempus fugit amor manit“ (die Zeit vergeht, die Liebe bleibt), und nach nunmehr 26 Augustinerkonzerten besteht kein Zweifel daran, dass es ebenso wie Stephan König dieser festen Größe in Grimmas Kultur- und Bildungssymphie die Treue hält.

Nach der Pause bebte der Saal samt Zuhörern und Musikern mit Stephan König am Flügel vor ungarischem Temperament beim Klavierquintett Nr. 1 c-Moll op. 1 des Komponisten ernst von Dohnányi (1877-1960). Man sieht schon, auch er entstammt einer Familie mit vielfältigen Beziehungen in Künstler- und Politikerkreise hinein. Dieses sein Erstlingswerk komponierte er mit 18 Jahren. So viel Leidenschaft in dem jungen Mann, solche Wucht und Dramatik, aber auch flehende Innigkeit in seiner Musik, dass die Zuhörer nach dem 1. Satz kaum den Beifall zurückhalten konnten. Sie dankten am Schluss mit nicht enden wollendem Applaus, die Musiker dankten mit einer Dohnányi-Zugabe.

Von Beate Bahnert

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