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Volkschor Klinga sucht neue Stimmen – vor allem Männer gefragt

Traditionsensemble Volkschor Klinga sucht neue Stimmen – vor allem Männer gefragt

Der Volkschor Klinga wäre aus unserem Gemeindeleben nicht wegzudenken“, urteilt Bürgermeister Jürgen Kretschel (parteilos). Seit fast 70 Jahren ist das Ensemble fest im Ort verwurzelt, ihm geht es gut. Nur an einer Stelle drückt der Schuh: Die Herren der Schöpfung tun sich schwer, es werden mehr Männerstimmen gebraucht.

Der Volkschor Klinga bei einem seiner Frühlingskonzerte in der Kirche des Ortes. Zweimal im Jahr tritt er dort auf. Hinten links der Vorsitzende des Vereins, Volker Michael.

Quelle: Ralf Saupe

Parthenstein/Klinga. „Der Volkschor Klinga wäre aus unserem Gemeindeleben nicht wegzudenken“, urteilt Bürgermeister Jürgen Kretschel (parteilos). Seit fast 70 Jahren ist das Ensemble fest im Ort verwurzelt, ihm geht es gut. Nur an einer Stelle drückt der Schuh: Die Herren der Schöpfung tun sich schwer, es werden mehr Männerstimmen gebraucht.

Mit 30 sangesfreudigen Kehlen bringt der Chor für ein Dorf wie Klinga ein stattliches Potenzial mit. Auch der Altersdurchschnitt von rund 60 Jahren wirkt im Vergleich zu anderen Chören fast noch jugendlich. Allerdings handelt es sich meist um Frauen. Das Gegengewicht bilden lediglich zwei Tenöre und sechs Bässe. Im Amtsblatt der Gemeinde Parthenstein hatte der Verein deshalb kürzlich einen Aufruf veröffentlichen lassen mit dem Ziel, neue Mitglieder zu gewinnen. „Ohne Resonanz“, bedauert der Vorstandsvorsitzende Volker Michael.

Er kann sich vorstellen, dass neue Sänger nicht nur aus Klinga hinzustoßen; schon jetzt kommen einige Chormitglieder aus Großsteinberg, Pomßen, Ammelshain und sogar Grottewitz, das zu Grimma gehört. „Wenn sich Frauen melden, nehmen wir sie natürlich auch mit Kusshand. Und natürlich würden wir uns über junge Menschen freuen“, sagt der 61-Jährige, der im normalen Leben ein Mietwagenunternehmen betreibt.

Für jeden im Ensemble ist das Singen eine Freizeitbeschäftigung, es handelt sich – wie der Name schon sagt – um einen Laienchor. Als er sich 1948 nach dem Zweiten Weltkrieg gründete, setzte er die Tradition des Männergesangsvereins Liedertafel fort, den es ab 1879 in Klinga gegeben hatte, der aber die Zeiten nicht überstand. Der erste Leiter war Werner Fritze, in Spitzenzeiten erklangen bis zu 40 Kehlen. Von Anbeginn an standen Volkslieder im Vordergrund, ohne sie wäre auch jetzt kein Konzert vorstellbar. Nach dem Mauerfall fielen jedoch die politischen Lieder weg, die zu DDR-Zeiten Pflicht waren.

Heute gehören zum Repertoire auch neuere Lieder wie „Morning Has Broken“ von Cat Stevens und „Die Rose“ von Amanda Mc Broom. Das Klingaer Heimatlied von Gerhard Metz, der den Chor in den 1980er-Jahren leitete, und Robert Wiesner aus Ammelshain ist ein Muss auf jedem Konzert. Gesungen werden auch Kirchenlieder und klassische Stücke. Momentan wagt sich der Chor sogar an den Gefangenenchor der Verdi-Oper Nabucco heran, und zwar in Originalsprache. Niemand beherrscht Italienisch. „Wir fingen zuerst damit an, den Text zu sprechen. Dann haben wir Zeile für Zeile gesungen“, schildert Volker Michael, einer der beiden Tenöre. Das Publikum müsse sich allerdings noch eine Weile gedulden, zur Erstaufführung werde es wahrscheinlich erst im kommenden Jahr kommen.

Um die Besucher immer wieder zu begeistern, will der Chor zu jedem Konzert mindestens zwei neue Stücke vortragen. Damit sie sitzen, wird jeweils donnerstags ab 19.30 Uhr im Klingaer Kulturraum geprobt. „Das läuft locker ab, nicht wie in der Schule“, schildert Michael. Alle vier Wochen stehen Spaß und Geselligkeit im Vordergrund, dann werden statt der Proben die Geburtstage des jeweils abgelaufenen Monats gefeiert. Gaudi versprechen auch die Schlachtfeste, zu denen die Ehepartner mit eingeladen sind. Sänger überraschen dann mit spontanen und geheim vorbereiteten Einlagen die Runde.

„So organisiert der Chor für sich eine sinnvolle Freizeitgestaltung und bereichert zugleich das kulturelle Angebot in der Gemeinde in erheblichem Maße“, lobt Bürgermeister Kretschel. Feste Größen sind die Frühlings- und Weihnachtskonzerte in der Klingaer Kirche. Der Verein gibt Ständchen zu runden Geburtstagen und Hochzeiten im Dorf. Und er gastiert außerhalb, zum Beispiel auf den Weihnachtsmärkten in Naunhof und im Leipziger Ortsteil Holzhausen oder beim Cladesingen des Männerchors Naunhof.

„Mit den Vereinen im Dorf stehen wir in gutem Kontakt“, berichtet Volker Michael, der den Vorsitz 2005 von Peter Voigtländer übernommen hatte, der zuvor über 30 Jahre lang der Chef war. „Egal ob Feuerwehr oder Sportler, wir helfen uns gegenseitig. Auch mit der Gemeinde haut es hundertprozentig hin. Sie lässt uns kostenlos den Kulturraum nutzen und hilft, wo sie kann.“

So sind die Proben gesichert, die unter der musikalischen Leitung von Dietrich Wiesemann aus Großsteinberg stehen. „Er macht seine Sache ausgezeichnet“, betont Volker Michael. „Keiner muss bei ihm vorsingen. Er sagt zu niemandem: ,Du machst dies oder jenes verkehrt.’ Trotzdem versuchen wir auch als Laienchor ein gewisses Niveau zu erreichen.“ Davon zeugen nicht zuletzt zwei CDs, die ein professionelles Tonstudio mit dem Klingaer Volkschor und anderen Ensembles der Region aufnahm.

Wer im Volkschor Klinga mitsingen möchte, meldet sich bei Volker Michael unter Telefon 0172/3 43 64 81.

Von Frank Pfeifer

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