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Grimma Volkschor feiert 70. Geburtstag mit Konzert
Region Grimma Volkschor feiert 70. Geburtstag mit Konzert
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00:30 09.06.2018
Der Volkschor Klinga zur Probe im ehemaligen Kultursaal des Ortes. Seit 2003 dirigiert ihn Dietrich Wiesemann (rechts). Quelle: Thomas Kube
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Parthenstein/Klinga

Sein Name ist Programm: der Volkschor Klinga. Die Mitglieder kommen aus dem Volk, sind Laien mit Freude am Gesang. Und dieser Gesang klingt echt gut. Seit 70 Jahren gibt es das Ensemble nun, was es am 10. Juni mit einem Konzert feiern will, an dem auch andere Chöre mitwirken.

In gewohnter Weise möchten die Klingaer zum Jubiläum ihr Publikum mitreißen. Denn auch wenn sie keine Profiausbildung absolviert haben, gilt für sie doch eine Devise: Die Qualität muss stimmen. „Unser Dirigent achtet schon darauf, dass wir auftrittsreif sind“, betont Vereinschef Volker Michael (63). Dreimal pro Monat, jeweils donnerstagabends, proben die 22 Frauen und acht Männer intensiv im ehemaligen Kultursaal an der Kirche.

Wurzeln der Chorbewegung in Klinga reichen bis 1879 zurück

Damit setzen sie eine Tradition im Ort fort, die bis weit vor die Gründung ihres Ensembles zurückreicht. 1879 begann die Chorbewegung mit dem Männergesangsverein Klinga-Staudnitz, der sich später in Liedertafel umbenannte. In den Wirren des Zweiten Weltkriegs wurden viele Mitglieder zur Wehrmacht eingezogen, die Vereinigung löste sich auf.

„1948 sollte das Gesangsleben im Dorf wieder erwachen“, berichtet Michael. An welchem Tag der Volkschor aus der Taufe gehoben wurde, dazu fehlen ihm Unterlagen. Bekannt sei lediglich, dass es sich von Anfang an um eine gemischte Gruppierung gehandelt hat, mit der reinen Männerdomäne war’s vorbei. Die erste Leitung übernahm Werner Fritze.

Auftritte in der Garnison der Roten Armee

Zu DDR-Zeiten trat der Chor bei weitem nicht nur in Klinga auf, sondern auch in Leipziger Kulturhäusern sowie in Grimma im damaligen Volkshaus und in der Garnison der Roten Armee. Zu seinem Repertoire gehörten, damals üblich, neben Volksweisen auch politische Lieder. Für seine Leistung erhielt er dreimal die Ehrennadel der Nationalen Front in Gold. „Außerdem wurde er mit der Medaille für Verdienste im künstlerischen Volksschaffen ausgezeichnet“, weiß Programmmanager Wilfried Hilsberg (71).

Die 50 bis 60 Mitglieder brachten nicht nur Musikalisches zu Gehör, sondern spielten auch Theater. Aus ihren Reihen entwuchsen außerdem die Klingaer Schrammeln, eine Instrumental- und Gesangsgruppe. Liane Voigtländer wurde zur Solistin, was ihr eine Anstellung im Meininger Theater einbrachte.

Nach der Wiedervereinigung begannen die Nachwuchssorgen

Über die Zeit der deutschen Wiedervereinigung dirigierte Musiklehrerin Anett Dietze den Chor. „Es gab zwar eine gewisse Fluktuation, aber auch einige Neueintritte“, blickt Michael zurück. In jenen Jahren wandelte sich viel am Alltag, wechselten Interessen. Dennoch hielt sich der Chor am Leben, wenn auch in dauerhaft kleinerer Besetzung.

Konstant blieb die Konzentration aufs Volkslied, während die nicht mehr geforderten politischen Programmteile gestrichen wurden. „Weil das aber unser Publikum auf Dauer nicht befriedigt, versuchen wir in jüngster Zeit auch einige Hits aufzunehmen, die Besucher im mittleren Alter ansprechen“, erklärt Dietrich Wiesemann (72) aus Großsteinberg, der seit 2003 am Dirigentenpult steht. Stücke wie „Ein bisschen Frieden“ und „Jugendliebe“ sollen für Abwechslung sorgen.

Gepostet von Männerchor Naunhof e.V. am Montag, 5. September 2016

So gehören stets neue Stücke dazu, wenn das Ensemble in Naunhof, Holzhausen und im Oberholz gastiert wie auch jedes Jahr Frühlings- und Weihnachtskonzerte in der Klingaer Kirche gibt, die Solisten und Instrumentalisten aus der Region mitgestalten. „Der Eintritt ist immer frei, wir leben von den dort eingenommenen Spenden und unseren Mitgliedsbeiträgen“, erklärt Schatzmeisterin Kerstin Post (56) aus Großsteinberg. Finanzieren lassen sich davon Garten- und Schlachtfeste, Ausfahrten sowie monatliche Geburtstagsrunden. Die Geselligkeit soll nicht zu kurz kommen.

Männerstimmen gesucht

Wer an ihr teilhaben will, dem macht Dirigent Wiesemann Mut: „Hier muss keiner vorsingen, keiner braucht Scheu zu haben.“ Neue Stimmen, vor allem welche von Männern, würde er gern in die Reihen des Chors aufnehmen.

Festkonzert 70 Jahre Volkschor Klinga, 10. Juni, ab 13.30 Uhr im Dorfgemeinschaftszentrum Klinga, Staudnitzsstraße 16a; Gastensembles: Männerchor Naunhof, Männerchor Belgershain, Männerchor Polenz, Frauenchor Polenz, Klingsingers, Klingkids

Von Frank Pfeifer

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