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Vom Hohnstädter Kirchturm klingt Musik

Vom Hohnstädter Kirchturm klingt Musik


Grimma. Es ist eine schöne Tradition: Jedes Jahr aufs Neue besteigen die Mitglieder des Posaunenchores Grimma kurz vor dem Weihnachtsfest den Hohnstädter Kirchturm, um auf diesem weihnachtliche Weisen zu spielen.

. Und das bei (fast) jedem Wetter.

Keine Frage: Wer im Posaunenchor Grimma Trompete, Posaune, Tuba oder das Horn spielen möchte, sollte nicht nur sein Instrument leidlich beherrschen, sondern darüber hinaus ein wetterfester Charakter sein. Dies ist insbesondere immer dann von Vorteil, wenn es auf Weihnachten zugeht und die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde zu ihrem traditionellen Turmblasen samt Glühweinausschank und Fettbemmenofferte an die Hohnstädter Kirche einlädt. Denn selbst wenn das Wetter am Boden noch ganz passabel erscheinen mag, so kann es sich 20 Meter über dem Erdboden von einer ganz anderen Seite präsentieren.

So geschehen im Vorjahr, als der Wind den Posaunenchor-Mitgliedern die ohnehin schon frostigen Temperaturen noch eisiger erscheinen ließ. So geschehen auch am vergangenen Sonnabend, als Regen und die Nachwehen des Sturmtiefs „Joachim" den von Kantor Tobias Nicolaus angeführten Musikerinnen und Musikern zusetzte. Und so war von diesen besonders gut dran, wer sich eine Hand voll Klammern eingesteckt hatte, um seine Noten auf dem Ständer zu fixieren. Denn ohne diese, stellte Trompeter Frank Rieger klar, würde es beim besten Willen nicht gehen. „Ein paar Stücke könnten wir sicherlich aus dem Hut spielen, aber insbesondere wenn es mehrstimmig wird, bedarf es der Noten."

Und nach Möglichkeit Temperaturen im Plusbereich. Da diese Mitte Dezember jedoch nur in Ausnahmefällen, wie in diesem Jahr, verfügbar sind, spielen Rieger und seine jeweils rund 14 Musikerkollegen auf dem Hohnstädter Kirchturm in der Regel unter erschwerten Bedingungen. „Dass die Züge der Posaune eingefroren sind, ist nicht nur einmal passiert", erinnert sich Cornelia Gey, eines der dienstältesten Mitglieder des Klangkörpers. Dieser umfasst insgesamt gut 20 Mitglieder im Alter zwischen zehn und 75 Jahren, wobei die obere Marke von Karl Gey vertreten wird, der seit den 1960er Jahren mit von der Partie ist. „Zum Glück haben wir auch einige Jugendliche in unseren Reihen, aber niemand weiß, ob sie uns mit Beginn der Ausbildung erhalten bleiben", so der 75-Jährige.

Dass der Klangkörper allzeit ausreichend Mitglieder in seinen Reihen hat, dürfte auch ganz im Interesse von Jutta Vehlow sein. Denn die Hohnstädterin hat nach eigenem Bekunden so gut wie noch kein Turmblasen ausgelassen. „Wir haben die Kirche sozusagen vor dem Haus, da ist es eine Selbstverständlichkeit, mit dabei zu sein", so die 71-Jährige, die großes Mitgefühl für die Musiker zeigt. „Ich denke, dass es nicht einfach für die Bläser ist, unter diesen Bedingungen zu spielen, und ich bin froh, dass der Orkan nicht einen Tag später über uns hinweg gezogen ist."

Roger Dietze

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