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Vom Turnverein zum Ballsport: SV 1863 Belgershain wird 150

Vom Turnverein zum Ballsport: SV 1863 Belgershain wird 150

Belgershain. Sein 150-jähriges Bestehen feiert am Freitag und Sonnabend der SV 1863 Belgershain, einer der ältesten Sportvereine Sachsens.

In der Anfangszeit waren es Turner, die sich zur gemeinsamen Körperertüchtigung trafen. Das hat sich geändert, heute dominieren die Ballsportler den Verein. Mit Spielen, Hüpfburg, Karussell, Tanz und vielem mehr wollen sie zwei abwechslungsreiche Tage gestalten.

Sicher wird dann auch über die lange Tradition des Vereins gesprochen. Sein Vorsitzender, Jens Ulbricht, kennt sie. Nach seinen Worten wurde anfangs im Saal vom "Schönburger Hof" sowie in der "Eiche" im Oberdorf geturnt, und zwar nach den straffen Regeln von Friedrich Ludwig Jahn. Nur Männer und Jugendliche durften mitmachen. Viele von ihnen waren 1912 bei der Schaffung der Pflichtfeuerwehr dabei.

Nach dem Ersten Weltkrieg, um 1918/'19, gehörte der Verein der Deutschen Turnerschaft an. Vorsitzender, später Ehrenvorsitzender, war Karl Wenzel, von dem eine Ehrenurkunde erhalten geblieben ist. Turnen und Gymnastik wurden betrieben, später kamen Spiele hinzu. Nun waren auch Frauen und Kinder zugelassen.

In der Zeit der Weimarer Republik existierte ein zweiter, der Arbeiter-Turn- und -Sportverein in Belgershain. Beide Gruppierungen, die auf verschiedenen Plätzen Raffball, später Fußball spielten, kamen laut Ulbricht gut miteinander aus. Sie hatten auch Zulauf aus Threna, Köhra und Oeltzschau. Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten kam für den Verein der Arbeiterturner 1933 das Aus. Ulbricht: "Viele gingen und hörten mit dem Sport auf. Andere traten dem Reichsbund für Leibesübungen bei, dessen Vorsitzender Erich Wolf war."

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die beiden alten Sportplätze anderweitig genutzt, ein neuer war erforderlich. Ende 1945 fiel die Entscheidung für die ehemalige Lehmgrube und spätere Viehkoppel. Im Jahr darauf wurde die Sportgemeinschaft Belgershain gegründet, die um 1957 den Namen "BSG Traktor Belgershain" erhielt. Zum vielseitigen Sportangebot gehörten Frauenhandball, Turnen, Gymnastik, Schach, Tischtennis, Fußball und Kegeln.

Wenn zugepackt werden musste, waren die Sportler zur Stelle. "Ob es der Turnsaal über dem Kindergarten war, der vergrößert wurde, oder der Bau des Sportlerheims in den 60er-Jahren: Immer machten alle mit", so Ulbricht. Mit der neuen Turnhalle verbesserten sich ab Anfang der 1970er-Jahre die Bedingungen wesentlich. Es kamen gute Trainer, Erfolge wurden gefeiert. In den 80er-Jahren war Anni Filusch die gute Seele des Vereins, die sich enorm für die Nachwuchsarbeit einsetzte.

Gegen Ende der DDR wurde am 2. August 1990 der heutige Sportverein aus der Taufe gehoben, der sich in der Tradition der Gründer von 1863 sieht. Erster Vorsitzender war Harald Döring. Später übernahmen Lutz Schulze, Marco Hoffmann und Jörg Fischer das Amt. Der heutige Vorstand besteht aus Jens Ulbricht, Uwe Kynast, Steffi Langner, Jörg Aßmann und Diana Berger.

In den 23 Jahren wurde das Sportlerheim mit einer modernen Heizungsanlage versehen, es kam ein zweiter Fußballplatz mit Flutlichtanlage hinzu. Bewässert wird jetzt über einen Tiefbrunnen. Es gibt eine neue Vereinsgaststätte mit Nebenräumen, und der Trainingsplatz wurde mit Flutlicht ausgestattet. Durch die Erweiterung des Sozialtraktes entstanden zusätzliche Umkleidekabinen.

Der SV Belgershain ist heute der größte Verein der Gemeinde. 200 Mitglieder der verschiedenen Abteilungen gehören ihm an. Ulbricht: "Eine Turnabteilung gibt es leider nicht mehr, dafür betätigen sich die Sportler in den Abteilungen Fußball, Volleyball, Badminton, Männer- und Frauensport."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.09.2013

Pfeifer, Frank

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