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Von Amerika nach Schloss Mutzschen: Deborah Hey und ihr Traum von der Biker-Oase

Schnelle Maschinen Von Amerika nach Schloss Mutzschen: Deborah Hey und ihr Traum von der Biker-Oase

Jahrelang thronte das Mutzschener Schloss verlassen über dem Schlossteich, verlor immer mehr von seinem einstigen Glanz. Den will die Amerikanerin Deborah Hey nun wieder herstellen – in Form eines Motorbike-Hotels. Was genau sie plant, erzählt die 53-Jährige Unternehmerin auf einem Rundgang durch „The Schloss“, wie sie es nennt.

Auf dem Motorbike erkennt man Deborah Hey an ihrem rosafarbenen Helm. Im Hintergrund steht das Torwächterhaus, das im Frühjahr als Café eröffnet werden soll.

Quelle: Andreas Döring

Mutzschen. Deborah Hey (53) spricht im LVZ-Interview über ihre Pläne im Schloss Mutzschen.

Wie kommt man aus Seattle im Staat Washington dazu, ein altes Schloss in Mutzschen zu kaufen?

Ich bin seit meiner Jugend eine begeisterte Motorradfahrerin, bin durch meinen Vater damit aufgewachsen und war in meinem Leben sehr viel mit dem Bike unterwegs – auch in Europa. Das erste Mal war ich hier als ich 25 Jahre alt war. Und seitdem war mir klar, dass ich irgendwann hier leben möchte. 2011 kam mir dann gemeinsam mit meinem besten Biker-Freund Thomas die Idee zu Moto Soul. Also war die Leidenschaft fürs Motorradfahren, die Liebe zu Europa und die Business-Idee. Fehlte nur noch die Location.

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Schloss Mutzschen könnte zu einem Paradies für Motorradfahrer werden. Wenn die Pläne der Amerikanerin Deborah Hey aufgehen, wird das Schlossgelände eine Wohlfühl-Oase mit Camping, Hotellerie, Freilichtbühne, Restaurant und Café. Das Ressort Moto-Soul ist ein Lebenstraum der 53-Jährigen, der nun Wirklichkeit werden soll.

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Liebe und Leidenschaft führten sie ausgerechnet nach Mutzschen – wie kam’s dazu?

Entgegen aller Ratschläge wollte ich ein geschichtsträchtiges Objekt, etwas besonderes. Ein Schloss. Dazu habe ich mir überlegt, dass ich in Richtung Ost-Europa gehen will. Die Regionen sind kaum bekannt, aber wunderschön und man kann dort wunderbare Touren machen. Ich habe mich zunächst in Bayern und Tschechien umgesehen, aber das war nicht das Richtige. Also hat Thomas vorgeschlagen, dass ich mich in der Region um Leipzig umsehen sollte, weil es wunderschön wäre. Ich war noch nie da, hatte nicht mal was davon gehört. Also habe ich im Internet recherchiert und so das Schloss Mutzschen gefunden. Und dann bin ich einfach losgefahren, um es mir anzusehen.

Wie war ihr erster Eindruck?

Oh, daran erinnere ich mich noch ganz genau. Das war im Sommer 2014. Ich kam von der A14 und hätte eigentlich noch weiter gemusst, um nach Mutzschen zu kommen. Ich bin aber spontan schon in Grimma abgefahren, um einen Eindruck von der Umgebung zu bekommen. Also bin ich etwas rumgelaufen und in ein kleines Café am Markt gegangen. Ich bin wirklich ein Kaffee-Snob und aus Seattle sehr verwöhnt. Jedenfalls war der Kaffee wunderbar und ich wusste: Das wird richtig gut. Als ich dann das Schloss gesehen habe, wusste ich endgültig, dass das der richtige Ort ist. Ich bin im Park spaziert, habe mir alles angesehen. Es war einfach wunderschön.

Hatten Sie keine Sorge, dass die Idee mit den Motorrädern in Mutzschen auf Ablehnung stößt?

Nachdem ich das Schloss das erste Mal gesehen habe, bin ich wieder dort hingefahren und habe einen Mann getroffen, der dort Gras gemäht hat. Es hat sich rausgestellt, dass das Markus Beiler war, der Brandmeister von Mutzschen. Ich hab ihn gefragt, was er über Motorräder denkt. Er hat nur gesagt „good“. Dann habe ich gesagt, dass ich von vielen Motorrädern spreche. Und er erwiderte: „Very good“ und hat mir auf seinem Handy ein Foto von seiner Maschine gezeigt. Außerdem hat er mich zu einer Motocross-Strecke ganz in der Nähe in einem Feld gelotst. Der Sachsenring ist nah, außerdem das Motorradmuseum im Schloss Augustusburg. Das waren viele grüne Lichter für meine Idee. Es war einfach der richtige Ort dafür.

Sie sprechen bisher wenig Deutsch, aber die Wörter „Schloss“, „Denkmal“ und „Amt“ kommen akzentfrei daher. Wie läuft die Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden?

Das Verhältnis ist sehr gut und kooperativ. Natürlich ist die Denkmalschutzbehörde sehr aktiv. Aber im positiven Sinne. Sie haben Studien am Bestand durchgeführt und viel Interessantes zur Gestaltung aus der Vergangenheit rausgefunden. Wir versuchen, Kompromisse zu finden, mit denen alle zufrieden sind. Beispielsweise im ehemaligen Torwächterhaus, aus dem ich ein Café mache, habe ich zusätzliche Fenster einbauen lassen – es war einfach zu dunkel. In manchen Räumen restaurieren wir teilweise alte Wandbilder und kombinieren dazu Elemente, die unseren Vorstellungen entsprechen. Gerade verhandeln wir die Farbe der Fassade.

Märchenrosa oder Bikerschwarz?

Das Amt möchte, dass sie gelb wird. Aber wir finden, dass es genug gelbe Gebäude gibt und wünschen uns eine Außenwand in unseren Unternehmensfarben – einem Rotbraun.

Behindert Sie die Bürokratie auf dem Weg zum großen Ziel?

Es ist auf jeden Fall aus unternehmerischer Sicht sehr gut, dass es klare Regeln gibt. So weiß ich ganz genau, was ich machen kann und was nicht. Und wir arbeiten wirklich alle zusammen und nicht gegeneinander. Das ist mir sehr wichtig, denn ich plane ein großes Gemeinschaftsprojekt, das die ganze Gemeinde und auch Hotels und Veranstaltungsorte aus der ganzen Region mit einbezieht.

Stichwort Planung: Welche Entwicklung stellen Sie sich vor? Was soll auf dem Schloss alles passieren?

Einiges. Und das wird sich natürlich nicht von jetzt auf gleich umsetzen lassen. Grundsätzlich soll für jeden Geldbeutel etwas dabei sein. Viele Biker verbringen den Großteil ihrer Zeit auf dem Motorrad und bereisen die Welt. Da ist bei einigen nicht so viel Geld da. Für diese Gäste planen wir einen Campingplatz hinter dem Schlossteich. Es soll eine Küche geben, in der die Gelegenheit besteht, sich selbst Essen zuzubereiten. Das nächsthöhere Preissegment stellt dann das sogenannte Glamping dar – feste Zelte, mit entsprechender Ausstattung. Mit Isomatten und Schlafsäcken hat das dann nicht mehr viel zu tun.

Nicht jeder Biker wird unterm Sternenhimmel schlafen wollen. Schon gar nicht im Winter...

...es wird es im Schloss selbst insgesamt 23 Einzel- und Doppelzimmer geben sowie eine Suite. Eine zweite ganz besondere Suite plane ich im Hungerturm. Dazu soll es unten im Schloss ein großes Wohnzimmer geben, in dem man gemeinsam Zeit verbringen und sich wie zuhause fühlen kann. Außerdem ein Restaurant auf zwei Etagen im Flügel und kleine Konferenzräume im Keller. Eine Landschaftsgestalterin beschäftigt sich außerdem mit dem Außengelände. Langfristig wollen wir mehrere Open Air-Bühnen haben und so kleinere Festivals veranstalten können. Und vielleicht schaffen wir es, dass man in dem kleinen See baden gehen kann.

Erste Besiedlungen des Schlossberges in Mutzschen reichen bis in die frühe Bronzezeit zurück.

Nachgewiesen wurde eine ins 9. Jahrhundert datierte wendische Burganlage.

1308: Burggrafen von Leisnig erwarben Burg und Herrschaft von Mutzschen.

1400: Familie von Starschedel übernimmt die Burg.

1565-1582: August von Sachsen erwirbt Burg, Rittergut, Mutzschen und dazugehörige Ortschaften.

Er baut die Burg im Stile der Renaissance um.

1681: Beim Stadtbrand von Mutzschen wird auch das Schloss zerstört.

1703: August der Starke lässt das Schloss im Barockstil wieder aufbauen.

1756: Mutzschen wird von Preußen besetzt. Das Schloss dient als Offiziersquartier.

1939: Das Schloss wird unter Denkmalschutz gestellt.

1942: Die Handschtriftenabteilung der Universitätsbibliothek Leipzig und andere wertvolle Gegenstände der Alma Mater Lipsiensis, sowie Bücher der Handelshochschule Leipzig (heute HHL Leipzig Graduate School of Management) werden in den unterirdischen Gängen im Schlossberg versteckt.

1946: Alle versteckten Gegenstände können der Universität zurückgegeben werden. Der Handelshochschule kommen lediglich ein paar Bücher abhanden.

1946: Eine Jugendschule zieht in das Schloss.

Ab 1951 besteht ein Museum – nach mehrfachen Umzügen ab 1999 im Torwächterhaus des Schlosses, bis zum Verkauf.

1963-2003: das Schloss dient als Jugendherberge.

2009: Überlegungen im Schloss ein Naturheilzentrum einzurichten zerschlagen sich.

2014: Deborah Hey entdeckt das Schloss und plant ein Biker-Hotel.

Klingt ein bisschen nach einer „kleinen Stadt“ im Dorf?

Es soll einfach eine große Wohlfühloase sein, die auch Einfluss auf die Gemeinde haben wird. Denn wenn die Menschen zu uns kommen, kommen sie auch nach Mutzschen. Wollen einkaufen gehen und Kaffee trinken außerhalb unseres Geländes. Ich hoffe sehr, dass sich eine Dynamik entwickelt, die auch für die Region von Vorteil ist.

In den Kauf des Schlosses haben Sie nur einen Euro investiert. Wie viel wird das ganze Projekt kosten?

Deutlich mehr als einen Euro auf jeden Fall. Momentan rechne ich etwa mit zehn Millionen. Es gibt die Möglichkeit Fördermittel zu beantragen. Aber so weit sind wir noch nicht.

Wann kann das ganze Projekt realisiert werden?

Das hängt wesentlich davon ab, wann wir die jeweiligen Genehmigungen bekommen. Wenn alles da ist, sind fünf Jahre für das gesamte Projekt realistisch. Fest steht die Eröffnung des Cafés im Torwächterhaus im Frühjahr dieses Jahres. Alles andere kommt dann nach und nach.

Haben Sie bereits Erfahrungen mit ähnlichen Projekten?

Ich komme aus einer Unternehmerfamilie, habe sehr früh sehr viel von meinem Vater gelernt. Mein erstes kleines Business hatte ich schon zu Schulzeiten. Mit meinem Ex-Mann führte ich ein Unternehmen in der Marine-Industrie. Das sind nur einige Beispiele. Da ich sehr jung angefangen habe zu arbeiten, hatte ich zunächst keine Zeit für ein Studium. Das habe ich aber nachgeholt und an der Universität von Washington einen Business-Abschluss gemacht, im Anschluss habe ich an einem Programm für Unternehmensgründer am Massachusetts Institute of Technology, dem M.I.T., teilgenommen. Ich habe also schon viel Erfahrung.

Was braucht es außer einer guten Ausbildung, kreativen Ideen und Erfahrungen in der Wirtschaft noch?

Das wichtigste ist meiner Meinung nach, dass ich die Fähigkeiten und Möglichkeiten habe, Menschen dazu zu bringen, gemeinsam für ein Ziel zu arbeiten. Und das klappt hier sehr sehr gut. Es gibt sogar ein paar ältere Einwohner, die regelmäßig ihre Hilfe anbieten und mittlerweile zum Team gehören. Sie sagen, dass das Moto Soul-Hotel ihr Hobby sei.

Interview: Nathalie Helene Rippich

Von Nathalie Helene Rippich

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