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Grimma Wall bringt Altenhainer in Wallungen – Technischer Ausschuss lehnt Vorhaben ab
Region Grimma Wall bringt Altenhainer in Wallungen – Technischer Ausschuss lehnt Vorhaben ab
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00:21 17.04.2018
Zwischen den Bahngleisen des Schotterwerkes Altenhain und den gegenüberliegenden Wohnhäusern wollte das Unternehmen einen Lärmschutzwall errichten. Quelle: Foto: Thomas Kube
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Trebsen/Altenhain

Selten so aufgeregt wie am Montagabend diskutierten in jüngster Zeit die Mitglieder des Technischen Ausschusses von Trebsen. Kein Wunder, stand doch nach langem wieder ein Vorhaben des Altenhainer Schotter- und Splittwerks (Susa) zum Beschluss an. Und wenn es um diesen Betrieb geht, schielt für viele der Ärger um die Ecke.

Diesmal will das Unternehmen einen Lärmschutzwall für seine 2014 errichtete Bahnverladestation errichten. Das Ziel: Die zwei Wohnhäuser an der Ammelshainer Straße sollen nicht so viel vom Gepolter abbekommen, wenn Gestein in Waggons gekippt wird. Hört sich erst mal gut, in diesem Falle also leiser, an.

„Grundsätzlich sind wir dafür, wenn der Antragsteller etwas zur Lärmminderung unternimmt“, sagte Ortsvorsteherin Katrin Kamm. „Aber einen 177 Meter langen und vier Meter hohen Wall, der eine Grundfläche von 2250 Quadratmetern einnimmt, können wir nicht akzeptieren. Wenn im Steinbruch einmal die Arbeiten beendet werden, lässt er sich nicht einfach wegräumen. Das wäre bei einer Lärmschutzwand anders.“ Der gesamte Ortschaftsrat habe sich gegen den Wall ausgesprochen, zumal, wenn er steht, die oberen Stockwerke der beiden Wohnhäuser möglicherweise immer noch den ganzen Krach abkriegen würden. „Da reden wir gar nicht davon, wie es mit dem Rest von Altenhain aussieht“, argumentierte Kamm höchst emotional.

Laut Bauamtsleiterin Marika Haupt wird das Landratsamt über die Genehmigung des Walls entscheiden. Und dort hätten mehrere Fachbehörden schon ihr Einverständnis signalisiert – mit einigen Auflagen. Dem Technischen Ausschuss Trebsens obliege es nur, aus städtebaulicher Sicht über das Vorhaben zu befinden. Und da stünde rein gesetzlich dem Wall nichts entgegen. Deshalb bat Haupt um Zustimmung, betonte aber zugleich, auch einen gegenteiligen Beschluss zu akzeptieren.

Das brachte Steffen Slowik (CDU), einen Altenhainer, in Fahrt. „Wir sollen einem Bauantrag zustimmen, ohne vorher seine Sinnhaftigkeit zu überprüfen“, wetterte er. „Der Wall verschandelt die Landschaft, es ist keine Bepflanzung vorgesehen. Und was kriegen wir dafür?“ Es würden keine ingenieurtechnischen Berechnungen vorliegen, welchen Effekt das Bauwerk überhaupt bringt. „Jedem Häuslebauer würden wir so einen Antrag ablehnen. Das ist Landschaftsgestaltung auf gut Glück“, schimpfte Slowik.

Nach seiner Auffassung müsse jetzt zunächst die Probeverladung von Schüttgut wiederholt werden, so wie es das Oberbergamt Freiberg fordert, denn die erste Messung der Emissionen vor reichlich zwei Jahren war fehlerhaft. Nach einer erneuten Prüfung unter realen Bedingungen, so Slowik, solle ein Ingenieurbüro einen Vorschlag für den Lärmschutz unterbreiten. Und daran habe sich das Susa zu halten.

Volker Killisch (Freie Wählergemeinschaft Altenhain) gab zu bedenken, dass sich in der Nähe der Bahnverladung eine Wasserscheide befindet. Zu untersuchen sei deshalb, ob ein Wall Auswirkungen auf jene Bewohner hat, die schon jetzt mitunter ihre Keller auspumpen müssen.

Mit einem Kompromissvorschlag versuchte es Bürgermeister Stefan Müller (CDU): „Wir stimmen dem Bauantrag unter dem Vorbehalt zu, dass alle Bedenken von den Fachbehörden geprüft werden.“ Doch damit kam er nicht durch. Nur er enthielt sich beim Votum der Stimme, alle anderen lehnten den Bauantrag ab. Dem Landratsamt geht nun eine Liste mit elf Gegenargumenten zu, die der Ortschaftsrat Altenhain verfasst hatte und der sich der Technische Ausschuss wortwörtlich anschloss.

Enttäuscht zeigte sich am Dienstag der stellvertretende Susa-Geschäftsführer Manfred Maucher über den Ausgang der Sitzung. „Alles, was mit dem Steinbruch zu tun hat, wird zuerst mal abgelehnt. Zum Steuernzahlen und zur Schaffung von Arbeitsplätzen kommen wir hingegen recht. Das ist unfair, aber wir können es nicht ändern“, kommentierte er. „Den Lärm müssen wir jedenfalls dort eindämmen, wo er entsteht.“

Zurzeit bleibt es an der Verladestation noch ruhig, denn Maucher kann den Abtransport per Bahn nicht aufnehmen, solange keine neue Immissionsschutzmessung erfolgt ist. Schotter und Splitt verlassen auf Lastwagen das Werk.

Von Frank Pfeifer

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