Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Walzscher Adventsgebrumm
Region Grimma Walzscher Adventsgebrumm
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:00 21.12.2009
Anzeige
Trebsen/Walzig

Einmal im Jahr, immer am vierten Advent, stehen auf der Walziger Milchrampe ausnahmsweise Kannen voll mit Glühwein. Die Ehefrauen Heike, Eva, Kerstin, zweimal Karin, Anne, Silke sowie Erika übertreffen sich mit ihren kreativen Geschmacksnoten und handverlesenen Gewürzen. Und über allem thront der legendäre WA-DO-BA, der Walziger Dorfbaum, der sogar einen eigenen Dispatcher hat. Schmidti: „Die Tanne ist wie jedes Jahr ein Walziger Eigengewächs. Unsere vier stärksten Männer mussten eingespannt werden, um den gut vier Meter hohen Chistbaum aus dem Walziger Dickicht direkt auf den Dorfplatz zu hucken. Horst, der Dorfschulze, trug die Verantwortung.“ Im Verhältnis zur Einwohnerzahl, so Schmidti, handele es sich um Deutschlands wohl größten Weihnachtsmarktbaum. „Markt?“ – Ecki hört wohl nicht recht. „Wir hier in Walzig brauchen keine Bockwurschtbude.“ Im 50-Seelenort nahe Trebsen ist eben einiges anders: Hier lädt sogar die schugendliche Linda beim Eierholen den Rentner Helmut zum Gebrumm ein.

Lieder singen statt Liter trinken: Jule Julius gehört zu den Aktivisten der Adventsgebrumm-Bewegung. „In den 80-er Jahren zog das Trebsener Jugendblasorchester des VEB Zellstoff- und Papierfabrik unter Leitung von Blasius Schwab immer am Heiligabend von Dorf zu Dorf. Wagelwitz, Cannewitz, Trebsen, Wednig und Walzig – das waren unsere Stationen.“ Weil die Fünf-Stunden-Tour manchmal zur Tort(o)ur wurde und die wackeren Musiker zum Leidwesen der Familie erst spät zu Hause ankamen, sind inzwischen sämtliche Bläseraktivitäten bereits am 23. Dezember abgeschlossen. Jule: „Denn als wir am heiligen Abend vor der eigenen Tür standen, war der Weihnachtsmann oft schon durch und es gab die zweite Bescherung – wenn du verstehst, was ich meine.“

Ehe die fahrenden Musikanten Hans-Joachim, Rolf, René, Dirk, Thilo, Frank sowie Jule mit Tuba, Tenorhorn und Trompete am 23. Dezember in Schkortitz und Wednig gegen zugefrorene Ventile ankämpfen, bliesen sie gestern allein den Walzigern den Marsch. Mitten in der musikalischen Meute ist Hilla auszumachen. Die Alterspräsidentin wirkt ausgesprochen textsicher. Mit Hingabe leitete sie bereits manche Probe und verlangt unbedingte Professionalität: „Nicht dass die Milch auf der Rampe sauer wird!“ Wie ein Lauffeuer hat sich das konspirative Adventsgebrumm herumgesprochen. Längst pilgern auch Lippenbeweger aus dem Walziger Umland an den Kultort.

Sogar am anderen Ende des komischerweise noch immer nicht zugefrorenen großen Teiches verfolgt Philipp, der in Amerika ein Praktikum absolviert, das Adventsgebrumm. Sein Vater Matze organisiert die Videotelefonie über Laptop: „Entweder stehen dem Philipp die Tränen in den Augen, oder er lacht sich halbtot.“

Haig Latchinian

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

 Grimma. Wenn so kurz vor den Feiertagen Sternchen in der GGI-Eissporthalle funkeln, dann kann nur der dort beheimatete Eissportverein Grimma zum großen Weihnachtsschaulaufen eingeladen haben.

21.12.2009

Die Barracudas – so scharf, dass sie hinter Gitter müssen. Die Neichener Rock’n’Roller spielen heute im Torgauer Männergefängnis. Für die Weihnachtsfeier der schweren Jungs hat Muldental-Elvis Frank Janosch nur die allerhärtesten Titel im Gepäck: „Motorroller“, „Halbstark“ und „Jailhouse Rock“.

19.12.2009

Grimma. Aufmerksame Besucher seiner Ausstellungen sind Holger Vogt die Allerliebsten. Als ob sie sich dessen bewusst waren, hatten die Schülerinnen und Schüler der zwölften Klasse des St.

19.12.2009
Anzeige