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Warum Kössern die Dritterwähnung feiert

Grimma Warum Kössern die Dritterwähnung feiert

Kössern, heute ein Ortsteil von Grimma, wurde im Jahr 1300 erstmals erwähnt. Wie passt es da zusammen, dass die Kösserner in diesem Jahr ihr 650. Jubiläum begehen wollen? Die ersten beiden Dokumente der Nennung gelten als verschollen. Deshalb will das Dorf an eine nachweislich existierende Urkunde vom 17. März 1368 erinnern.

Annegret und Burkhard Malke forschen zur Geschichte von Kössern und haben ihr Archiv dem Jagdhaus-Verein übergeben. Auch diese wertvollen Urkunden sollen nun Teil einer Ausstellung zum Namens-Jubiläum von Kössern sein.

Quelle: Frank Prenzel

Grimma/Kössern. Auch im Online-Lexikon Wikipedia ist es zu lesen – und nicht nur dort: Der heutige Ort Kössern wurde erstmals vor 718 Jahren erwähnt. Der Name taucht in einer Urkunde vom 2. März 1300 auf. Landgraf Albrecht, so besagt das Papier, übereignet dem Kloster Marienthron zu Nimbschen die Fischereirechte an der Mulde. Und in einem Dokument von 1348 erscheint der Ortsname in Verbindung einer Person namens Apes von Kozzer. Wie passt es da zusammen, dass die Kösserner im September ihr 650-Jähriges feiern wollen?

Das Heimatforscher-Paar Annegret und Burkhard Malke bringt ebenso Licht ins Dunkel wie die Jagdhausverein-Mitarbeiterinnen Ute Wächtler und Siri Köppchen. Beide Urkunden gelten nämlich als verschollen. Nach Recherchen des Architekten Manfred Berger (1921-2009), der in seiner Dissertation zur Historie Kösserns forschte, gelangten die Papiere nach Böhmen und wurden nicht wieder gefunden.

Das Dokument, das den Kössernern deshalb besonders am Herzen liegt, wurde auf den Tag vor 650 Jahren gesiegelt und schlummert in einem Archiv. Es datiert vom 17. März 1368. In dieser Auftragsurkunde von Thimos VIII. ist geregelt, dass unter anderem Cosser an Albrecht von Böhmen übertragen wird. Und mit Cosser ist das heutige Kössern gemeint. Diese Urkunde ist der erste greifbare Hinweis auf Kössern, „deshalb wollen wir in diesem Jahr im Rahmen des Dorffestes das 650. Jubiläum feiern“, verdeutlicht Vereins-Geschäftsführerin Wächtler. Das reiht sich ihren Worten zufolge in die Bemühungen ein, Ereignisse und Daten der Dorfgeschichte wach zu halten. So wie es 2016 mit der Grundsteinlegung der Muldebrücke und dem Bau der Eisenbahnbrücke vor 150 Jahren war. Dieses Mal soll neben der Dritterwähnung auch der 55. Geburtstag der Schalmeienkapelle Kössern gewürdigt werden. Das Datum des Dorffestes steht inzwischen fest: Die Sause geht am Sonnabend, dem 15. September, über die Bühne.

Allerdings ist es auch mit dem Zeitzeugnis von 1368 ein Kreuz. „Die Urkunde ist nachweislich in einem Archiv“, sagt Wächtler. Das gehe aus anderen Texten hervor. „Wir wissen aber nicht, wo sie lagert.“ Die Heimatfreunde vermuten das Dokument im Staatsarchiv in Dresden, dem die Jagdhaus-Vertreter demnächst einen Besuch abstatten werden. Sie wollen die Urkunde finden und eine Kopie im Jagdhaus zeigen. Das ist jedenfalls das erklärte Ziel.

Im Rahmen seines Projektes „Lebendige Geschichte“ erarbeitet der Verein eine Ausstellung zum Werdegang Kösserns, die im schönen Barock-Bau gezeigt wird. „Das ist unser Beitrag zum Dorffest“, freut sich Wächtler. Auch das fundierte Wissen von Ehepaar Malke – sie ist überdies im Vereinsvorstand aktiv – wird von Nutzen sein. Die zwei Heimatforscher, inzwischen 65 und 66 Jahre alt, übertrugen ihr beachtenswertes Archiv 2015 dem Jagdhaus-Verein. Für die Ausstellung wird er daraus schöpfen. Zeitungsbeiträge zur Vergangenheit bereichern die Offerte ebenso wie historische Zeichnungen aus der Hand von Karl-Heinz Vogel. Wächtler und Köppchen verweisen zudem auf etwas Extravagantes: Es gibt ein Gemälde aus dem späten 17. Jahrhundert, das den Erbauer des Jagdhauses Kössern, Oberhofjägermeister Wolf Dietrich von Erdmannsdorff, beim Aufzug zum Dresdner Cartell-Rennen 1697 zeigt. „Bei Recherchen im Dresdner Kupferstichkabinett sind wir auf das Bild gestoßen“, verrät Wächtler. Es sei alles in die Wege geleitet, eine Kopie zu erstehen.

Die Vereinsleute hoffen auf weitere Ausstellungsstücke und rufen deshalb die Einwohner auf, historische Schätze und alte Fotos, die vielleicht auf dem Dachboden oder im Schuppen schlummern, zur Verfügung zu stellen. Für seine kostbaren Dokumente sucht der Verein auch noch günstig abzugebende oder zu verleihende Vitrinen.

Das Dorffest selbst liegt wie gewohnt in den Händen des Ortschaftsrates. Bis zur nächsten Sitzung am 23. April soll sich das Festkomitee gebildet haben. Mit am Tisch sitzen neben dem Jagdhaus-Verein auch die Feuerwehr und der Sportverein. Jeder wird seinen Beitrag leisten.

Von Frank Prenzel

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