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WasserZeichen: Der Grimmaer Fotograf Gerhard Weber erinnert an die Jahrhundertflut

WasserZeichen: Der Grimmaer Fotograf Gerhard Weber erinnert an die Jahrhundertflut

Der Fotograf Gerhard Weber aus Grimma hat die Bilder von vor zehn Jahren, als die Stadt in der Mulde zu versinken schien, noch einmal hervorgekramt. Und damit auch die Erinnerungen an eine bewegte Zeit.

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Gerhard Weber - der Fotograf damals und heute.

Quelle: André Neumann

Grimma. Als es am Montagabend, dem 12. August 2002, anhaltend regnete und noch kaum jemand das wirkliche Ausmaß der Katastrophe ahnte, doch bereits immer neue Hochwasserwellen angekündigt wurden, kehrte Gerhard Weber irgendwann in seine Wohnung in der Hohnstädter Straße zurück. Er begegnete einem Nachbarn, der war in seinem Rollstuhl nach Hause unterwegs, die Räder schon zu einem Viertel im Wasser. Auch dieses Bild wird ab 10. August in einer Ausstellung in der Klosterkirche zu sehen sein.

In der Wohnung verbrachten Weber und seine Frau Brigitte die nächsten Stunden damit, alles wertvolle aus der ersten Etage auf den Boden zu schaffen. Zuerst die runde halbe Million Fotos, die Weber im Laufe eines jahrzehntelangen Fotografenlebens als Negative und als Computerdateien archiviert hat. Selbst in der Katastrophe dachte der Fotodesigner professionell. Fotografierte vorn und hinten aus den Fenstern. Als es für Webers am Mittwoch gegen Mittag selbst Zeit war, das Haus zu verlassen – von den Straßenlaternen schauten nur noch die Köpfe aus dem Wasser – durfte nur eine Tasche mit ins Boot. Webers, erschöpft und gestresst und voller Angst wie die meisten Menschen in der Innenstadt, entschieden sich spontan für die mit der Fotoausrüstung.

Wenige Minuten später, das motorgetriebene Schlauchboot passierte gerade den Marktplatz, drückte Weber schon wieder auf den Auslöser. Auch dieses Bild von seinen Rettern Rolf Goethner und Pfarrer Christian Behr wird Weber zeigen. Die nächsten Bilder entstanden Stunden, Tage, Wochen und Monate später. Parallel zum Ringen ums eigene Dasein wurde Gerhard Weber wieder einmal zum Dokumentaristen von Zeitgeschichte, wie er sich als Fotograf sieht. Am Tag zwei nach der Flut entschied er, nur noch schwarz-weiß zu fotografieren. „Farbe verschönert alles", begründet er. „Schwarz-weiß dagegen verdichtet den Inhalt."

Webers Vorteil: Er kannte die Menschen in der Stadt, viele kanten ihn und ließen ihn in der Stunde der Not ganz dicht an sich heran. Der Bäckermeister, der in seiner zerstörten Wohnung weint, der Fotograf, der inmitten der Müllberge auf der Straße vor seinem Geschäft aus einer Plastikschale isst oder das Ehepaar vor seinem Haus mit herausgebrochener Fassade. Es sind Bilder voller Schmerz, doch es sind mitfühlende, verstehende Aufnahmen. Anders als die, auf die viele fremde Journalisten aus waren, gegen die etliche Grimmaer damals „einen Horror" hatten, wie Gerhard Weber sich erinnert.

Die WasserZeichen, so der Titel der Gemeinschaftsausstellung mit weiteren Fotografen und bildenden Künstlern, enden für Weber nicht in den Tagen nach der Flut. Neben Bilder von Zerstörung und Schicksalen stellt er Aufnahmen von Aufräumaktionen, von leeren, stillen Geschäften und auch „morbide Ästhetik", wie er es nennt, wenn Zerstörung kunstvolle Spuren hinterlässt. Nach einigen Jahren am Galgenberg lebt Familie Weber jetzt wieder direkt in der Innenstadt. Die Mulde macht ihnen keine Angst mehr und beim Betrachten der Bilder empfinden sie auch Dankbarkeit für die Helfer von damals.

Ausstellungen mit großformatigen Bildern sind seit vielen Jahren eine Spezialität des Grimmaer Fotografen Gerhard Weber. Diesmal hat er etwa 60 Bilder auf Platten von 60 mal 90 Zentimeter bis 100 mal 140 Zentimeter Größe gebracht, die während des Hochwassers am 13. August 2002 sowie in den Tagen und Wochen danach entstanden waren. WasserZeichen heißt die in zehn Tagen beginnende Ausstellung, die die Stadt Grimma in der Klosterkirche veranstaltet. Neben Gerhard Weber werden Arbeiten des Grimmaer Fotografen Thomas Kube sowie der bildenden Künstler Barbara Dietel, Maria Köhler und Manfred Löffler zu sehen sein, die die damaligen Ereignisse künstlerisch verarbeitet haben. Das gilt auch für ein Schülerprojekt unter Federführung des Vereins Bildung im Obstland mit Unterstützung von Frank Brinkmann vom Künstlergut Schaddelmühle, dessen Ergebnisse – künstlerisch gestaltete Keramikteile – ebenfalls zu sehen sein werden. Zur Ausstellungseröffnung am 10. August 19 Uhr wird der stellvertretende Bürgermeister Klaus-Dieter Tschiche sprechen, für den musikalischen Rahmen sorgt Gittarist Martin Hoepfner. Am 19. August und am 2. September finden 11 Uhr Gespräche mit den Künstlern statt. anWasserZeichen, Fotografie, Malerei, Grafik, Keramik; Klosterkirche Grimma, 10. August bis 12. September; Di bis Fr 10 bis 18 Uhr, Sa und So 10 bis 16 Uhr.

André Neumann

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