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Grimma Wasserwanderer stoßen auf Gefahr am Golzerner Wehr
Region Grimma Wasserwanderer stoßen auf Gefahr am Golzerner Wehr
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00:20 07.08.2017
Gefährliche Schräge: Hier müssen die Wasserwanderer ihre Boote nach unten zur Mulde bringen. Quelle: Foto: Frank Schmidt
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Grimma/Bahren

Gefährlich bleibt es für Wasserwanderer, ihre Boote am Golzerner Wehr zu umtragen. Auch nach einem Unfall im Juli sieht sich die Stadt Grimma nicht in der Lage, die Einstiegsstelle hinter der Wasserkraftanlage auf die Schnelle sicherer zu gestalten. Aus Sicht eines Touranbieters wäre der Umbau keineswegs allzu teuer.

Verboten ist es, über Wehre hinwegzufahren – solche Kapriolen endeten schon tödlich. Deshalb müssen die Boote vorher aus dem Wasser gezogen und dahinter zurück in den Fluss gesetzt werden. Trebsen hat für die Anlage an seiner Papierfabrik vor einem reichlichen Jahr eine optimale Lösung geschaffen mit befestigten Wegen. Am Golzerner Wehr, das auf Bahrener Seite umtragen werden muss, sieht die Lage ganz anders aus.

Die Wasserwanderer erreichen ein unbefestigtes Ufer, an dem sie ihre Boote an Land ziehen müssen. Auf einem von Brennnesseln gesäumten Weg schleppen sie diese am Wehr vorbei – wohl dem, der lange Hosen anhat. Wirklich problematisch wird aber erst der Wiedereinstieg. Eine Betonschräge führt im 45-Grad-Winkel drei Meter hinunter zu einer Betonplatte an der Mulde. Am 9. Juli war ein 34-Jähriger aus Dresden dort ausgerutscht und aufgeschlagen, dabei zog er sich schwere Verletzungen zu.

Die Suche nach Verantwortlichkeiten gestaltet sich schwierig. Die Pressestelle der Stadt Grimma verweist die LVZ zunächst an die Landestalsperrenverwaltung. Diese wiederum erklärt, das Wehr befinde sich in Eigentum eines privaten Betreibers, nähere Details seien im Landratsamt zu erfahren. Die Kreisbehörde bestätigt die Eigentumsverhältnisse, betont aber, der Wehrbetreiber könne nicht zur Gewährleistung der touristischen Nutzung des Gewässers verpflichtet werden. Diese sei Sache der Kommunen. „Sie sollten daher mit der Stadt Grimma zu diesem Thema reden“, gibt Pressesprecherin Brigitte Laux den Staffelstab an den Ausgangspunkt zurück.

Zu erfahren ist von ihr immerhin, dass es sich bei der seit mehreren Jahrzehnten bestehenden Betonschräge lediglich um eine Uferbefestigung handelt. Das Landratsamt habe am Golzerner Wehr nie offizielle Ein- oder Ausstiegsstellen genehmigt, weshalb es keine Handhabe für Forderungen habe. Helmut Völkl, Geschäftsführer der Wasserkraft Braml GmbH & Co. KG, bestätigte das. „Mit der Schräge wird das Ufer befestigt“, sagt er und betont: „Wir sind für sie nicht zuständig, sondern nur für das Wehr.“

Als es noch die Mulde-Regatta gab, wurden Aus- und Einstiege am Golzerner Wehr errichtet. Allerdings eigens für diese Veranstaltung, hinterher verschwanden sie. Quelle: privat

Auf die erneute Anfrage in der Grimmaer Stadtverwaltung räumt Pressesprecher Sebastian Bachran ein, dass die Umstiegsstelle ausgebaut werden müsste. Dies sei das Ergebnis einer Studie zur Erhöhung der Erlebbarkeit der Mulde, die im Auftrag der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH entstand. Konkrete Planungen habe die Kommune jedoch noch nicht angestellt.

Vorrang hat laut Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) die Fertigstellung des Hochwasserschutzes in der Stadt. „Erst danach werden wir uns dem Thema der durchgängigen Nutzbarkeit der Mulde widmen. Wir können nicht alles gleichzeitig machen“, erklärt er. Ihm liege an einer Verbesserung der Infrastruktur des Flusses, zumal die Vision bestehe, aus der ehemaligen Roggenmühle eine Herberge für Wassersportler zu machen. Das Umtragen am Golzerner Wehr werde sich aber nur „langfristig optimieren“ lassen. „Da es sich dort um ein Flora-Fauna-Habitat handelt, wird jeder kleine Eingriff wahrscheinlich ein größeres Genehmigungsverfahren mit sich bringen“, mutmaßt Berger.

Steffen Heiber sorgt sich tagtäglich um die Sicherheit von Paddlern. Seine Grimmaer Firma Wassersport Sachsen verleiht Boote an Geübte und Laien, an Junge und Ältere. Auf das Golzerner Wehr weist er sie hin. „Der Zustand des Wiedereinstiegs ist abenteuerlich“, urteilt er. „Ist der Beton nass, wird er schmierig, man kann leicht darauf ausrutschen.“ Eine Luxus-Lösung wie in Trebsen sei aus seiner Sicht nicht unbedingt nötig. „Es würde reichen, eine Stahltreppe mit Geländer, die Fluten standhält, an der Betonschräge zu installieren. Auf ihr könnten Wasserwanderer sicher nach unten steigen, die Boote rutschen nebenher allein in Richtung Wasser“, schlägt er eine kostengünstige Variante vor.

Von Frank Pfeifer

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