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Grimma Weit mehr als eine Berufsmesse: die Colditzer Schul-Skills
Region Grimma Weit mehr als eine Berufsmesse: die Colditzer Schul-Skills
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06:02 29.03.2018
Wie Menschen mit einem Patientenlift angehoben werden, testete der Achtklässler Dominik Fiedler aus. Elisabeth Teichmann (li.) vom Colditzer Altenpflegeheim „Wenceslaus Linck“ machte ihn sowie Lara Irmscher (re.) und Pauline Oelze mit der Technik vertraut. Quelle: Foto: Thomas Kube
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Colditz

„Wir suchen dringend gute Lehrlinge.“ Matthias Zeidler von der Grimmaer Niederlassung der Firma Mayr & Wilhelm bringt auf den Punkt, was viele Unternehmen der Region derzeit bewegt. Er vertritt am Mittwoch eine von 23 Firmen, die sich an den mittlerweile vierten Schul-Skills in Colditz beteiligen. Eine Veranstaltung, die viel mehr bieten will als Berufsmessen anderer Bildungsstätten.

„Hier bietet sich eine gute Gelegenheit, Kontakte zum potenziellen Nachwuchs zu schließen“, sagt der Industriemechaniker, der Oberschüler damit vertraut macht, wie ein Gewinde geschnitten und ein Blech angerissen wird. „Unsere Gesellschaft, die große Wärmetauscher fertigt, bietet ihnen gute Aufstiegschancen. Sie können testen, ob ihnen die Arbeiten liegen“, so Zeidler.

Genau diese Verknüpfung mit der Praxis ist es, die der Oberschule Colditz ein Alleinstellungsmerkmal verleiht, das sich auch darin ausdrückt, dass sie als einzige Schule Sachsens das Qualitätssiegel für Berufsorientierung trägt. „Es sind nicht nur Stände in einer Turnhalle aufgebaut, an der sich die Mädchen und Jungen informieren können, sondern hier können sie sich ausprobieren“, sagt Landrat Henry Graichen (CDU), den das Projekt neugierig machte, weshalb er es sich erstmals anschaut. Sein Fazit: „Das hat einen Mehrwert für Schüler und Unternehmer. Die Idee können sich vielleicht andere Schulen abgucken.“

Vielfältige Angebote hielten die Schul-Skills an der Oberschule bereit. Die Mädchen und Jungen konnten sich testen.

Freilich ist die Vorbereitung nicht so einfach nebenbei getan. „Die Schul-Skills bedeuten einen enormen Aufwand“, betont Andreas Horn, Leiter der Bildungseinrichtung. Ein Team aus Praxisberaterin Conny Schicketanz und Schulsozialarbeiterin Constanze Nölzel vom Bildungs- und Sozialwerk (BSW) Muldental, drei weiteren Lehrerinnen sowie einigen Schülern traf sich seit August wöchentlich, um die Veranstaltung zu organisieren. Stadt und Förderverein der Oberschule übernahmen die Kosten.

Erste und größte Herausforderung war es, Unternehmen zu rekrutieren. „Dabei konnten wir auf ein gutes Netzwerk zurückgreifen, das wir uns durch die früheren Schul-Skills aufgebaut hatten“, schildert Schicketanz. Auch das einmal im Quartal stattfindende Unternehmerfrühstück biete eine Plattform, um mit Colditzer Firmen im Gespräch zu bleiben. Über die Stadtgrenze hinaus riefen die Organisatoren weitere Betriebe an. Von Leipzig bis Leisnig, von Grimma bis Bad Lausick fanden sich Interessierte.

Jeweils vier Unternehmenspräsentationen besuchen die Siebt- bis Zehntklässler für je eine Stunde. Wer sich für das Altenpflegeheim „Wenceslaus Linck“ entschied, lernt Hilfsmittel für ältere Menschen kennen, nebenan bei Anona wird ein Roboterauto gebaut. Obstland Dürrweitzschen lässt Äpfel zu Saft pressen, bei weitem nicht nur Mädchen gestalten beim Haar-Studio Kausler Frisuren. Kerateam, Regionalbauernverband und Agrarfirmen, Krankenkassen, Bundeswehr, Polizei und viele mehr versuchen auf originelle Weise auf sich aufmerksam zu machen. So lässt Anona aus Colditz ein Roboter-Auto, die Elektro GmbH Grimma Lichtschaltanlagen und die IMS Kommunikationstechnik Leipzig ein Netzwerkkabel von den Schülern anfertigen.

„Wenn wir die Schüler begeistern wollen, müssen wir sie früh an die Berufe heranführen“, meint der Landtagsabgeordnete Svend-Gunnar Kirmes (CDU). Er wie auch die Bundestagsabgeordnete Katharina Landgraf (CDU) loben beim Rundgang ein hervorragende Engagement aller, das die Oberschule stärke.

Die Jugend profitiert ebenso. „Für manche ergab sich aus den Schul-Skills ein Praktikum und dann ein Lehrvertrag“, sagt Ronny Kriz vom BSW Muldental. Als Beispiel dafür steht Maximilian Völkl, der sich bei der ersten Auflage 2014 mit dem Colditzer Raumausstatter Böhme-Voigt vertraut gemacht hatte und nun nach abgeschlossener Lehre seit einem halben Jahr einen festen Arbeitsvertrag in der Tasche hat. „Alle Schüler sollten das Angebot hier nutzen“, rät der 19-Jährige und kommt auf den wesentlichen Punkt zurück: „Ich hoffe, dass mehr ins Handwerk gehen, weil dort der Nachwuchs fehlt.“

Von Frank Pfeifer

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