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Grimma Weltgrößter Käfer im Minidorf
Region Grimma Weltgrößter Käfer im Minidorf
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05:00 25.08.2010
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. Nur ein paar Kilometer entfernt, am Steinbruch Nerchau, staunte der erfahrene Gewässerwart des dortigen Angelclubs nicht schlecht: Quallen! So etwas kannte er bislang nur von der Ostsee.

Für Großmutter Petra Kretzschmar stand sofort fest: Das müssen wir den Zeitungsfritzen melden! Was ihre beiden Jungs, Marko und Enrico, da anschleppten, überstieg ihr bisheriges Vorstellungsvermögen. Auch Enkel Lukas Mack staunte Bauklötzer, als der zum Urvieh mutierte Käfer auf Omas Kissen Modell saß. „Hoffentlich ist er nicht giftig", rätselte Petra. Da ihre Söhne das Monster beim Heumachen aufgabelten, reichte die Großmutter ihm ein bisschen Gras – in der Hoffung, er würde anbeißen. „Ich hab‘ ihn die ganze Zeit beobachtet. Gefressen hat er nichts." Vielleicht ist es ihm ja nach Fleisch? Ohje! Ehemann Matthias meinte, es könne nur ein Hirschkäfer sein. Unterdessen traf die Zeitung ein. Nach ein paar Schnappschüssen, schaltete LVZ-Fotograf Andreas Röse, bekennender Insektenliebhaber, das Landratsamt ein. Der zuständige Mitarbeiter der Behörde machte sich gleich den nächsten Morgen auf den Weg ins Minidorf Gaudichsroda bei Fremdiswalde. Sprecherin Brigitte Laux ließ gestern die Katze aus dem Sack: „Es handelt sich um einen Herkuleskäfer. Da er in Südamerika beheimatet ist, ist der Fund in unserer Region ungewöhnlich. Möglicherweise ist der Käfer einem Züchter entflogen. Vielleicht ist er auch als Larve oder Ei in der Humuserde einer Pflanze eingereist." Herkules gehört zur Familie der Blatthornkäfer. Zusammen mit dem Riesenbockkäfer ist er der größte Käfer weltweit.

Weil er zur Gefahr für hiesige Lebewesen werden kann, dürfe er nicht ausgesetzt werden, so Laux: „Daher verbringt er den Rest seines drei- bis viermonatigen Lebenszyklus‘ im Terrarium eines Mitarbeiters des Umweltamtes." Nicht etwa bei Wasser und Brot, sondern artgerecht bei angegangenem leicht fauligem Obst.

Wie die LVZ aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen erfuhr, stießen Naturfreunde 1985 in einem Strohhaufen nahe der Vierteln – so heißt der Nachbarort – auf eine größere Population von Nashornkäfern. Sie gelten als die nächsten, hier vorkommenden Verwandten des Herkuleskäfers.

Der 43-jährige Angler Steffen Tautz traute seinen Augen nicht: Quallen im Süßwasser! Was hatte er nicht schon alles am Haken: Karpfen, Aale, Zander. „Gefischt" hatte er im Steinbruch aber auch jede Menge Fässer und Autoreifen. 1994 nämlich schlämmte Steffen Tautz gemeinsam mit weiteren jungen Leuten den völlig verwahrlosten Steinbruch. Seitdem trifft sich rund um das Vereinsgewässer ein Freundeskreis. „Am Wochenende feierten wir hier Sommerfest. 50 Leute waren da. Am nächsten Morgen, beim Saubermachen, entdeckte ich in Ufernähe mehrere Quallen." Der überraschte Angler schaltete sofort Fischwirt Andreas Apelt ein. Dessen Ingenieurbüro erstellte bereits die Planungsunterlagen für den Gewässerausbau der Tongrube. Apelt gestern gegenüber der LVZ: „Bingo! Es sind tatsächlich äußerst seltene Süßwasserquallen. Eine kleine Sensation. Möglicherweise sind sie über Enten in den Steinbruch gelangt. Auf jeden Fall mögen sie 22 bis 25 Grad warmes Wasser. Weil sie hochempfindlich auf Giftstoffe reagieren, ist ihr Vorkommen der beste Beweis für die Topp-Qualität des Gewässers." Genau das ist die eigentliche Sensation. Denn früher befand sich gleich oberhalb des Steinbruchs die Ausfülle.

Haig Latchinian

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