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Grimma „Weltreise“ nach Waldbardau endet mit Fußmarsch
Region Grimma „Weltreise“ nach Waldbardau endet mit Fußmarsch
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00:19 28.08.2017
Muldental in Fahrt wird gefeiert und hat in der Tat viele Vorteile. Manche fühlen sich aber auch abgehängt. Quelle: MDV
Grimma/Waldbardau

Muldental in Fahrt – das Mammutprojekt hat nicht nur Gewinner. Steffen Thomas aus Borna jedenfalls fühlt sich abgehängt, seit der Fahrplan vor wenigen Tagen umgestellt wurde. Der 53-Jährige besucht regelmäßig an Wochenenden seine Nichte im beschaulichen Grimmaer Ortsteil Waldbardau. Seine gewohnte Fahrtroute ist seit Schuljahresbeginn aber gekappt.

Dabei ist es ohnehin schon eine kleine Weltreise für den Hartz-IV-Empfänger, die etwa 25 Kilometer (Luftlinie) von der Kreisstadt zum 240-Seelen-Dorf Waldbardau zu bewältigen. Bislang nahm er zunächst die S-Bahn nach Geithain, stieg dort in den Regionalexpress nach Bad Lausick und von dort in den Bus der Linie 610, der nach Grimma fährt. Nach altem Fahrplan machte der Bus einen Schlenker in Grimmas Süden und hielt am Wasserwerk, von wo der Bornaer die letzten Meter nach Waldbardau in etwa zehn Minuten zu Fuß zurück legte.

Mit dem neuen Fahrplan wurde die Route des 610er geändert, an der Haltestelle „Am Wasserwerk“ kann Steffen Thomas nun nicht mehr aussteigen. „Waldbardau hat man fast ganz vom ÖPNV abgetrennt“, schimpft der 53-Jährige. „Die PlusBusLinie 610 am äußeren Rand des Gebietes wurde nunmehr direkt zum Stadtzentrum Grimma durchgebunden“, erklärt Thomas Fröhner, Leiter Organisation der Regionalbus Leipzig GbmH. Damit finde hier „eine fahrgastfreundliche Beschleunigung der Linie“ statt. Das unterstütze für die Reisenden am oberen Bahnhof in Grimma die Anschlüsse zu anderen Buslinien und zum Zug nach Leipzig. „Die PlusBusLinie 610 verkehrt auch an den Wochenenden und Feiertagen. Allerdings können für die Bewohner des Gebietes Waldbardau längere Wege zum Erreichen der Haltestelle zutreffen“, bestätigt Fröhner.

Der Organisationschef verweist auf die Linie 617, mit der das Gebiet Waldbardau „durch die direkte Durchfahrt durch das Wohngebiet“ erschlossen werde. Der Bus fahre von Montag bis Freitag im Zwei-Stunden-Takt und werde in der Hauptverkehrszeit an Schultagen auf Stunden-Takt verdichtet, so Fröhner. Auch diese Linie habe in Grimma Anschluss zu weiteren Buslinien und zum Zug.

Steffen Thomas nutzt das indes wenig, da er seine Verwandten an den Wochenenden besucht. Dann rollt der 617er, dessen Linie von Kitzscher über Otterwisch nach Grimma führt, nicht. Der Bornaer muss nun entweder weiter seine alte Route nehmen und dann in Großbardau aussteigen. Damit verlängert sich der Fußmarsch zu seiner Nichte. Oder er wählt den Weg über Leipzig. Dann müsste er für eine Fahrt aber 10,30 Euro hinlegen, wie er erzählt. Seine bisher gewohnte Route kostete ihn 6,10 Euro. Für einen, der von Hartz IV lebt, nicht unerheblich.

Am Wahlsonntag will Steffen Thomas wieder nach Waldbardau. „Ich werde wohl so fahren wie bislang auch“, gibt er zu verstehen. Wohl oder übel wird er in Kauf nehmen, dann in Großbardau auszusteigen und sich per pedes auf den Weg zu machen. Oder seine Verwandtschaft holt ihn dort mit dem Auto ab. „Mit bleibt ja nichts anderes übrig.“ Würde der 617er am Wochenende verkehren, stiege er dort ein. Aber auch nur für die Hinfahrt. Der letzte Bus fährt vom Wasserwerk um 16.51 Uhr zurück nach Kitzscher, das wäre ihm zu zeitig, um der Familie adieu zu sagen. Die Rückfahrt nach Borna wäre dann auch nur über Leipzig möglich.

Von Frank Prenzel

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