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Grimma Wenn die Leitstelle überfordert ist: Bei Großereignissen wird Grimma zur Zentrale
Region Grimma Wenn die Leitstelle überfordert ist: Bei Großereignissen wird Grimma zur Zentrale
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00:19 07.02.2018
Im Gerätehaus der Grimmaer Wehr befindet sich ein Leitstand, der künftig bei einem Großereignis als Landfunkstelle dient. Quelle: Andreas Röse
Grimma

Als das Orkantief Friederike am 18. Januar Bäume über Straßen legte und reihenweise Dachziegel hob, stellte sich auch Chaos auf der Alarmierungsstrecke der Rettungskräfte ein. „Bei so einem Sturm ist die zentrale Rettungsleitstelle in Leipzig gnadenlos überfordert“, ärgert sich Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos). Er war schon immer ein Gegner dieser Zentralisierung – zumal die neue Leitstelle seinen Worten zufolge mit 16 Millionen Euro das vierfache der ursprünglichen Kalkulation verschlang. Kommunen und Feuerwehren hätten immer vor der Zusammenlegung gewarnt, so Berger.

Sein Sachgebietsleiter für Brand- und Katastrophenschutz/Feuerwehr, Steffen Kunze, relativiert das etwas. Die Rettungsleitstelle mache eine qualitativ hohe Arbeit, besser als die frühere Leitstelle in Grimma. Bei so einem Unwetter sei sie aber tatsächlich überfordert, bestätigt auch er. In den wenigen Stunden, als Friederike über der Region tobte, landeten auf den 25-Arbeitsplatz-Tischen 2500 Notrufe. „Dann wird nach Priorität sortiert“, so Kunze. Eine Grimmaerin etwa kam verzweifelt ins Gerätehaus, weil sie die Rettungsleitstelle eine halbe Stunde lang nicht erreichte. „Das ist bei einem umgestürzten Baum nicht tragisch, aber was ist, wenn es um Leben oder Tod geht“, fragt sich Berger besorgt.

Um bei einem Großereignis Herr der Lage zu werden, sind im Zuge der Zentralisierung sogenannte Landfunkstellen etabliert worden. Sie erhalten dann – wie bei Friederike – von der Rettungsleitstelle Aufträge im Paket und haben sie vor Ort zu koordinieren. Zur Alarmierung sind sie nicht berechtigt. Im Landkreis sind zwölf Landfunkstellen vorgesehen, eine befindet sich für das große Stadtgebiet in Grimma und war nach dem Sturm im Oktober jetzt zum zweiten Mal gefragt. Indes kritisiert Grimmas Wehrleiter Michael Grimm, dass die Funkstelle noch nicht richtig arbeitsfähig sei. Dem Leitstand im Gerätehaus fehlen die Funkgeräte, so dass die Rettungskräfte im Ernstfall vom Einsatzleitwagen aus koordiniert werden müssen – der auch noch zum Bestand des Landkreises gehört und abgezogen werden kann. Die lauten Umgebungsgeräusche und das Wackeln im beengten Fahrzeug seien eine Belastung für Funker und Protokollführer, so Grimm. Eine funktionierende Leitstelle im Gerätehaus sei dringend notwendig, derzeit könne man nicht effektiv arbeiten.

Die zwei digitalen Funkgeräte liegen seit Jahresanfang im Stadthaus und sollen nun ab 6. Februar im Leitstand eingebaut werden. Danach sei er arbeitsfähig, sagt Sachgebietsleiter Kunze. Was fehle, sei noch eine Führungs-Software. Der Sachgebietsleiter nennt zwei Gründe für die Verzögerung, die an der Stadt liege. Zum einen habe man abgewartet, wie der Landkreis reagiere. Zum anderen wolle Grimma seinen Leitstand mit dem eigenen Hochwasserschutz-System koppeln. Im Ernstfall, etwa einem drohenden Unwetter, sei die Landfunkstelle mit fünf Personen aus Stadtverwaltung und Feuerwehr zu besetzen. Das Team übernehme dann die Einsatzführung im 217-Quadratkilometer-Stadtgebiet. Im Katastrophenfall könne die Aufgabe auf das Trebsener Gebiet erweitert werden, so Kunze.

Derzeit wird ein Ausnahmeplan für die Stadt Grimma diskutiert. Auch dieser Punkt war noch offen. Am Dienstag wurden die Führungskräfte der Feuerwehren mit dem Papier vertraut gemacht, noch in diesem Monat soll es in Kraft treten. „In dieser Arbeitsgrundlage ist hinterlegt, was im Ausnahmezustand zu tun ist“, erläutert Kunze. Den dürften der Oberbürgermeister, seine Stellvertreterin oder die Ordnungsamtsleiterin ausraufen.

Aus Kunzes Sicht hat Grimmas Landfunkstelle bei den zwei Stürmen „gut funktioniert“. „Wir hatten die Aufträge aus Leipzig, konnten sie priorisieren und abarbeiten.“ Ein Manko habe es aber gegeben. Weil die zentrale Rettungsleitstelle an ihre Grenzen stieß, funktionierte die Nachalarmierung nicht. So saßen Kameraden zu Hause, obwohl in der Nähe reihenweise Bäume kippten. Per SMS und mit Sirenen holten die Grimmaer ihre Leute schließlich raus.

Von Frank Prenzel

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